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Überraschende Wahl, überraschende Stimmen : junge Menschen und die vorgezogene Bundestagswahl 2025
Entstehung
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3. Ich dachte, ich dürfe wählen, durfte dann aber doch nicht: Wahlalter und die vorgezogene Bundestagswahl 2025 Im ersten Schritt wollen wir uns den eingangs skizzierten Besonderheiten und Auswirkungen der vorgezogenen Bun­destagswahl auf die Gruppe junger Menschen widmen. Wie groß fällt die Freude über die eigene Wahlberechtigung, wie groß der Ärger über die Nicht-Wahlberechtigung bei jungen Menschen aus? Im Fokus steht dabei zuvorderst die Bundestagswahl 2025, aber uns interessiert auch im Ver­gleich, welche Unterschiede sich zur Europawahl 2024 er­geben, für die die damalige Ampelregierung das Wahlalter von 18 auf 16 Jahre abgesenkt hatte. Ein auf 16 Jahre ab­gesenktes Wahlalter gilt auch für viele andere Landtags­und Kommunalwahlen in Deutschland. Gleichzeitig sind Bundestagswahlen auch in den Augen der Bürger:innen die mit Abstand wichtigsten Wahlen in Deutschland. Wie fällt vor diesem Hintergrund der Blick junger Menschen auf den Status ihrer Wahlberechtigung, aber auch allgemeiner ihr Blick auf Wahlaltersgrenzen aus? 3.1 Freude und Ärger rund um die eigene (Nicht-)Wahlberechtigung Die Freude über eine gegebene Wahlberechtigung zur Bun­destagswahl 2025 fällt bemerkenswert groß aus. 3 Im Mittel resultiert für die 18- bis 20-Jährigen im Kontext der Bun­destagswahl 2025 ein Wert von 1,5 auf der fünfstufigen Antwortskala von –2 bis+2. Davon, dass die Bundestagswahl 2025 junge Menschen kalt gelassen hat, kann also keine Rede sein. Dagegen sprechen sowohl die relativ hohe Wahlbeteiligung in ihrer Gruppe(ausweislich der repräsentativen Wahlstatistik der Bundeswahlleiterin) als auch die in unseren Daten gemes­sene große Freude über die eigene Wahlberechtigung. 4 Wenn wir dieses Ausmaß an Freude mit jenem vergleichen, das wir rund um die Europawahl 2024 gemessen haben, so zeigt sich, dass die Bundestagswahl mehr Grund zur Freu­de liefert genau genommen rund einen halben Skalen­punkt mehr(Abbildung 1). 5 Die gerade skizzierten Tendenzen bestätigen sich, wenn wir anstelle derfreudigen Ergebnisse unseren Fokus auf den Ärger richten, den junge Menschen empfinden, die nicht wahlberechtigt sind(Abbildung 2). Wenn wir zunächst nur 15-Jährige betrachten(weil nur diese Gruppe sowohl bei der Europawahl 2024 als auch der Bundestagswahl 2025 nicht wahlberechtigt war), so fällt selbst bei ihnen der Är­ger rund um die Bundestagswahl 2025 größer aus als der Europawahl-Ärger 2024, obwohl die Wahlberechtigung 2025 für sie noch in weiter Ferne lag. Diese Ferne mag auch das insgesamt eher mäßige Ausmaß an Ärger in die­ser Gruppe erklären. Das ändert sich rund um die Bundes­tagswahl allerdings, wenn wir den Blick auf 16- und 17-Jährige richten. Deren Ärger erreicht mit einem Mittel­wert von 0,8(auf einer Skala von –2 bis+2) eine beachtli­che Größenordnung. Positiv wie negativ löst die Bundes­tagswahl offenkundig Emotionen bei den von uns befrag­ten jungen Menschen aus und das auch über verschiedene Teilgruppen nach Alter, Geschlecht und for­maler Bildung hinweg, wie weitergehende Analysen zeigen. Beschließen wollen wir dieses Teilkapitel mit einem Blick auf die speziellen Umstände der vorgezogenen Bundes­tagswahl 2025: Finden diese ihren Niederschlag in den empfundenen Emotionen? Wir können dazu die Befragten, die im Jahr 2007 geboren wurden, in zwei Gruppen auftei­len und zwar in Abhängigkeit davon, ob sie am ursprüng­lich geplanten, regulären Termin der Bundestagswahl im September 2025 wahlberechtigt gewesen wären oder nicht. Wenn man also 2007 geborene junge Menschen mit Geburtsmonaten zwischen März und September(sie wären im September 2025 wahlberechtigt gewesen) mit jenen vergleicht, die erst zwischen Oktober und Dezember 2007 geboren wurden(sie wären nicht wahlberechtigt gewesen), 3 In unserem Bericht zur Europawahl 2024 sind wir auch explizit auf die Frage eingegangen, ob junge Menschen den Status ihrer eigenen Wahlberechtigung überhaupt ken­nen. Dies war insbesondere im Lichte der damaligen Reform des Wahlalters von Interesse: Wussten die 16- und 17-Jährigen, dass sie wählen dürfen? Zudem fanden am Tag der Europawahl in mehreren Bundesländern auch Kommunalwahlen statt, in manchen Fällen mit Wahlalter 16, in anderen mit Wahlalter 18. All dies war mit gewissen Konsequenzen für das Wissen um die eigene Wahlberechtigung verbunden, wie unsere Ergebnisse zur Europawahl gezeigt haben. Eine vergleichbare Konstellation gab es für die Bundestagswahl 2025 nicht. Unsere Analysen zum Wissen um die eigene Wahlberechtigung bei der Bundestagswahl 2025 fördern auch keine bemerkenswerten Un­terschiede zutage. Weder finden sich Effekte des Vorziehens des Wahltermins noch Ausstrahlungseffekte des gesenkten Wahlalters bei der Europawahl auf das(Nicht-)Wis­sen um den eigenen Status der Wahlberechtigung bei der Bundestagswahl 2025. 4 Für die Berliner Stichprobe können wir dabei auch die Freude über die eigene Wahlberechtigung über alle Altersgruppen hinweg vergleichen. Die Altersunterschiede hin­sichtlich der empfundenen Freude fallen dabei nicht sehr groß aus. Wenn überhaupt, so zeigt sich aber auch an dieser Stelle, dass die Freude bei den jüngsten Wahlberech­tigten etwas größer ausfiel als bei älteren Berliner:innen. 5 Dieser Befund bestätigt sich auch, wenn man die Analyse nur auf Gemeinden beschränkt, die in beiden Studien Europawahl 2024 und Bundestagswahl 2025 Teil unse­rer Stichprobe waren. Der Unterschied zwischen beiden Wahlen liegt auch nicht darin begründet, dass die Studie zur Europawahl 2024 vor, die Studie zur Bundestagswahl 2025 nach der jeweiligen Wahl durchgeführt wurde. Wir werden Hinweise dieser Art bei den folgenden Analysen nicht jedes Mal geben, haben aber für alle Analysen das entsprechende Muster jeweils dahingehend auch überprüft, um entsprechende Fehlschlüsse auszuschließen. 12 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.