12 ren attraktiver wird, kann von dieser Seite neuer Konkurrenzdruck entstehen, der einen Konsolidierungs- und Entflechtungsprozess nach sich ziehen könnte. Die zu erwartenden Gewinne aus dem Freihandel, die sich insbesondere auch die Handels- und Industrie-Elite erhofft, scheinen allerdings zur Zeit schwerer zu wiegen als die entsprechenden Bedenken, so dass die Öffnung aktiv vorangetrieben wird. Sollte diese Öffnung in eine funktionierende südasiatische Freihandelszone mit gleichzeitiger Normalisierung der Handelsbeziehungen zu Indien münden, ist zumindest im Unternehmenssektor in den nächsten Jahren von dieser Seite ein Modernisierungsschub zu erwarten, der eine Neuausrichtung der Machtbalance erforderlich machen würde. Zur Zeit geht noch ein Viertel der pakistanischen Exporte in die Vereinigten Staaten, dem mit Abstand wichtigsten Handelspartner, während der mit dem großen Nachbarn Indien abgewickelte Handel fast vernachlässigbar ist. Im günstigen Falle bewirken die Öffnung der Märkte und die Verbesserung der Beziehungen zu den südasiatischen Nachbarn eine Fortsetzung des zur Zeit starken Wirtschaftswachstums unter Auflösung der Oligopolstrukturen. Bei entsprechender politischer Unterstützung würde dies in absehbarer Zeit eine breitere Verteilung des Wohlstandszuwachses nach sich ziehen, die auch die ärmeren Schichten auf breiter Front erfassen und die Basis für eine Lösung der Landbevölkerung aus ihrer Abhängigkeit von den Großgrundbesitzern liefern würde. Soziale Bruchlinien und andere Konfliktpotenziale Bisher profitieren vom dynamischen Wirtschaftswachstums der letzten Jahre im Wesentlichen die wohlhabenden Schichten. Gelingt es nicht, einem trickle down der hinzugewonnenen Mittel den Weg zu bahnen, verschärfen sich die gesellschaftlichen Gegensätze und es besteht die Möglichkeit, dass die breite Bevölkerung beginnt, ihren Teil des größeren Kuchens einzufordern, entweder gewaltsam oder auch nur mit dem Stimmzettel. Die Wahlniederlage der ökonomisch sehr erfolgreichen indischen Regierung FES Analyse: Pakistan im Frühjahr 2004 – unter dem Vorwurf, nicht genug für die unterprivilegierten Schichten getan zu haben – scheint bei der pakistanischen Führung daher eine Hinwendung zu einer aktiveren Binnenentwicklungspolitik ausgelöst zu haben, die wohl in erster Linie als Besänftigung der Benachteiligten zu verstehen ist. Kennzeichnend hierfür ist, dass der Entwicklungsetat im Haushalt 2004/05 erstmals in der Geschichte des Landes den Militäretat übersteigt – eine Entwicklung, die vor allem frei werdenden Mittel aufgrund der deutlich gesunkenen Schuldenlast zu verdanken ist. Haushaltszusammensetzung 2004/2005 Verteidi gung 17,1% Subven tionen 10,8% Andere 0,2% Zivilverwal tung 30,5% Entwick lung 17,9% Schulden dienst 23,5% Eine solche Politik der Armutsbekämpfung und Entwicklung birgt allerdings ebenfalls Risiken für die herrschende Klasse, denn mit steigendem Wohlstand in der breiten Bevölkerung dürfte sich der beginnende Aufholprozess Pakistans im Bildungsbereich zwangsläufig beschleunigen und so eine breitere gebildete Schicht erzeugen, von der ebenfalls zu erwarten wäre, dass sie politische Mitsprache einfordert. Dieser Prozess lässt sich für die herrschende Elite nur zu Nutze machen, wenn es gelingt, breitere Gruppen in den„ehernen Kompromiss“ einzubeziehen. Allerdings ist dies ein lang andauernder Prozess, der der Oberschicht Zeit zur Anpassung lässt. Ebenfalls erst langfristig wirksam ist die sehr dynamische Bevölkerungsentwicklung Pakistans. Die Gesamtbevölkerung Pakistans, die erst im Jahr 1987 die 100-Millionen-Marke überschritten hat, liegt heute bei fast 150 Millionen, wobei sich die Wachstumsrate allerdings in den letzten zwanzig Jahren von fast drei auf unter zwei Prozent reduziert hat. Auch dieser Prozess erzwingt eine konstruktive Herangehensweise an die Frage der inneren Entwicklung.
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