Thomas Meyer Internet und Politische Bildung – Zehn Thesen • Der allgemeine Wandel des politischen Interesses, der Rückgang der großen Richtungsbindungen zugunsten der Unterstützung von Einzelprojekten und Einzelengagements schreitet voran. Misstrauen gegenüber den großen Repräsentativorganisationen des politischen Systems und der politischen Klasse (Parteien so gut wie Gewerkschaften) so wie der großen ideologischen Orientierungssysteme und- damit verbunden auch- Veränderungserwartungen kennzeichnen die Situation. Langfristbindungen schwinden zu Gunsten kurzer, überschaubarer, erfahrungsnaher, befristeter, direkt nutz- und kontrollierbarer Engagements. • Unsicherheit wächst bis weit hinein in die gehobenen Mittelschichten. Das Empfinden der Wahrscheinlichkeit des möglichen Arbeitsplatzverlusts, der vermutlichen Notwendigkeit mehrfacher beruflicher Neuorientierung und Requalifizierung während des Arbeitslebens nimmt zu und mit ihm das für die Ungewissheit und Unsicherheit der eigenen Lage. • Die Mediatisierung der Gesellschaft, der Politik und der Lebenswelt schreitet voran. Alle Bereiche der Erfahrung werden von medialer Kommunikation und den ihr jeweils spezifischen Mustern der Selektion und der Inszenierung durchdrungen. Neben dem Fernsehen, das bestimmte Darstellungs- und Vorstellungsweisen von Politik hervorgebracht hat, spielt das Internet für bestimmte soziokulturelle Milieus seit kaum fünf Jahren eine allerdings rapide wachsende, in ihren Auswirkungen momentan kaum abzuschätzende Rolle. Das Internet hat begonnen, für diese Milieus zu einem Kernelement ihrer Alltagserfahrungen, ihrer alltäglichen Kommunikationsgewohnheiten und selbst ihrer Alltagsästhetik zu werden. Für diese Gruppe kommt kaum noch in Betracht, wer sie nicht über eine professionelle Präsentation im Internet anzusprechen und zu erreichen vermag. IV. Nutzungskriterien politischer Bildung Über die allgemeinen Lernziele politischer Bildung ist rasch Einigkeit zu erzielen. Diese besagt aber für das konkrete Angebot wenig, auch wenn die Lernziele für die Arbeitsziele, Arbeitsformen und Methodenstandards immer eine unerlässliche Orientierung bleiben werden. Bei der Anwendung der Analyse gesellschaftlicher Veränderungen auf die Entwicklung von innovativen Angeboten für politische Bildung empfiehlt sich neben den Lernzielen ein empirie-naher uses- and gratifications-Ansatz. Er geht von Nutzungsinteressen und Befriedigungspotentialen der Teilnehmer selber aus und nicht von den paternalistischen Nutwww.fes-online-akademie.de Seite 3 von 10
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