8 mächtige Kontrollinstanz hinter jeder möglichen zivilen Regierung wurde besonders deutlich angesichts der zurückhaltenden Politik der wechselnden Regierungen Benazir Bhutto und Nawaz Sharif in den 1990er Jahren. Es erscheint damit mehr als verständlich, dass das Militär wenig Sympathien für das mögliche Aufkommen starker und unabhängiger politischer Kräfte hegt, die seine eigene Machtstellung gefährden könnten. Das innerhalb der Politikerkaste weit verbreitete Verständnis von politischem Einfluss als Vehikel zur Stärkung materieller Eigeninteressen, das sich im Verhalten der Großgrundbesitzer im Parlament ebenso ausdrückt wie in den Korruptionsskandalen der letzten zivilen Regierungen, liegt damit im Interesse des Militärs, denn es hält die demokratischen Parteien erpressbar. Als Premierminister Nawaz Sharif, der zu Beginn seiner Karriere massiv durch die Armee protegiert worden war, im Jahre 1999 fälschlicherweise glaubte, die Konfrontation mit dem Generalstab wagen zu können, wurde seine Entfernung durch den Putschgeneral und heutigen Präsidenten Musharraf dadurch massiv erleichtert, dass der Machtwechsel sich im In- wie im Ausland als Form der Korruptionsbekämpfung verkaufen ließ. Bis heute leben die ehemaligen Premierminister Benazir Bhutto und Nawaz Sharif aufgrund von Korruptionsvorwürfen im Exil; der Ehemann von Benazir Bhutto verbüßt derzeit sogar in einem pakistanischen Gefängnis eine Haftstrafe. Obwohl das Maß an Interessenverquickung und Korruption im Umfeld des Militärs mit Sicherheit nicht geringer ist als in der zivilen Politik, wird dies doch in der breiten pakistanischen Öffentlichkeit bisher nur hinter vorgehaltener Hand diskutiert. Dies gilt insbesondere für Teile der gebildeteren Schichten außerhalb der von den großen Parteien protegierten Elite, die im Militär einen Garanten für ihre modernen gesellschaftlichen Vorstellungen sehen und den Einfluss islamistischer oder nationalistischer Gruppen fürchten, die in wirklich freien Wahlen von der ländlichen Bevölkerungsmehrheit eventuell auf den Schild gehoben werden könnten. Für Angehörige der unteren Schichten, denen der Zugang zu höherer Bildung meist schon allein aufgrund mangelnder finanzieller Mittel verwehrt bleibt, bietet das Militär ferner oft die einzige MöglichFES Analyse: Pakistan keit für einen sozialen Aufstiegs und lockt – auch in den unteren Rängen – zumindest mit der Perspektive einer gesicherten Existenz. Und schließlich haben es die Generäle bisher immer verstanden, an der Notwendigkeit einer starken Armee zur Landesverteidigung und Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit keinen Zweifel aufkommen zu lassen. Eine wichtige Rolle haben hier bisher selbstredend die allgegenwärtigen Spannungen mit dem indischen Nachbarn gespielt, an deren Beilegung die Militärführung daher in der Vergangenheit auch wenig Interesse gezeigt hat. Ethnisch ist das Militär traditionell von Nordpunjabis und Paschtunen dominiert, womit sich neben den agrarisch und industriell geprägten Regionen eine dritte, militärisch geprägte, funktional abgrenzen lässt. Wahlmacht: Die politischen Parteien Im Rahmen der beschriebenen Machtkonstellation aus ökonomischem und militärischem Establishment entfaltet sich das Mit- und Gegeneinander der auf der politischen Bühne aktiven Parteien. Es überrascht wenig, dass die aus westlichen Demokratien bekannte Aufteilung des Spektrums in einen„linken“ und einen konservativen Block auf die pakistanischen Verhältnisse kaum anwendbar ist. Vielmehr repräsentieren die beiden großen, zur Zeit in sich gespaltenen, Parteien die regierende Elite, während die verschiedenen thematisch oder ethnisch orientierten Parteien weit davon entfernt sind, auf Bundesebene Mehrheiten hinter sich zu vereinen. Pakistans traditionell große Parteien, die Pakistan Muslim League(PML) und die Pakistan People’s Party(PPP), unterscheiden sich inhaltlich sowie hinsichtlich ihrer Mitgliederstruktur und sozialen Basis nur wenig. Die Clans der besitzenden Klasse achten darauf, in beiden Parteien hinreichend vertreten zu sein, um auch bei einem Wechsel der Parlamentsmehrheiten ihre Interessen wahren zu können. Dennoch lassen sich bei näherem Hinsehen gewisse Unterschiede ausmachen. So stehen der PPP in besonderer Weise die Großgrundbesitzer nahe und es war die von ihr gestellte Regierung
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