auch die AfD weiterhin etwas anders macht) als die anderen Parteien. Vieles ist möglich, auch in Social Media, aber es ist keineswegs ein Automatismus. Abbildung 16 schließlich zeigt die Verteilung der genannten Parteien in Teilgruppen nach Geschlecht und formaler Bildung. Der Linken ist es demnach vor allem gelungen, in die Social-Media-Feeds junger Frauen vorzudringen. Dort ist die Partei besonders präsent, dort wird sie vor allem auch in besonders positiver Weise wahrgenommen. Die AfD taucht hingegen besonders häufig in den Social-Media-Feeds junger Männer auf. Sie wird von Männern auch häufiger als von Frauen in besonders positiver Weise wahrgenommen, auch wenn das Muster hier nicht ganz so eindeutig ist. Bezogen auf das Alter schließlich sei angemerkt(ohne die Ergebnisse separat auszuweisen), dass die AfD gerade bei 15-Jährigen besonders häufig wahrgenommen wird. 4.3 Zwischenfazit Dass Informationsumgebungen dynamisch sind, gehört zu den Allgemeinplätzen unserer Zeit. Auch unsere Betrachtung der Informationsumgebungen junger Menschen rund um die Europawahl 2024 und die Bundestagswahl 2025 hat beachtliche Dynamiken gezeigt, allerdings nicht durchweg in erwarteter Weise. Auf der Ebene von Kanälen – Fernsehen, Radio, Print, digitale Medien – haben wir gesehen, dass der Wahlkontext – Europa- vs. Bundestagswahl – zu erheblichen Verschiebungen geführt hat. Für alle Kanäle, gerade auch klassische Medien wie das Fernsehen, hat sich eine viel intensivere Nutzung im Jahr 2025 rund um die Bundestagswahl gezeigt. Es sind keineswegs nur zeitlich gerichtete Entwicklungen(„Online wird immer wichtiger!“), die wir beobachten können, sondern auch kontextuelle Umstände, die bei der medialen Informationsversorgung der Bürger:innen eine entscheidende Rolle spielen. Dieser Teil der Analyse hat auch gezeigt, dass Podcasts nicht die neuen Massenmedien sind. Im zweiten Teil der Analyse standen Social-Media-Plattformen und deren politische Bedeutung im Fokus. Bei der reinen Plattformnutzung haben sich dabei kaum Verschiebungen zwischen 2024 und 2025 gezeigt: WhatsApp, Instagram, YouTube und – noch mit etwas Abstand – TikTok dominieren bei jungen Menschen; andere Netzwerke spielen kaum eine Rolle. TikTok ist aber auf dem Vormarsch – das sieht man gerade angesichts der höheren Nutzungsraten bei 15-Jährigen. Zudem gelingt es TikTok besser als anderen Plattformen, in Schichten ohne formal hohe Bildung vorzudringen. Auch aus einer politischen Perspektive ragt TikTok mit einem sehr hohen Politikgehalt heraus. Der dortige Politikgehalt liegt sogar höher als der von Nutzer:innen wahrgenommene Politikgehalt von X/Twitter. Dabei galt X/Twitter immer als„politischste“ Plattform in Deutschland. TikTok verbindet also Reichweite(die wir ansonsten bei WhatsApp, YouTube und Instagram sehen) mit dem Politikgehalt von X/Twitter – eine bemerkenswerte Kombination! Die Analysen haben zudem in Bezug auf den Politikgehalt der dortigen Beiträge Geschlechter- und/oder Bildungsunterschiede gezeigt. Im Falle von TikTok sind es vor allem Frauen, die kein Abitur haben oder anstreben, die von besonders vielen politischen Inhalten auf dieser Plattform berichten. Der letzte Schritt der Analyse hat eine parteipolitische Perspektive ergänzt und auch hier eine aufschlussreiche Dynamik zutage gefördert: 2024 haben junge Menschen noch die AfD als absolut dominant(im Sinne von Sichtbarkeit) wahrgenommen; 2025 dagegen liegen AfD und Linke gemeinsam an der Spitze. Die Linke hat in kurzer Zeit deutlich aufholen können. Wenn nicht nach besonderer Häufigkeit, sondern nach besonders positiver Darstellung einzelner Parteien gefragt wird, liegt die Linke 2025 sogar deutlich vorne, gefolgt von der AfD. Vieles ist in sozialen Netzwerken also möglich – wobei ebenfalls deutlich wurde, dass andere Parteien weiterhin kaum eine Rolle spielen, obwohl auch sie ihre Bemühungen rund um die Bundestagswahl stark intensiviert haben. Überraschende Wahl, überraschende Stimmen 29
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Überraschende Wahl, überraschende Stimmen : junge Menschen und die vorgezogene Bundestagswahl 2025
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