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Afghanistan - den Frieden verhandeln : Bericht der Internationalen Task Force für Afghanistan im Auftrag der Century Foundation
Entstehung
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LAKHDAR BRAHIMI UND THOMAS R. PICKERING| AFGHANISTAN DEN FRIEDEN VERHANDELN Geleitwort Die NATO-Mission in Afghanistan inzwischen in ihrem zehnten Jahr startete als Reaktion auf die Al-Qaida­Angriffe auf das World Trade Center und das Pentagon. In diesem Jahrzehnt wurde der Konflikt allerdings meist von dem weitaus größeren und tödlicheren Kampf im Irak überschattet. Doch mit dem Zurückschrauben des großen amerikanischen Engagements im Irak rückt Afghanistan wieder in den Mittelpunkt; laut Barack Obama ist der dortige Kampf»für uns das Zentrum, die Hauptfront in unserem Kampf gegen den Terrorismus«. Obwohl auch andere NATO-Mitglieder beteiligt sind, haben die Vereinigten Staaten eine Streitmacht von fast 100.000 Soldaten in Afghanistan stationiert dreimal so viele wie alle ihre Partner in dieser breiten, internatio­nalen Koalition zusammen. Die Diskussion über die Ziele des Afghanistan-Krieges hat sich mit der Zeit verschoben von der Zerschlagung Al-Qaidas hin zur Errichtung eines funktionierenden Staates, der in der Lage ist, sich selbst zu verteidigen und ein Wiedererstarken der Taliban entschlossen zu verhindern. Das Erreichen dieser Ziele hat sich als äu­ßerst schwierig und entmutigend erwiesen. Daher ha­ben die USA und ihre Verbündeten nach neuen Ideen und Ansätzen gesucht, den Konflikt zu entschärfen und die Militärpräsenz in Afghanistan zu reduzieren. Es steht viel auf dem Spiel und es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis der Ansatz, über inoffizielle Kanäle Erfolge zu erzielen, Früchte tragen wird. Dennoch besteht für dieses Vorgehen eine dringende Notwendigkeit. Angeregt durch Gespräche mit Vartan Gregorian, dem Präsidenten der Carnegie Corporation aus New York, und mit der Unterstützung und Beteiligung von Stephen Heintz vom Rockefeller Brothers Fund planten die Mit ­arbeiter der Century Foundation ein internationales und multilaterales Vorhaben, um die Debatte weiter voran­zutreiben. War dies nur ein amerikanischer Krieg, ent­zündet und aufrechterhalten von Fehleinschätzungen, die nicht der Wirklichkeit vor Ort entsprachen ein Vor­wurf, der auch gegen die amerikanischen Kriege in Viet­nam und im Irak erhoben wurde? Oder handelt es sich um einen Konflikt, in dem die Region und die Welt ge ­meinsame Ziele verfolgen und ernsthaft engagiert sind? Wenn Letzteres zutrifft, gibt es dann einen Weg, diese Ziele zu erreichen, ohne einen zermürbenden Krieg mit unabsehbaren Folgen endlos fortzuführen? Glücklicherweise erklärten sich zwei herausragende Per­sönlichkeiten bereit, einen internationalen Einsatz zu lei­ten, der diese Fragen untersuchen sollte. Während seiner langen, verdienstvollen Tätigkeit in seinem Heimatland Algerien sowie bei der anschließenden Arbeit für die Ver­einten Nationen erging an Lakhdar Brahimi zweimal der Ruf, die Vereinten Nationen in Afghanistan zu repräsen­tieren das erste Mal verhandelte er während der Taliban­Herrschaft mit deren wichtigsten Führern, das zweite Mal leitete er nach ihrer Amtsenthebung den internationalen Einsatz zur Unterstützung einer neuen, offeneren Regie­rung. Darüber hinaus erklärte sich der hochgeachtete Dip­lomat Thomas R. Pickering bereit, den Co-Vorsitz unserer internationalen Task Force zu übernehmen. Pickering war als Botschafter der U.S.A. bei den Vereinten Nationen, in Indien und Russland tätig sowie als Unterstaatssekretär für politische Angelegenheiten, als die immer engere Be­ziehung zwischen den Taliban und Al-Qaida die USA und die UN zu Gegenmaßnahmen veranlasste. Diese hervorragenden Co-Vorsitzenden leiteten eine Task Force aus sieben amerikanischen und acht inter­nationalen Mitgliedern, die über eine außergewöhn­liche Bandbreite von Erfahrung verfügen. Während ihrer Tätigkeit trafen sie sich mit führenden politischen Entscheidungsträgern und angesehenen Analysten in einer Vielzahl von Ländern, um uns nun diesen bedeu­tenden Bericht präsentieren zu können. Jeffrey Laurenti, leitender Fellow und Direktor des außenpolitischen Pro­gramms der Century Foundation, koordinierte gemein­sam mit Fellow und Programmleiter Michael Wahid Han ­na die Arbeit der Task Force. Hintergrundpapiere, die von der Century Foundation zur Unterrichtung für die Beratungen der Task Force in Auftrag gegeben wurden, finden sich am Ende des Berichts, wo sich ebenfalls die Links zu den jeweiligen Internetadressen finden. Die Task Force kommt zu dem Schluss, dass der anhal­tende Krieg in Afghanistan im Grunde in einer Sackgasse steckt. Es wird weder gelingen die Taliban zu besiegen noch die Regierung in Kabul immer noch von der gro­ßen Mehrheit der Afghanen unterstützt abzusetzen. Aufgrund der anhaltenden Bedrohung durch Al-Qaida wird die internationale Gemeinschaft das Land aber nicht im Stich lassen. Nach Meinung der Task Force bedarf es eines komplexen und mehrstufigen Verhandlungsplans, um diesen Krieg mit einer dauerhaften Kompromisslö­sung zu beenden. Der Zeitpunkt ist gekommen, an dem dieser politische Prozess in Gang gebracht werden muss. 2