Druckschrift 
"Her mit dem allgemeinen, gleichen Wahlrecht für Mann und Frau!" : Die internationale sozialistische Frauenbewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts und der Kampf um das Frauenwahlrecht
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

42 Gemeinsames Vorgehen von bürgerlichen und proleta­rischen Frauenbewegungen Das nahende Kriegsende, die politischen Unruhen und die Re­volutionswirren gaben der Frauenstimmrechtsbewegung neuen Aufschwung. Das bürgerliche Frauenstimmrechtslager schloss sich zusammen und begann, mit der sozialdemokratischen Frau­enbewegung zusammenzuarbeiten. Gemeinsam wurden nun große Frauenversammlungen in allen größeren Städten veran­staltet. Dergemäßigte Flügel der bürgerlichen Frauenbewe­gung hielt sich allerdings bis zuletzt ganz und gar fern. Die im Reichstag vertretenen Parteien außer der SPD verhielten sich weiterhin ablehnend. Am 22. März 1917 wurde der Gesetzent­wurf für das allgemeine Wahlrechtohne Unterschied des Ge­schlechts durch Eduard Bernstein(SPD) und Genossen wieder im Reichstag vorgelegt und wieder abgelehnt. Im Dezember 1917 wurde im Preußischen Landtag eineEr­klärung zur Wahlrechtsfrage übergeben und in der Frauenpres­se veröffentlicht. Die Frauen forderten politische Gleichberech­tigung mit dem Manne: allgemeines, gleiches und direktes Wahlrecht für alle gesetzgebenden Körperschaften. Die Erklä­rung war von Marie Juchacz für die sozialdemokratischen Frau­en in der MSPD, von Marie Stritt(1855 1928) für den Zu­sammenschluss bürgerlicher Frauen imDeutschen Reichsbund für Frauenstimmrecht und von Minna Cauer(1841 1922) für denDeutschen Bund für Frauenstimmrecht unterschrieben. Was von Marie Stritt als Ereignisvon Bedeutung und eine ganz neue Erscheinung in der politischen Frauenbewegung gefeiert wurde, war für Clara Zetkin ein Beweis, dassdie sozialdemo­kratische Frauenbewegung zu einer Nichts-als­Reformbewegung entartet[war], die die bürgerliche Ordnung nicht stürzen, sondern stützen will. 85 Die USPD hatte die Un­terstützung der Erklärung abgelehnt. 85 Zetkin 1958, S. 220.