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Serbien ohne Montenegro : im Schatten des Kosovo
Entstehung
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FES-Analyse: Serbien vorgesehen im kommenden Jahr aus dem politischen Entscheidungsprozess in Bosnien zurückzieht. Im Sommer 2007 soll in Bosnien und Herzegovina nämlich ein zentrales Kapitel der Nachkriegsge­schichte des Landes abgeschlossen sein und das machtvolle Amt des Hohen Repräsentanten aufge­löst werden. Danach soll ein Sonderbeauftragter der EU mit deutlich reduzierten Befugnissen der 9 wichtigste ausländische Repräsentant in Sarajevo sein. Vor allem unter der größten Volksgruppe des Landes, den Bosniaken, ist die Haltung verbreitet, es sei zu früh, das Land sich selbst und seinen ethnozentrischen Klientelpolitikern zu überlassen. Für die Serben soll Bosnien dagegen nach Mög­lichkeit jener schwache Staat bleiben, der er seit 1995 ist. Neue Staaten auf der Karte Europas mit begrenzter Souveränität Das Jahr 2006 hat durch das Unabhängigkeitsrefe­rendum in Montenegro die(Wieder)Entstehung eines Staates auf der Landkarte Europas erlebt. Eine zweite(Kosovo) könnte schon zu Beginn des kommenden Jahres folgen. Den völkerrechtlich ein­facheren Fall stellt Montenegro dar: Im Mai 2006 erklärten sich die wahlberechtigten Bürger Monteneg­ros in einem Referendum mehrheitlich für die staatli­che Unabhängigkeit ihrer Republik. Da auch die lau­fenden Verhandlungen über den nächsten Status des Kosovos auf eine Unabhängigkeit für die Provinz zusteuern, besteht die Aussicht, dass die ungelösten Statusfragen des Balkans endlich abschließend gelöst werden können und die Region sich ihren eigentli­chen, zumeist wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu­wenden kann. Das unter starker internationaler Beobachtung durchgeführte Unabhängigkeitsreferendum in Monte­negro verlief, anders lautenden und vor allem in Bel­grad genährten Befürchtungen zum Trotz, ohne größe­re Zwischenfälle. Für den montenegrinischen Mi­nisterpräsidenten Djukanovic, der sich in den neunziger Jahren erst relativ spät, dann allerdings konsequent von seinem einstigen Förderer Milose­vic abgewandt hatte, wird nun erst die Stunde der Wahrheit schlagen. Über Jahre hatte Djukanovic von eigenen politischen Versäumnissen mit dem Hinweis auf die mangelnde Unabhängigkeit Montenegros ab­zulenken versucht und damit auch immer wieder Er­folg gehabt. Dieses Ablenkungsmanöver ist nun nicht mehr möglich, doch Djukanovic wird bei den Parlamentswahlen im September wohl noch einmal vom Unabhängigkeitsbonus profitieren können. Schon im nächsten Fortschrittsbericht der EU­Kommission aber, dessen Veröffentlichung jeweils im Herbst ansteht, wird Montenegro erstmals ei­genständig bewertet werden und einige der zu erwartenden Urteile könnten die montenegrinische Selbsteinschätzung, laut der das Land einen gro­ßenReformvorsprung vor Serbien habe, gründ­lich widerlegen. Dennoch hat Montenegro nun einen entscheidenden Vorteil: Der Weg nach Eu­ropa wird nicht länger vom Mladic-Junktim beein­trächtigt, denn das gilt nur für Serbien. Die EU führt mit den Montenegrinern nun gesonderte Ver­handlungen über ein Stabilisierungs- und Assoziie­rungsabkommen. Wenn sie für die EU zufriedenstel­lend verlaufen, könnte Montenegro schon am Ende dieses Jahres ein solches Abkommen unterzeichnen. Wirtschaftlich wird in dem jungen Kleinstaat viel von der weiteren Entwicklung des Tourismus­sektors abhängen. Für Serben aus Serbien und Bosnien und Herzegovina war die montenegrini­sche Adriaküste schon immer ein bevorzugtes Er­holungsgebiet, was sich so schnell schon aus Grün­den ihrer eingeschränkten Reisefreiheit nicht än­dern wird. Die albanisch geprägte montenegrinische Küstengegend um die Stadt Ulcinj wird sich zudem weiterhin als Ziel für Touristen aus dem Kosovo zu profilieren versuchen. Auch Tagestouristen aus dem kroatischen Dubrovnik tragen zur Belebung des Sommergeschäfts in Montenegro bei. Läuft die Tou­rismus-Saison gut, halten Fachleute ein Wirtschafts­wachstum von fünf Prozent für möglich.