Die Abschaffung der Wohnungsgemeinnützigkeit Ende der 1980er Jahre wurde politisch mit dem Argument begründet, der Staat könne durch den Wegfall der Steuerprivilegien Einsparungen erzielen. Im Spiegel wurde damals von erwarteten Mehreinnahmen des Bundesfinanzministers von rund 100 Millionen D-Mark jährlich gesprochen, denen bereits damals prognostizierte Mehrkosten beim Wohngeld von 90 bis 130 Millionen D-Mark gegenüberstanden. Schon in der zeitgenössischen Kritik wurde darauf hingewiesen, dass die zusätzlichen Ausgaben für Wohngeld und Sozialhilfe„ein Vielfaches“ der Steuermehreinnahmen erreichen könnten(Der Spiegel 1998). Rückblickend hat sich genau diese Logik bewahrheitet: Die Mieten sind deutlich gestiegen, der Bestand an preisgebundenen Wohnungen ist massiv geschrumpft, und die staatlichen Wohnkostenhilfen sind zu einem immer größeren Ausgabenblock geworden. Der Blick nach Wien zeigt, dass es anders geht. Dort hat die Stadt über Jahrzehnte systematisch in die Objektförderung investiert – also direkt in den Bau und Erhalt geförderter, kommunaler und genossenschaftlicher Wohnungen. Subjektförderung(wohngeldähnliche Leistungen) spielt zwar ebenfalls eine Rolle, aber sie ergänzt, statt eine fehlende Objektförderung zu kompensieren. Analysen auf Basis internationaler Daten, etwa der OECD, kommen zu dem Ergebnis, dass die Summe aus Objekt- und Subjektförderung in Wien trotz des hohen kommunalen Engagements nicht höher, teils sogar niedriger ist als die entsprechenden Wohnkostenaufwendungen in Städten wie Berlin, in denen der Staat vor allem über Wohngeld und KdU hinterherfinanziert, was der Markt an steigenden Mieten vorgibt (Gehbauer et al. 2023). Für die deutsche Wohnungspolitik folgt daraus eine klare Lehre: Wenn der Staat heute gezielt in genossenschaftlichen Wohnungsbau investiert – etwa über günstige Kredite, Zuschüsse, Eigenkapitalhilfen und bevorzugten Grundstückszugang –, kauft er sich nicht nur dauerhaft bezahlbaren Wohnraum, sondern spart morgen erhebliche Mittel bei Wohngeld und Kosten der Unterkunft ein. Genossenschaften sind dabei besonders geeignete Partner, weil ihre Struktur spekulativen Wertentzug verhindert und Überschüsse im System verbleiben. Jede öffentlich unterstützte Genossenschaftswohnung steht damit nicht nur für eine einzelne Mieterschaft, sondern für eine dauerhafte Entlastung der sozialen Sicherungssysteme und eine Stabilisierung des Mietniveaus insgesamt. 6.2 Förderkredite als Schlüssel für einen neuen Boom der Genossenschaften Die Kreditanstalt für Wiederaufbau(KfW) fördert genossenschaftliches Wohnen bereits heute mit einem eigenen Programm für den Erwerb von Genossenschaftsanteilen Die große Kehrtwende in der Wohnungspolitik in Deutschland in Mrd. Euro, alle Beträge sind inflationsbereinigt(2025=100) Abb. 1 25 Objektförderung z. B. Bau von Sozialwohnungen 20 15 10 Subjektförderung z. B. Mietzahlungen an Arbeitslose 5 0 1965 1975 Quelle: Dezernat Zukunft. 1985 1995 2005 2015 2025 14 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.
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Wohnungsgenossenschaften als Zukunftsmodell : eine zentrale Säule für langfristig bezahlbaren Wohnraum
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