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Pakistan : wem nutzt die Demokratie?
Entstehung
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6 liennetzwerke vereinigt ist. So ist sprichwörtlich von den 22 führenden Familien die Rede, un­zweifelhaft ist aber jedenfalls die sehr über­schaubare Anzahl ökonomisch mächtiger Netz­werke und ihre starke Diversifikation. Diese Netzwerke betätigen sich jeweils in unterschied­lichsten Bereichen. So ist beispielsweise die Sai­gol-Gruppe im Textilbereich ebenso aktiv wie im Bankwesen, unterhält aber gleichzeitig auch neben vielen anderen Fabriken der Zucker- und Zementindustrie und agiert im Energiesektor und der Motorenproduktion. Ähnlich ist auch die Struktur der anderen großen Konglomerate: Keines ist auf eine Sparte festgelegt, vielmehr halten sie ein diversifiziertes Portfolio aus unter­schiedlichsten Bereichen. Mit dem Kapital wird dabei kaum gehandelt; es verbleibt zum aller­größten Teil in Familienbesitz. Diese hochkonzentrierte Eigentumsstruktur führt in den meisten Branchen zu einem hohen Grad an Monopolisierung bzw. Oligopolisie­rung, der auch die politische Interessenlage prägt und zu einer zeitweise stark protektionis­tischen Handelspolitik beigetragen hat. So be­kämpft derzeit die Automobilindustrie die Ab­senkung der Einfuhrzölle auf Fahrzeuge von 150 auf 50 Prozent. Obwohl mit dem früheren Premierminister Nawaz Sharif in den neunziger Jahren zweimal ein Vertreter eines großen Industriellenclans auf demokratischem Wege ein politisches Spitzen­amt erreichen konnte, lässt sich daraus keine Präferenz dieser gesellschaftlichen Gruppe für eine zivile Regierungsform ableiten. Ganz im Gegenteil profitieren die Industriellen von en­gen Verbindungen zum Militär, da sie im Wind­schatten von dessen politischem Einfluss Mono­pole und Privilegien pflegen können, ohne dass ihre persönlichen Beziehungsgeflechte sich einer Bedrohung von außen stellen müssten. Nach­wirken mag hier auch die Erfahrung der siebzi­ger Jahre, als es das Militär unter Zia ul-Haq war, das die sozialistisch angehauchte Na-tionalisie­rungspolitik der vorangegangenen Regierung Zul­fikar Ali Bhuttos rückgängig machte und die besitzende Klasse in ihre alte komfortable Positi­on zurückbrachte. Außerdem wissen die Fabri­kanten zu schätzen, dass das Militär eher wenig FES Analyse: Pakistan Interesse am Erstarken einer unabhängigen und somit potentiell auch politisch einflussreichen Gewerkschaftsbewegung hat. Im Unterschied zur aus westlichen Gesell­schaften gewohnten Konstellation ist somit keine der beiden wichtigsten ökonomischen Interes­sengruppen wirtschafts- und gesellschaftspoli­tisch offen liberal. Stattdessen setzen sie ihren politischen Einfluss häufig zur Sicherung von Monopolrenten ein und beeinflussen Zölle und Preiskontrollmaßnahmen. Kommt es zwischen den Gruppen oder beispielsweise zwischen un­terschiedlichen Industrien zu Interessenkonflik­ten, so werden diese gewöhnlich gelöst, indem die durch eine politische Entscheidung oder Re­gelung benachteiligte Gruppe anderweitig und auf Kosten der Bevölkerung kompensiert wird. In diesem Kontext kann auch der Anstieg der indirekten Steuern auf Kosten der direkten Ein­kommensbesteuerung gesehen werden, der die wohlhabenderen Schichten begünstigt. Etwas mehr Aufgeschlossenheit gegenüber ei­ner liberalen Wirtschaftspolitik ist im Bereich des Handels festzustellen, da diesem insbesondere eine Öffnung der pakistanischen Märkte neue Entfaltungsmöglichkeiten bietet. Angesichts der starken Verwobenheit der Wirtschaftsinteressen über Branchen hinweg ist es allerdings kaum möglich, die Handel treibenden Gruppen ein­deutig abzugrenzen. Vielmehr haben auch sie Teil am Kompromiss der einflussreichen Kräfte und treten nicht in offenen politischen Wider­spruch zu den anderen Interessengruppen. Militärische Macht: Mehr als Gewehrläufe Neben Großgrundbesitzern, Industriellen und Handeltreibenden steht das Militär als stärkster Akteur auf der Bühne des pakistanischen Wirt­schaftsgeschehen s. Es kontrolliert vier Stiftun­gen, von denen die beiden größten gleichzeitig die größten Wirtschaftsunternehmen des Lan­des sind, und ist damit in den unterschiedlichs­ten Bereichen aktiv: in der Landwirtschaft ebenso wie beispielsweise in der Zement-, Zucker- und Düngemittelindustrie oder im Flugverkehr.