LAKHDAR BRAHIMI UND THOMAS R. PICKERING| AFGHANISTAN – DEN FRIEDEN VERHANDELN Die Erkenntnisse und Empfehlungen der Task Force – Eine Zusammenfassung 1. Die jüngsten Kämpfe in Afghanistan haben den Autoritätsverlust der afghanischen Regierung gebremst, doch nach 30 Jahren Krieg kann heute keine Seite mehr erwarten, die andere militärisch zu besiegen. Das zunehmende Gefühl einer Pattsituation öffnet den Weg für politische Schritte zur Beendigung des Konflikts. 2. Führende Taliban einfach für das System in Kabul zu vereinnahmen, wird vermutlich keinen Frieden nach Afghanistan bringen. Zur Aussöhnung mit den Aufständischen und zur Beendigung des Krieges werden letztendlich umfassendere politische Rahmenbedingungen nötig sein. 3. Der beste Zeitpunkt, um einen politischen Prozess mit dem Ziel einer Einigung zu beginnen, ist jetzt. 4. In einem Verhandlungsprozess werden die Vereinigten Staaten das politische Ergebnis mit mehr Zuversicht gestalten können, anstatt auf den Ausgang eines langwierigen und ergebnislosen Krieges zu vertrauen. Der große militärische Einsatz seit 2009 hat ihnen die Zeit und die Ausgangsbasis verschafft, um die amerikanischen Kernziele durch Verhandlungen zu erreichen. 5. Ein politischer Prozess wird sich sowohl mit innenpolitischen Problemen der afghanischen Staatsführung befassen müssen als auch mit den Sicherheitsfragen der Länder in der Region und der erweiterten internationalen Gemeinschaft. 6. Die Afghanen selbst werden die Verantwortung dafür übernehmen müssen, Kompromisslösungen für die internen afghanischen Streitpunkte zu finden. 7. Internationale Mittel werden eine entscheidende Rolle bei der Einhaltung einer Friedensregelung spielen und sollten davon abhängen, ob Afghanistan die Abmachung einhält. 8. Um für ein stabiles Afghanistan zu sorgen, wird eine breit angelegte wirtschaftliche und soziale Entwicklung und eine größere Anzahl von Gebern entscheidend sein. Auch aus der Region müssen feste Hilfs zusagen kommen und eingehalten werden. 9. Erneute Zusagen der multilateralen Entwicklungsbehörden, besonders der Weltbank und der asiatischen Entwicklungsbank, werden für eine langfristige zuverlässige Finanzierung nötig sein. 10. Die internationale Gemeinschaft sollte Afghanistan bei der Aushandlung von Schürfrechten für den Abbau seiner Erzvorkommen und beim Festlegen der rechtlichen Rahmenbedingungen für die Einnahmen aus den Bodenschätzen unterstützen. 11. Die internationale Gemeinschaft wird die lange vernachlässigte Sekundär-, Berufsschul- und Universitätsbildung fördern müssen. 12. Ein regionales Grenzkontroll- und Transithandelsabkommen sollte als Bestandteil von oder parallel zu einer afghanischen Friedensregelung in Betracht gezogen werden. 13. Im Hinblick auf die internationale Sicherheit wird der Eckpfeiler einer Einigung ein überprüfbarer Abbruch der Beziehungen zwischen den Taliban und Al-Qaida oder ähnlichen Gruppen sein, mit der Garantie, dass Afghanistan nie wieder grenzübergreifende Terrornetzwerke beherbergt. 14. Die internationale Gemeinschaft sollte Maßnahmen vorsehen, um die Möglichkeiten zur Terrorismusbekämpfung in einer Übergangsphase zu verbessern. 15. Das Abkommen wird eine energische Anti-Drogenpolitik mit intensiver internationaler Unterstützung und Zusammenarbeit garantieren müssen. 16. Der Abzug der NATO-geführten ISAF-Streitkräfte und besonders der amerikanischen Truppen wird höchstwahrscheinlich wesentlicher Bestandteil eines Abkommens sein. 17. Für eine Übergangszeit bedarf es wahrscheinlich eines Friedens- und Beobachtungseinsatzes der Vereinten Nationen zur Umsetzung einer politischen Einigung. 18. Keine der kriegsführenden Parteien sollte der UNFriedenstruppe angehören. Zur Teilnahme sollten besonders muslimische Länder ermutigt werden. 53
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Afghanistan - den Frieden verhandeln : Bericht der Internationalen Task Force für Afghanistan im Auftrag der Century Foundation
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