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Wohnungsgenossenschaften als Zukunftsmodell : eine zentrale Säule für langfristig bezahlbaren Wohnraum
Entstehung
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Märkische Scholle eG Modellvorhaben energetische Sanierung in Lichterfelde Süd Die Märkische Scholle Wohnungsunternehmen eG wurde 1919 gegründet und zählt heute mit über 3.500 Wohnungen zu den mittelgroßen Berliner Genossen­schaften. Ab 2014 sanierte die Genossenschaft in einem bundes ­weit beachteten Modellvorhaben 841 Wohnungen aus den 1930er und 1960er Jahren entlang des Ostpreu ­ßendamms. Das Energiekonzept setzt auf ein ganz­heitliches regeneratives System: Solarthermie, Photo­voltaik, Abluftwärmepumpen und einen intelligenten unterirdischen Wärmespeicher(sogenannter eTank). Ergebnis: Rund 75 Prozent des Energiebedarfs kom ­men aus erneuerbaren Quellen, der Primärenergiebe­darf sank auf ein Siebtel. Gesamtinvestitionsvolumen: über 70 Millionen Euro. Das Besondere: Obwohl rechtlich eine Modernisie­rungsumlage von bis zu elf Prozent der Investitions­kosten möglich gewesen wäre, gab die Genossen­schaft nur einen Bruchteil weiter. Konkret stieg die Warmmiete von 7,94 auf 8,25 Euro/m², obwohl die zu ­lässige Miete 12,92 Euro/m² betragen hätte. Die Märki ­sche Scholle belegt eindrucksvoll, was Wohnungsge­nossenschaften als dauerhafte Bestandshalter leisten können: Sie verbinden klimapolitische Ambition mit sozialer Verantwortung und schaffen damit einen Standard, der renditeorientierte Vermieter:innen struk ­turell überfordert. Damit sind Genossenschaften nicht nur ein Modell für be­zahlbares Wohnen, sondern auch für die sozialverträgliche Umsetzung der Energie- und Wärmewende. Sie können zei­gen, dass Klimaschutz im Quartier nicht Verdrängung be­deuten muss, sondern Teil einer solidarischen Modernisie­rung sein kann. Für neue Geschäftsmodelle der Wohnungsbaugenossen­schaften insbesondere im Bereich Mieterstrom wurden die Bedingungen verbessert. Einnahmen aus mieterstrom­und gebäudebezogenen Strommodellen können unter be­stimmten Voraussetzungen weiterhin mit der steuerlichen Begünstigung vereinbar sein. Dazu wurde die zulässige Grenze für nicht begünstigte Nebentätigkeiten angehoben, sofern deren Überschreitung ausschließlich auf solche Stromerlöse zurückzuführen ist. Dies verbessert die wirt­schaftlichen Rahmenbedingungen für genossenschaftliche Energie- und Klimaschutzprojekte. Wohnungsgenossenschaften und Energy Sharing Wohnungsgenossenschaften können mit ihren Quartieren zu Keimzellen eines sektorübergreifenden Energy Sharings werden, wie es die EU mit der stärkeren Beteiligung von Bürger:innen an der Energiewende anstrebt. Gerade im Quartier lassen sich Stromerzeugung, Speicherung, Lastma­nagement und Wärmeversorgung zusammen denken. Wenn Gebäude saniert, Photovoltaik auf den Dächern installiert und Verbrauchsprofile intelligent gesteuert werden, entsteht ein lokales Energiesystem, das nicht nur klimapolitisch sinnvoll, sondern auch ökonomisch effizient sein kann. Im Unterschied zu vielen klassischen Wohnungsbeständen haben Genossenschaften dafür einen besonderen Vorteil: Ihre Mitglieder sind nicht nur Nutzer:innen, sondern Mitge­stalter:innen. Dadurch lassen sich Investitionen eher am langfristigen Nutzen für das Quartier ausrichten als an kurzfristigen Renditeerwartungen. Das eröffnet Spielräume für Modelle, bei denen Einsparungen aus Effizienzmaßnah­men und Erlöse aus erneuerbarer Eigenerzeugung nicht nur bei Eigentümer:innen hängen bleiben, sondern unmittelbar den Bewohner:innen zugutekommen. Allerdings ist die deutsche Rechtslage dafür bislang nur be­grenzt geeignet. Anders als etwa in Österreich fehlen hierzu­lande klare Regeln, die lokale Selbstorganisation im Strom­system wirklich erleichtern und die daraus entstehenden Kostenvorteile verlässlich an die Verbraucher:innen weiter­geben. Gerade im genossenschaftlichen Kontext wäre das wichtig, weil die Mitglieder sonst zwar die Investitionen und organisatorischen Anstrengungen tragen, die wirtschaftli­chen Vorteile aber rechtlich nur unvollständig ankommen. Deshalb können Wohnungsgenossenschaften auch zu ei­nem Testfeld für die nächste Stufe der Energie- und Wär­mewende werden: nicht als isolierte Immobilienunterneh­men, sondern als organisierte Quartiere, in denen Wohnen, Strom und Wärme gemeinsam gedacht werden. Das passt sowohl zur genossenschaftlichen Idee als auch zur europäi­schen Richtung hin zu mehr lokaler, gemeinschaftlicher Energieverantwortung. 6.6 Zusammenfassung: Leistungen der Genossenschaften für das Gemeinwohl Sie schaffen dauerhaft bezahlbaren Wohnraum, weil sie nicht auf maximale Rendite, sondern auf Bestand und Mitgliederförderung ausgerichtet sind. Sie wirken preisdämpfend auf den Wohnungsmarkt, weil ihre vergleichsweise niedrigen Mieten auch den Miet­spiegel und damit das allgemeine Mietniveau stabilisie­ren können. Sie entlasten den Staat, weil durch stabile und bezahl­bare Mieten die Ausgaben für Wohngeld und Kosten der Unterkunft kalkulierbarer bleiben. Sie sichern Wohnen im Alter, weil Mitglieder in ihrem vertrauten Wohnumfeld bleiben können, auch wenn die Rente niedrig ist. Wohnungsgenossenschaften als Zukunftsmodell 19