14 Personal flankiert, wird dies neben einer Stärkung demokratischer Mechanismen mittelfristig zum Entstehen funktionierender Institutionen für den Ausgleich regionaler Konflikte führen. Zudem ginge mit dem Wachsen einer wirtschaftlich abgesicherten Mittelschicht zweifellos das Entstehen neuer politischer Eliten einher. Es sind diese, bisher nur in Ansätzen vorhandenen, Kräfte, die über das Potenzial verfügen, mit ihrem Anspruch auf Mitbestimmung in einem demokratischen Rahmen letztlich die Vorherrschaft des Militärs zu beenden und eine zivile Gesellschaftsordnung zu etablieren. Eine der Herausforderungen für das bisherige Kräftegleichgewicht liegt im Verhältnis zu den USA. Während auf der einen Seite die entschlossene Kooperation mit der amerikanischen Regierung die internationale Isolation des Militärregimes beendet und den gegenwärtigen Wirtschaftsaufschwung erst möglich gemacht sowie der Armee zudem mit der Terrorbekämpfung eine neue, unverhoffte raison d’être geliefert hat, wurde auf der anderen Seite eine zunehmende Entfremdung zwischen Amerikafreundlicher Regierung und Amerika-kritischer Bevölkerung in Kauf genommen, die in einigen, von der islamischen Opposition geschickt genutzten, öffentlichen Demonstrationen gipfelt. Das wiederum könnte zum Bruch zwischen der Armee und den ihr unter anderem aufgrund der harten Haltung in der Kaschmir-Frage zugeneigten islamischen Kräften führen, die dann von der Armee nicht mehr wie bisher eingebunden und benutzt werden könnten, sondern eingedämmt werden müssten. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Armee, wie es derzeit scheint, in der Kaschmir-Frage zu echten Kompromissen mit Indien bereit ist und so einen wesentlichen Teil ihrer bisherigen Legitimationsbasis in Frage stellt. Allerdings sind die religiösen Parteien bisher weder stark noch einig genug, als dass von dieser Seite kurzfristig mit einer grundsätzlichen Umwälzung der politischen Verhältnisse zu rechnen wäre. Eher steht zu erwarten, dass die zwar erfolgreiche, aber nur mühsam zusammengeschmiedete Allianz der MMA unter dezenter Mithilfe des militärischen Geheimdienstes wieder in ihre Einzelteile zerfällt und der politische Islam wieder in die Bedeutungslosigkeit zurückgleitet, aus der er erst in den letzten Jahren aufgestiegen ist. FES Analyse: Pakistan Darüber hinaus haben einige führende Politiker der MMA selbst ihre Unterstützung der Entspannungspolitik bekundet, da dies die Gefahr eines direkten Eingreifens der USA zu bannen scheint. Einer politischen Versöhnung mit Indien steht demnach zur Zeit kaum eine einflussreiche Gruppe im Wege, und wenn die Pragmatiker in dieser Frage die Oberhand über die in den meisten politischen Lagern ebenfalls vertretenen Ideologen gewinnen, kann dies für die Nutzung und Weiterentwicklung des ökonomischen Potenzials des Landes nur förderlich sein. Die damit wachsende Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften dürfte dann längerfristig auch die Entstehung einer neuen, jungen, gut bezahlten Bildungselite nach sich ziehen, die eines Tages entsprechend dem bereits beschriebenen, ersten Szenario die Machtverteilung im Staate in Frage stellen dürfte. Ob umgekehrt in einem von Frieden und Kooperation geprägten, prosperierenden südasiatischen Wirtschaftsraum die Aufgabe der Bekämpfung des Terrorismus ausreichen wird, um weiterhin einen Verteidigungshaushalt von fast einem Viertel der verfügbaren öffentlichen Mittel politisch zu rechtfertigen, könnte damit zu einer Frage werden, die tatsächlich der kaum eingeschränkten Macht der Streitkräfte in Pakistan an die Wurzel geht. Kurzfristig steht in der politischen Debatte jedoch das Problem der„Uniform“ im Vordergrund, also die Frage, ob Präsident Musharraf innerhalb der vom Parlament akzeptierten Frist bis zum Ende des Jahres als Generalstabschef zurücktreten – also die Uniform ablegen – wird. Die aus seiner Sicht wichtigste Voraussetzung dafür ist, dass er bis dahin um die PML(Q) eine ausreichend stabile parlamentarische Basis aufbauen kann, mit der er ungefährdet weiter regieren kann. Ein wichtiger Test dafür lag in der Installation seines Favoriten, des bisherigen Finanzministers Shaukat Aziz, im August als neuem Premierminister. Mit dem Rücktritt von Premierminister Mir Zafarullah Khan Jamali Ende Juni 2004 – das Kabinett blieb vollständig im Amt – wurde der Installationsprozess von Shaukat Aziz in Gang gesetzt, der zuvor zwar Mitglied des Senats(der „Provinzenkammer“), nicht aber der Nationalversammlung war, was jedoch eine Vorausset-
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