Durons Gucklock

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Hitler und Mussolini , Mussolini und Hitler ist es er­laubt, eine solche Kombination überhaupt noch zu formu­lieren?! Seit dem berühmten Venediger Besuch des Osafs aller Deutschen , wo jener ihm bei Asti spumante kennen lernte und feststellte, welcher böhmische Mittelstandsgott ihn beseeligt und beschwingt, schlägt wohl der Duce jedesmal feierlich und rituell ein Kreuz, wenn er nur das Wort Adolf hört, obschon er doch eigentlich ein Heide und Nietzscheaner ist und das Christentum mit seinen Gebräuchen doch höchstens als Instrumentenkasten für den römischen Im­perialismus gelten läßt.

Unsereins kommt nicht in Verdacht, dem einen oder an­deren Reverenz zu erweisen. Aber wenn schon Faschismus Persönlichkeitsfanatismus ist, dann wissen wir auch, daß Hitlers Zusammenbruch ein großes Operetten- oder Revue­Finale einmal sein wird, während der Mussolinis, obschon er genau schon so in den Sternen steht, wie der seines unzu­länglichen Tierstimmenimitators in braun, eher wohl einer attischen Tragödie gleichen wird. Denn: Der Duce ist immer. hin unserer marxistischen" Provenienz und er hat mit Himmel und Hölle und vor allem seinem eigenen Dämon gerungen, ehe er zum Renegaten einer großen Sache wurde und aus dem Avanti" in den ,, Populo d'Italia" übersiedelte. Der Adolf dagegen ist bei schlicht sudetendeutschem Kraut mit Knödel groß geworden, das zur geregelten Verdauung beitragen mag, nicht aber sehr viel zu einer unkorrekten Begabung. Abgeguckt hat der Osaf dem Duce, daß jener sich hin und wieder malerisch maskiert. Das hat ihm so ungemein imponiert, daß er es natürlich falsch sofort nachgemacht und übertrumpft hat; aus einem einzigen Faschistenhemd hat er gleich eine Kostümierungsfrage für eine ganze Nation mit allen ihren Wöchnerinnen- Lehranstalten und Postämtern dritter Klasse gemacht. Das und noch einiges andere wären so die kleinen Unterschiede!

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das

Von Benito Mussolini , dem Vater des allein echten Fa­schismus, werden jetzt einige Aussprüche aus der letzten Zeit bekannt. Wenn sie nicht wahr sind, so sind sie gut und richtig erfunden. So soll er beispielsweise einmal seine Heraldiker schon im voraus gestäubt haben durch folgende klassisch formulierte Selbsterkenntnis: ,, Da Mussolini selbst nicht genau weiß, wer und was er ist, so zweifelt er an dem genauen Wissen, das andere über seine Persönlichkeit zu haben behaupten." Das schönste Bonmot ist aber sicherlich folgendes: Wenn alles gut geht, werde ich vielleicht nach

ein paar Jahrzehnten auf einem öffentlichen Plats ein kleines

Denkmal haben und die Dienstmädchen und die Ammen

können dann bei mir ihr Rendezvous geben: Also heute abend acht Uhr beim Mussolini !"

Wenn alles gut geht... So spricht, nehmt alles nur in allem, sicherlich ein Mann, der freilich nicht mehr der unsere ist. Was aber tut im ähnlichen Falle Schlehmihl? Er fährt nach Nürnberg und läßt dort die alten Mauern und gotischen Patrizierhäuser von der Posaune seines ,, tausendjährigen" Reiches nur so erzittern. Jener ist ein Mann auch unter dem schwarzen Hemd; der aber besteht leider nur aus brauner Baumwolle.

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In Oesterreich , wo man bekanntlich frei nach Kunschack vergeblich umherspäht, um einen dort zwar ersehnten, aber leider nicht auf Lager vorrätigen Mussolini für das Land zu entdecken, gibt es noch Zeichen und Wunder. Die geringsten sind die reizvollsten. Wem ist schon aufgefallen, daß das Neue Wiener Tagblatt" immer noch als Untertitel mit dem Anspruch: Demokratisches Organ" dahersegelt? Trots alle­dem; und es will was heißen, trotz all des ständischen, autori­tören, legitimen, alt- österreichischen Gestrüps, immer noch schlicht und einfach:..... demokratisches Organ".

,, Jenem war Eichholz und dreifaches Erz um die Brust", so singt der Dichter von dem, der als erster Mensch das ge. brechliche Floß den Fluten des Ozeans anvertraute. Eichholz. und dreifaches Erz muß wohl auch der Wiener Metteur vor­weisen können vor zottiger Brust, der diesen Zeitungskopf immer noch zweimal täglich in den gußeisernen Rahmen für die erste Seite zwingt. Oder ist der Mann nur etwa weit­sichtig und möchte gern eine Episode für eine Epoche, eine Anekdote für einen Roman halten. Es kommt nämlich darauf an, dem heute ein bißchen verworrenen Zeitgeschehen seinen Sinn abzuluxen. Der Metteur hats kapiert, indem er auch bei einem vorübergehenden Regenschauer durchaus bei seinem ihn so gut kleidenden Strohhut verblieb.

F. E. Roth.

Zusammentritt der Kommer

( Von unserem Korrespondenten)

Paris , 10. Januar.

Am Dienstag ist die Kammer zu ihrer ersten Sizung nach den Weihnachtsferien zusammengetreten. Wie immer ant

Aufenthaltsverbot für Großstädte auf die Dauer von mehreren Jahren verfügt wurde. Bei vielen von ihnen wurde nun dieses Aufenthaltsverbot für bestimmte Fristen ausgesetzt und diese Fristen werden grundsätzlich vom 15. Januar an nicht mehr verlängert.

Jahresanfang stand die Neuwahl des Präsidiums auf der Französische ,, Propaganda"

Tagesordnung. Zum 11. Mate wurde Ferdinand Buisson zum Präsidenten gewählt, der Mann, der vor 11 Monaten aus der Sozialistischen Partei austrat, nicht, weil er mit dieser Partei nichts mehr zu tun haben wollte, sondern weil er in seiner Eigenschaft als Kammerpräsident im Gegensatz zu der von seiner Partei vertretenen Mei­nung dem Staatspräsidenten Lebrun vorgeschlagen hatte, Doumerque mit der Bildung des Kabinetts zu betrauen. Damals wollte Buisson seiner Partei einen inneren Ron­flikt ersparen, deshalb verließ er sie ind so groß ist die Autorität dieses Mannes, daß seine Wiederwahl zum Präsi­denten mit überwältigender Mehrheit erfolgte.

Manche schwierige Aufgabe wird die Kammer in den nächsten Wochen und Monaten zu lösen haben; die Gegen­sätze werden oft auf einander prallen, und es wird der ganzen Autorität des Präsidenten bedürfen, um das Par= Iament arbeitsfähig zu erhalten. Der Wille zur Arbeit ist bei allen Parteien vorhanden, und ernsthaft trägt man sich mit dem Gedanken, die Dauer der Legislatur­periode von vier auf sechs Jahre zu verlängern. Für diesen Gedanken erwärmt sich auch Paul Perrin in La Con­corde", aber er fordert weiter, daß die bisherigen Abgeord­neten nicht wieder wählbar sein sollen, um so die ständige Verjüngung der Kammer zu gewährleisten. Auch Emile Roche befennt sich in La Republique" als Anhänger einer sechsjährigen Legislaturperiode. Er meint, die Re­gierung dürfe einen solchen Vorschlag nicht verächtlich zu= rückweisen, denn dadurch würde verhindert, daß man sich am Anfang des nächsten Jahres mitten in einem Wahlkampf befinden würde, der in der Vergangenheit seinesgleichen nicht gehabt habe.

Im übrigen ist der Quotidien" mit der Mehrzahl der französischen Zeitungen darin einig, daß Flandint heute rei Feld" habe, wenn er handeln molle. Wenn auch seine Mehrheit nicht homogen sei, jo sei sie dennoch nicht weniger vorhanden. In den näch­sten Wochen habe man es mit einigen Reformprojekten zu tun, darunter der Gerichtsreform. Da seien die Gesetz­entwürfe, die sich mit den Unternehmern beschäftigten, it zu verhindern, daß diese Staatshilfe in Anspruch nähmen. Schwierige Aufgaben gelte es zu erledigen. Man werde den Ministerpräsidenten nach seinen Taten beurteilen.

Aufenthaltsverbote

Die Verfügung des Innenminsters

( Von unserem Korrespondenten)

Paris , 10. Januar 1985. Weite Kreise der in Frankreich lebenden deutschen Emi­granten wurden durch eine gestern in der hiesigen Preise crschienene Notiz alarmiert, wonach Innenminister Rég= nier angeordnet habe, daß alle zeitweiligen Erleichterungen mit endgültiger Wirkung zum 15. Januar aufgehoben werden sollen, die denjenigen bisher gewährt wurden, die von einem Aufenthaltsverbot betroffen sind.

Wir können demgegenüber versichern, daß diese Maß­nahme sich in feinerlei Beziehung gegen Emigranten richtet. Sie betrifft solche Personen, gegen die in Verbin­dung mit Freiheitsstrafen aus friminellen Gründen ein

Eine Lehre für Herrn Goebbels

( Von unserem Rorrespondenten)

Paris , 10. Januar 1935. Im Figaro" fommt Wladimir d'Ormesson darauf zu sprechen, daß der Antiklerikalismus, den Frankreich oft in der Vergangenheit gezeigt habe, ihm sehr in seiner Außen­politik geschadet habe. Man könne sagen, Lavals Besuch im Vatikan , ebenso wie die Reisen des Kardinals Verdier in Europa und außerhalb Europas ( der französische Kardinal Verdier ist fürzlich erst von einer Reise aus Südamerika zurückgekehrt, die außerordentlich dazu beigetragen hat, Frankreichs Prestige in Lateinamerika zu fördern. Red. d. " D. F.") bedeuteten die wirkungsvollste Propaganda", die man für die Hebung von Frankreichs Ansehen wünschen fönnte. Die wirkliche Propaganda mache man nicht mit Geld. Sie komme ganz von selbst als Folge einer Politik, eines Verhaltens, eines Geisteszustandes.

Paris

Verlegung des Ernst- Busch- Abends

Infolge Erkrankung von Ernst Busch muß der für heute, Donnerstag, den 10. Januar, im Salle Poissonnière, Paris , stattfindende Abend um einige Tage verschoben werden. Die gelösten Eintrittskarten behalten ihre Gültigkeit. Das genaue Datum wird noch bekanntgegeben.

Briefkasten

An mehrere. Ihre Anfragen beantworten wir mit einigen Säßen, die Max Braun dieser Tage einem Schweizer Journalisten diktiert bat: Also. Ich bin Rheinländer, mein Großvater war ein Bauer in Adenau bei Coblenz . Meine Mutter stammt vom Niederrhein , Mörs bei Xanten . Daß ich Deutscher bin und nicht polnischer Jude, wie es die Nazis in ihrem Lügensender gern verbreiten, brauche ich also wohl faum zu betonen. Ich selbst bin in Neuß bei Düsseldorf geboren, war fünf Jahre lang Volksschullehrer und meldete mich dann zu Kriegsausbruch freiwillig. Im Felde wurde ich mit sozia­listischen Ideen bekannt und trat in die Sozialdemokratie ein. Nach Kriegsschluß übernahm ich in Neuß das Düsseldorfer Kopfblatt der Partei, wurde dann im Oktober 1919 von den Besatzungsbehörden verhaftet, vor ein Kriegsgericht gestellt und bekam zwei Monate Gefängnis, die ich absaß, und 10 000 Fr. Geldstrafe zudiktiert. Jahresende 1919 fanden im besetzten Gebiet Wahlen statt. Ich wurde Fraktionsführer der Stadtverordnetenfraktion von Neuß und ehren amtlicher Beigeordneter. Ich blieb dort, bis ich auf dem Vereini gungsparteitag zwischen SPD. und USP. im Jahre 1922- ich mar Delegierter der niederrheinischen sozialdemokratischen Linken vom Parteivorstand, insbesondere dem verstorbenen Adolf Braun , gebeten wurde, an die Saar zu gehen, da hier zwei führende Ge­nossen von den Franzosen ausgewiesen worden waren. Im Februar 1923 fam ich in die Redaktion der Volksstimme". Seitdem lebe ich hier an der Saar ."

Für den Gefamtinbalt verantwortlich: Johann Pis in Dud metler; für Inferate: Ctto Rubn in Eaerbrüden. Notationsdrud und Verlag: Berlag der Botfestimme GmbH, Saarbrüden 3, Schützenstraße 5.- Echließfach 776 Saarbrüden.

In dieser Woche gelangt zur Auslieferung

WEISSBUCH

über die Erschiebungen des 30. Juni 1934

Die Deutsche Freiheit"

Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands

muß man regelmäßig lesen

Bestellschein

Ich ersuche um regelmäßige Zusendung der ,, Deutschen Freiheit" Name:

Straße:

Das Weißbuch über die Erschießungen des 30. Juni gibt die erste authentische Darstellung von den Ereignissen in der deutschen Bartholomäusnacht.

Das Weißbuch bringt das Geständnis des Gruppenführers Ernst über die Brandstiftung im Reichstag mit voller Namensnennung aller Brandstifter und der Anstifter,

Im Weißbuch kommen zu Wort: ein hoher Beamter des Münchener Polizeipräsidiums. ein Gefängnisbeamter des Zuchthauses Stadelheim , wo Röhm und andere SA. - Führer erschossen wurden, ein Hotelgast des Hotels Hanselbauer, Augenzeuge der Verhaftungen in Wiessee .

Das Weißbuch enthält ferner Auszüge aus dem Blaubuch der Reichswehr .

Das Weißbuch erscheint im gleichen Großformat wie die ..Braunbücher", im Umfang von zirka 250 Seiten. Es ent­hält zahlreiche Dokumente sowie eine Illustrationsbeilage von 16 Seiten. Es erscheint in Form einer Volksausgabe in festem Kartoneinband. Der Preis beträgt: fr. Fr. 15,-, Hfl. 2., Schw. Fr. 4.-, Kc. 25,-, für die übrigen Länder gilt der Preis in französischen Franken.

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Unterschrift Verlag

der Deutschen Freiheit"

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Ausgabe für das Saargebiet Sonderpreis nur 10,-ffrs.

EDITIONS DU CARREFOUR, PARIS VI, 83, Bid. du Montparnasse