1. Die Bundestagswahl 2025 – eine außergewöhnliche Wahl, gerade für die Jüngsten 1 Dass vorgezogene Bundestagswahlen außergewöhnlich sind, ergibt sich schon aus ihrer Seltenheit. Für manche junge Menschen haben sie aber auch ganz besondere und noch dazu wenig erfreuliche Konsequenzen: All jene, die erst zwischen dem schlussendlichen Termin einer vorgezogenen Bundestagswahl und dem ursprünglich angedachten Wahltermin ihren 18. Geburtstag feiern können, bleiben – plötzlich und unerwartet – am Wahltag außen vor. 2025 betraf das die jungen Menschen, die ihren 18. Geburtstag zwischen dem 24. Februar 2025 und dem 28. September 2025 feiern konnten – insgesamt rund 400.000 junge Menschen. Nun dürfen sie(voraussichtlich) erst 2029 erstmals wählen, dann fast 22 Jahre alt und in einer vermutlich gänzlich anderen Lebenslage. Diese Muster gab es auch schon bei früheren vorgezogenen Neuwahlen. 2025 aber kommt noch ein weiterer Faktor hinzu, der die Situation für junge Menschen weiter zuspitzt: Als im Juni 2024 die Europawahl stattfand, durften erstmals bei einer bundesweiten Wahl in Deutschland auch 16- und 17-Jährige daran teilnehmen. Wie wir in unserer Studie„ Jugend wählt “(Faas et al. 2024) zeigen konnten, haben sich viele junge Menschen damals über diese neue Möglichkeit der Beteiligung sehr gefreut. Dass diese Freude anlässlich der Europawahl 2024 angesichts der Umstände der Wahl 2025 in großen Ärger umschlägt, ist zumindest vorstellbar. Man sollte solchen Ärger nicht als Petitesse abtun, wie wir an anderer Stelle anhand einer besonderen Konstellation in Schleswig-Holstein haben zeigen können: 2017 gab es in Schleswig-Holstein nämlich eine Landtagswahl(mit Wahlalter 16) im Mai und eine Bundestagswahl(mit Wahlalter 18) im September. Diese Konstellation, die wir für junge Menschen, die bei der Landtagswahl wählen durften, bei der Bundestagswahl dann aber nicht, als„temporären Wahlrechtsverlust“ bezeichnet haben, hat zu gravierenden, auch längerfristig wirksamen Folgen, etwa in Form geringerer Demokratiezufriedenheit, geführt(Leininger et al. 2023). Die Situation rund um die Europawahl 2024 und die Bundestagswahl 2025 ist dieser Konstellation sehr ähnlich – allerdings angesichts der gesamtdeutschen Betroffenheit von noch größerer Relevanz. Klar ist jedenfalls, dass solche Erfahrungen offenkundig gerade bei jungen Menschen sehr prägend sein können. Ob sie wählen dürfen oder nicht, lässt sie nicht einfach kalt. Dass erste Wahlerfahrungen lang anhaltende Nachwirkungen haben können, gilt nicht nur für Fragen von Wahlberechtigung und Wahlbeteiligung(Franklin 2004). Die prägenden Wirkungen können sich ebenso auf den Aspekt der Parteiwahl erstrecken. Welchen Parteien junge Menschen 2025 ihre Stimme gegeben haben, hat schon am Wahlabend wie auch in den Tagen und Wochen danach für großes Aufsehen gesorgt. Die Frankfurter Rundschau(2025) etwa titelte„Wahlergebnisse zeigen klaren Trend: Jung wählt radikal – warum Linke und AfD so beliebt sind“, der BR(2025) schrieb auf seiner Internetpräsenz„TikTok-Wahlkampf: Die politischen Ränder gewinnen die Jugend“, die Welt(2025) wählte die Schlagzeile„Zwischen Angst und Algorithmen – Warum junge Wähler Extreme lieben“ – um nur einige Beispiele zu nennen. Zwischenzeitlich hat die Bundeswahlleiterin Ergebnisse der von ihr eigens durchgeführten„repräsentativen Wahlstatistik“ veröffentlicht, die in sehr präziser Weise Aufschluss über die Wahlbeteiligung und die Parteiwahl verschiedener Altersgruppen geben, also auch von jungen Menschen. Dabei zeigt der Blick auf die Wahlbeteiligung, dass die Beteiligungslücke zwischen„jung“(bis 21 Jahre) und„alt“(über 60 Jahre), die etwa bei der Bundestagswahl 2009 noch bei rund 15 Prozentpunkten lag, bei der Wahl 2025 auf weniger als fünf Prozentpunkte geschrumpft ist. Zurückzuführen ist dies vor allem auf die gestiegene Wahlbeteiligung junger Menschen. Auch mit Blick auf die gewählten Parteien bestätigt sich für die Bundestagswahl 2025 Bemerkenswertes: Bei allen Bundestagswahlen bis einschließlich 2017, für die eine repräsentative Wahlstatistik vorliegt, lagen jeweils entweder die SPD oder die Union auf Platz eins bei den 18- bis 24-jährigen Wähler:innen. Das war erstmals bei der Bundestagswahl 2021 anders, als die ersten beiden Plätze an Grüne und FDP gingen(verbunden mit der Besonderheit, dass die FDP bei jungen Männern, die Grünen bei jungen Frauen ganz vorn lagen). Für die Wahl 2025 weist der Bericht der Bundeswahlleiterin abermals ein anderes Muster aus: Die Linke liegt nun auf Platz eins, die AfD auf Platz zwei. Und auch 2025 gibt es geschlechtsspezifische Unter1 Unser Dank gilt Petra Lipski, Jasmin Hemann, Hermine Schütz, Luke Moldenhauer, Alexander Aragón Berger, Mona Plenker, Matthias Sand sowie der Friedrich-Ebert-Stiftung und dort insbesondere Jan Engels, Nicole Loew, Jonathan Overmeyer und Catrina Schläger für ihre Unterstützung bei der Realisierung der Studie und dem Verfassen des Berichts. 8 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.
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Überraschende Wahl, überraschende Stimmen : junge Menschen und die vorgezogene Bundestagswahl 2025
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