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Wohnungsgenossenschaften als Zukunftsmodell : eine zentrale Säule für langfristig bezahlbaren Wohnraum
Entstehung
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1. Was sind Genossenschaften? Genossenschaften sind mehr als nur eine besondere Rechtsform. Sie sind eine demokratische Antwort auf die Frage, wie wirtschaftliche Macht begrenzt und zugleich so­ziale Sicherheit organisiert werden kann. Darüber hinaus fördern sie durch gemeinschaftliches Eigentum und Mitbe­stimmung eine nachhaltige und solidarische Wirtschafts­weise. In Deutschland sind sie im Genossenschaftsgesetz (GenG) verankert. Ihr Kern ist die Förderung ihrer Mitglie­der, verbunden mit demokratischer Selbstverwaltung, offe­ner Mitgliedschaft und dem Prinzipein Mitglied, eine Stimme. Im Wohnungsbereich heißt das: Nicht der maxi­male Ertrag steht im Mittelpunkt, sondern die verlässliche Versorgung der Mitglieder mit dauerhaft nutzbarem und bezahlbarem Wohnraum. Bei Wohnungsgenossenschaften erhalten Mitglieder mit dem Erwerb von Geschäftsanteilen und dem Abschluss eines Nutzungsvertrages ein dauerhaft angelegtes Nutzungsrecht an einer Genossenschaftswoh­nung. Sie sind damit zugleich Mieter:in und Anteilseig­ner:in des genossenschaftlichen Wohnungsunternehmens. Die Rechte und Pflichten der Mitglieder sind im Genossen­schaftsgesetz sowie in den jeweiligen Satzungen geregelt (Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen o. J.). Gerade deshalb sind Wohnungsgenossenschaften ord­nungspolitisch so interessant. Sie entziehen Wohnraum dem kurzfristigen Verwertungsdruck des Marktes und schaffen eine Eigentumsform, die nicht auf Spekulation, sondern auf Bestand und Verantwortung angelegt ist. In ei­ner Zeit, in der Wohnen für viele Haushalte zum sozialen Risiko geworden ist, sind Genossenschaften kein nostalgi­sches Modell, sondern ein hochaktuelles Instrument der Daseinsvorsorge. 1.1 Eine mitgliederorientierte Organisation kann der Allgemeinheit nutzen Dass Genossenschaften ihren Mitgliedern dienen, ist kein Widerspruch zum Gemeinwohl im Gegenteil. Gerade weil sie nicht auf Gewinnmaximierung für externe Eigentü­mer:innen ausgerichtet sind, sondern auf langfristige Selbsthilfe, entstehen stabile, krisenfeste und sozial ge­bundene Strukturen. Im Wohnungsmarkt bedeutet das: Genossenschaften sichern bezahlbare Mieten, begrenzen Verdrängung und halten Wohnraum dauerhaft im Be­stand. Was den Mitgliedern nutzt, stabilisiert damit auch Nachbarschaften, Kommunen und den Wohnungsmarkt insgesamt. Der Genossenschaftsgedanke hat daher eine klare gesell­schaftspolitische Dimension. Die UNESCO-Anerkennung als immaterielles Kulturerbe(Deutsche UNESCO-Kommis­sion o. J.) würdigt nicht bloß eine Tradition, sondern eine demokratische Wirtschaftsform, die Solidarität, Teilhabe und Langfristorientierung verbindet. Genau darin liegt ihre politische Bedeutung: Genossenschaften sind eine dritte Kraft zwischen Markt und Staat. Wer sie stärkt, stärkt nicht nur eine Unternehmensform, sondern eine demokratische Eigentumskultur gegen die Dominanz renditegetriebener Wohnungsakteur:innen. Beispiel Kiel: Genossenschaftliche Kooperation im Wiker Quartier Das Kieler Genossenschaftsprojekt, der Wohnpark Wi­ker Quartier der WOGE Kiel eG, ist konzeptionell am Bielefelder Modell ausgerichtet und wird in enger Zu­sammenarbeit mit der Paritätischen Pflege Schleswig­Holstein und dem Stadtteilnetzwerk Nördliche Innen­stadt(NIKI) realisiert: Das Modell stellt selbstbe­stimmtes Leben durch das Zusammenbringen von Wohnen, Pflege und Betreuung in den Mittelpunkt ergänzt durch eine betreute Wohngemeinschaft für acht junge Menschen mit Behinderungen und ein eh­renamtlich betriebenes Stadtteilcafé. Das im Jahr 2025 fertiggestellte Projekt umfasst insgesamt 136 Wohnungen(59 Neubau, 76 Bestand). 1.2 Wohnungsgenossenschaften international ein Überblick Die internationale Dachorganisation der Wohnungsbauge­nossenschaften ist die Cooperative Housing International (CHI o. J.a). Sie unterscheidet sieben verschiedene genos­senschaftliche Wohnformen(CHI o. J.b), wobei für Deutsch­land vor allem die Non-Profit-Mietgenossenschaft typisch ist: Die Genossenschaft ist Eigentümerin, die Mitglieder ha­ben ein dauerhaftes Nutzungsrecht, und Überschüsse wer­den in der Regel wieder in den Bestand investiert. Für Europa gilt Housing Europe(o. J.) als zentraler Dach­verband der öffentlichen, genossenschaftlichen und sozia­len Wohnungsanbieter. Der Verband vereint rund 44 natio­nale und regionale Mitgliedsorganisationen sowie etwa 4 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.