Ungerechtigkeiten ihren Vorteil ziehen. Der fertige Gesetzentwurf wurde im vergangenen Jahr vom Parlament unter den Tisch fallen gelassen. Armut und Ungleichheit Die deutliche Mehrheit der Bevölkerung Kenias ist arm. Die absolute Armut liegt bei etwa 50%. An diesem Zustand hat auch das gute Wirtschaftswachstum der letzten Jahre nicht viel geändert. Verschärft hat sich hingegen das Problem krasser sozialer Disparitäten. Die Ober- und gehobene Mittelschicht in den Städten hat von der Wirtschaftsentwicklung profitiert, während das Gros der Bevölkerung vor allem die Inflation der Preise für Güter des Grundbedarfs zu spüren bekommen hat. Nicht zuletzt ist es auch der Kibaki-Regierung bisher nicht gelungen, auf der Basis des guten Wirtschaftswachstums einer ausreichenden Zahl junger Menschen eine befriedigende Perspektive zu bieten. Besonders die Jugendarbeitslosigkeit grassiert. Auch diese Entwicklungen sind mit ethnischen Konnotationen unterlegt. Angehörige des Kikuyu-Stammes sind wirtschaftlich oft erfolgreicher als andere KenianerInnen. Hochburgen der Opposition – wie die Küstenregion und Nyanza am Viktoriasee beklagen doppelt so hohe Armutsquoten wie die Heimatprovinz der Kikuyus(Central); die Lebenserwartung in Nyanza liegt dramatische 16 Jahre unter der in Central. Die Konzentration von Landbesitz und Wohlstand in den Händen einer ethnischen Gruppe ist in einem armen Land gefährlich, besonders wenn die illegitime Okkupation politischer Macht hinzu kommt. Ethnische Klüngel Der ungleiche Zugang zu staatlichen Ressourcen wird in Kenia direkt mit der ethnischen Herkunft in Verbindung gebracht. Bei der Vergabe von Posten in der Verwaltung oder in einer der zahlreichen halbstaatlichen Organisationen zählt vor allem Klüngel und nicht Eignung oder Leistung. Die Präsidentschaft Kenyattas hatte für dieses Vorgehen den Grundstein gelegt. Da Kenyattas Nachfolger, Daniel arap Moi, der kleineren Ethnie der Kalenjin angehörte, hatte sich dieser dann zwar mit der Kikuyu-Elite arrangiert, seine Macht aber stark über ein personenbezogenes Herrschaftssystem ausgeübt. Mit der Einführung des Mehrparteiensystems Anfang der 90er Jahre und spätestens mit der Ablösung des Moi-Regimes durch die KibakiAdminis-tration gewann Ethnizität dann wieder offensichtlich an Gewicht als politischer und wirtschaftlicher Faktor. Die „Society for International Development“ legte jüngst z.B. einen Bericht vor, der die überproportionale Berücksichtigung der Kikuyus in der Besetzung gehobener öffentlicher Ämter seit 2002 darlegt, und auch die„Kenya Human Rights Commission“ kritisierte offen die Bevorzugung einzelner Ethnien durch die Regierung. Mit entscheidend für die jüngsten Entwicklungen war vermutlich auch die Tatsache, dass Kibaki seinen damaligen Bündnispartner Raila mit der Nichteinhaltung des vor der Wahl 2002 getroffenen Koalitionsabkommens zur Machtteilung verprellt und damit den Eindruck verstärkt hatte, Luos würden von Kikuyus systematisch von der Macht fern gehalten. Rotes Tuch Föderalismus Die Diskussion von Ethnizität und regionalen Disparitäten findet in Kenia bereits seit vielen Jahren statt und ist eng verwandt mit der Debatte über dezentrale Regierungsstrukturen. Zwar verfügte das Land bei Erlangung der Unabhängigkeit im Jahr 1963 über ein föderales System, dieses wurde auf Initiative von Präsident Kenyatta aber durch eine unitarische Ordnung ersetzt, angeblich um das friedliche Zusammenleben der Volksgruppen zu befördern. 5
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