Vorwort und Politikempfehlungen der Friedrich-Ebert-Stiftung Demokratie lebt von der aktiven und gleichen Teilhabe der Bürger:innen. Ein Grundsatz, der mit Blick auf junge Menschen eine besondere Relevanz hat. Erstmals erfahren sie wirklich gleiche Teilhabe mit der Wahlberechtigung und der damit verbundenen Erstwahlerfahrung. Diese kann nicht nur die individuelle politische Orientierung nachhaltig prägen, sondern auch das Vertrauen in demokratische Institutionen und Prozesse insgesamt. Im vergangenen Jahr veröffentlichte die Friedrich-EbertStiftung im Anschluss an die erste bundesweite Wahl ab 16 Jahren – die Europawahl 2024 – eine Studie zu den Einstellungen junger Menschen rund um ihre Wahlteilnahme. Mit der vorliegenden Untersuchung zu den Erfahrungen bei der vorgezogenen Bundestagswahl 2025, bei der wieder ein Wahlalter ab 18 galt, setzen Thorsten Faas, Sigrid Roßteutscher und Armin Schäfer ihre wichtige Arbeit fort. Ihnen gilt unser herzlicher Dank! Die empirischen Befunde der Studie bestätigen: Junge Menschen treffen ihre Wahlentscheidung mit Ernsthaftigkeit und Verantwortungsbewusstsein und unterscheiden sich damit nicht von anderen Altersgruppen. Dennoch trauen wir ihnen ab einem Alter von 16 Jahren nur bei bestimmten Wahlen sowie nicht in allen Teilen Deutschlands zu, ihre politischen Präferenzen auch an der Wahlurne mitzuteilen. Stattdessen sind politische Debatten über das Wahlalter und die politischen Einstellungen junger Menschen oft von deren vermeintlicher Manipulierbarkeit durch Social Media geprägt. Dabei könnten wir stattdessen über dringend benötigte Investitionen in die politische Bildung, die Förderung von Medienkompetenz und eine bessere Regulierung von Social Media Plattformen sprechen. Auch junge Menschen wünschen sich, dass die Schule stärker als Ort politischer Bildung wirkt und sie gezielt auf Wahlen vorbereitet. Das Interesse an Politik ist vorhanden, und zwar an Themen des gesamten politischen Spektrums und nicht nur an sogenannten„Jugendthemen“. Gleichzeitig zeigt sich innerhalb dieser Altersgruppe eine große Vielfalt: Geschlecht, Bildungsstand und Wohnort beeinflussen politische Einstellungen und thematische Prioritäten deutlich. Pauschale Annahmen über eine einheitliche„junge Generation“, die extreme Positionen vertritt, sind daher nicht nur vereinfachend, sondern schlichtweg falsch. In ihrer Heterogenität und Differenziertheit unterscheidet sich die junge Wählerschaft kaum vom Rest der Bevölkerung. Als Teil dieser Bevölkerung sollte sie auch politisch adressiert werden. Diese Studie leistet daher einen wichtigen Beitrag zur Versachlichung der Debatte über junge Wähler:innen. Sie hört zu, statt nur über sie zu sprechen, und bietet die empirische Grundlage, um politische Teilhabe junger Menschen gerechter zu gestalten. Auf Basis der vorliegenden Ergebnisse sowie unserer vorangegangenen Studien„Krisenerwachsen – Wie blicken junge Wähler:innen auf Politik, Parteien und Gesellschaft?“ sowie „Jugend wählt – Perspektiven junger Menschen auf Wahlalter, politische Informationen und Parteien bei der Europawahl 2024“ haben wir als Friedrich-Ebert-Stiftung fünf Politikempfehlungen formuliert. Diese werden im Anschluss an dieses Vorwort vorgestellt. Sie zeigen Wege auf, wie Demokratie durch frühe, faire und inklusive Beteiligung junger Menschen gestärkt werden kann. Viel Spaß bei der Lektüre! Team Empirische Sozial- und Trendforschung Nicole Loew und Jonathan Overmeyer Team Jugend und Politik Kerstin Ott und Yvonne Lehmann 1. Widersprüche im Wahlrecht beseitigen: Einheitliches Wahlrecht ab 16. Die vorgezogene Bundestagswahl 2025 hat die Widersprüchlichkeit des Wahlrechts in Deutschland erneut verdeutlicht. So waren junge Menschen bei der Europawahl erstmals bundesweit ab 16 Jahren wahlberechtigt, verloren dieses Wahlrecht zur Bundestagswahl jedoch wieder. Bei Landtagswahlen leisten wir uns einen Flickenteppich an Altersregelungen. Diese Widersprüchlichkeit kann nachweislich zu Frustration und Vertrauensverlust in demokratische Prozesse führen. Die Daten der Studie zeigen: Junge Menschen empfinden diese ungleiche Behandlung als willkürlich und ungerecht. Empirisch zeigt sich, dass die Entscheidungsfindung vor Wahlen ähnlich motiviert ist wie bei älteren Wählergruppen. Es finden sich in den Daten keine Hinweise darauf, dass jüngere Wähler:innen leichtfertig oder weniger ernsthaft zu ihrer Wahlentscheidung kommen. Überraschende Wahl, überraschende Stimmen 3
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Überraschende Wahl, überraschende Stimmen : junge Menschen und die vorgezogene Bundestagswahl 2025
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