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"Her mit dem allgemeinen, gleichen Wahlrecht für Mann und Frau!" : Die internationale sozialistische Frauenbewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts und der Kampf um das Frauenwahlrecht
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43 Im Juli 1918 wurde der Parlamentarier Otto Landsberg(1869 1957), der der Mehrheitssozialdemokratischen Partei Deutsch­lands(MSPD) angehörte, noch einmal in der Wahlrechtsfrage im Reichstag aktiv. 86 Die Gesetzesinitiative wurde nun durch die Abgeordneten der Unabhängigen Sozialdemokratischen Par­tei Deutschlands(USPD) unterstützt, die Mehrheit der Männer aus den anderen Parteien verweigerte den Frauen auch jetzt noch das Stimmrecht. Bei den Arbeiter- und Soldatenräten, die sich im November 1918 überall formierten, fanden die Frauen mit ihrer Frauen­stimmrechtsforderung offene Ohren. Für die Räte gehörte die Forderung nach dem Frauenstimmrecht zu den Parolen der Re­volution. Endlich das Frauenwahlrecht In der Erklärung des Rates der Volksbeauftragten an das deutsche Volk vom 12. November 1918 hieß es eindeutig:Alle Wahlen zu öffentlichen Körperschaften sind fortan nach dem gleichen, ge­heimen, direkten, allgemeinen Wahlrecht[...] für alle mindestens 20 Jahre alten männlichen und weiblichen Personen zu vollzie­hen. Damit war elf Jahre nach der Gründung der Sozialistischen Fraueninternationale das allgemeine und gleiche Wahlrecht durchgesetzt und damit eine Forderung der Frauenbewegungen erfüllt, für die sie, wenn auch von unterschiedlichen Standpunk­ten aus und mit unterschiedlichen Aktionen, jahrelang mit viel Ausdauer, Mut und Fantasie gekämpft hatten. Am 19. Januar 1919 durften alle über 20jährigen Menschen zur Wahlurne gehen und es konnten sich auch alle wählen lassen. Der erste demokratische Wahlkampf war gekennzeichnet durch scharfe Gegensätze zwischen Rechts und Links. Die Kommunis­tische Partei Deutschlands, die am 1. Januar 1919 gegründet worden war, nahm nicht an den Wahlen zur Nationalversamm­86 Stenographisches Protokoll Reichstag, 1918, S. 5912.