3. Rolle staatlicher Förderung in der Entwicklung der Wohnungsgenossenschaften Die Entwicklung der Wohnungsgenossenschaften in Deutschland ist eng mit der Ausgestaltung staatlicher Wohnraumförderung verbunden. Historisch lässt sich dabei ein durchgehendes Spannungsverhältnis zwischen zwei Förderlogiken beobachten: revolvierende Darlehen versus nicht rückzahlbare Zuschüsse. Dieses Spannungsverhältnis prägt die Leistungsfähigkeit des Systems bis heute. In der Frühphase(19. Jahrhundert) entstanden Genossenschaften weitgehend ohne direkte staatliche Finanzierung. Sie basierten auf Selbsthilfe, Eigenkapital der Mitglieder und marktnahen Krediten. Staatliche Eingriffe beschränkten sich auf steuerliche Privilegien und institutionelle Kreditinfrastruktur, nicht auf Subventionen. Erst in der Weimarer Republik wurde mit den Einnahmen aus der Hauszinssteuer(Bach/Michelsen 2021) ein System etabliert, das Elemente eines revolvierenden Förderansatzes enthielt. Öffentliche Mittel wurden teilweise als zinsgünstige Darlehen in den Wohnungsbau gelenkt. Entscheidend war dabei die Grundidee: Einmal eingesetztes Kapital sollte durch Rückflüsse langfristig im System verbleiben. In der Praxis scheiterte diese Logik jedoch teilweise an der fehlenden institutionellen Absicherung der Zweckbindung, da Mittel zunehmend in allgemeine Haushalte umgeleitet wurden. Nach 1945 entwickelte sich in der Bundesrepublik ein leistungsfähiges System der Wohnungsbauförderung, dessen Kern zinsverbilligte öffentliche Darlehen bildeten. Diese waren an Mietpreis- und Belegungsbindungen gekoppelt und ermöglichten über Jahrzehnte den Aufbau eines großen Bestands an Sozialwohnungen. Ergänzt wurde dies durch Zuschüsse und steuerliche Anreize. Entscheidend war: Die Förderwirkung beruhte maßgeblich auf der Verknüpfung von günstigen Krediten und regulatorischer Bindung. Ein besonders interessantes Beispiel ist Nordrhein-Westfalen, wo aus Rückflüssen ein echter revolvierender Fonds (Landeswohnungsbauvermögen) aufgebaut wurde(NRW Bank 2009). Dieses Modell ermöglichte über längere Zeit eine stabile und kontinuierliche Förderung. In den meisten Bundesländern wurden Rückflüsse allerdings nicht zweckgebunden reinvestiert, sondern in allgemeine Haushalte überführt. Seit den 1990er Jahren hat sich das System strukturell verschoben: Zuschüsse und kurzfristige Förderprogramme dominieren, während die revolvierende Logik weitgehend verloren gegangen ist. Gleichzeitig führen vorzeitige Kreditablösungen und auslaufende Bindungen zu einem kontinuierlichen Rückgang preisgebundenen Wohnraums. Die zentrale Lehre aus dieser Entwicklung ist eindeutig: Staatliche Förderung entfaltet ihre größte und nachhaltigste Wirkung dort, wo sie als rückzahlbares, zweckgebundenes Kapital organisiert ist. Für die Weiterentwicklung genossenschaftlicher Wohnmodelle bedeutet dies, dass Förderinstrumente nicht nur auf kurzfristige Anreize zielen sollten, sondern auf dauerhafte Kapitalbindung und institutionelle Verstetigung. Ein revolvierender Förderansatz – abgesichert gegen haushaltspolitische Erosion – ist hierfür der entscheidende Hebel. Wohnungsgenossenschaften als Zukunftsmodell 9
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Wohnungsgenossenschaften als Zukunftsmodell : eine zentrale Säule für langfristig bezahlbaren Wohnraum
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