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Pakistan : wem nutzt die Demokratie?
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FES Analyse: Pakistan Nur der ernsthafte Versuch, eine weitere Ver­größerung der sozialen Spaltung zu verhindern, breitere Schichten an Bildung und Wohlstand teilhaben zu lassen und so auch das Bevölke­rungswachstum unter Kontrolle zu bekommen, kann ein Szenario verhindern, in dem eine stark wachsende arme Bevölkerung, die trotz besserer Bildung kaum Wohlstandsperspektiven sieht, sich anschickt, die Festungen des Establishments in der einen oder anderen Weise zu schleifen. Eine möglicherweise aus diesem Unruhepotenzial he­raus resultierende bürgerkriegsartige Auseinan­dersetzung würde sich sicherlich nicht entlang politisch-ideologischer Trennlinien entwickeln, sondern entlang sozialer Brüche, die sich gege­benenfalls mit religiösen oder regionalen Frik­tionen verbinden würden. Dass solch eine religiös motivierte Gewalt eine reale Option ist, zeigt sich immer wieder an Auseinandersetzungen zwischen Sunniten und Schiiten vor allem im Raum Karachi, auch wenn es sich dabei zumeist um eng begrenzte und poli­tisch instrumentalisierte Ausbrüche handelt. Eine religiöse Kanalisierung des Protestpotenzials könnte sich natürlich auch auf demokratischem Wege über den Wahlsieg einer islamistischen Partei entladen; es ist aber zu bezweifeln, ob dann der derzeit von der MMA propagierte türkische Weg einer demokratisch-rechtsstaat­lichen, moderaten Islamisierung die Folge wäre. Vor der historischen Erfahrung des Landes ist eher zu erwarten, dass das Militär gewaltsam versuchen würde, die herrschende Ordnung zu verteidigen suchen würde, und es wäre der Weg in den Bürgerkrieg geebnet. Eine alternative Bruchlinie stellen gerade beim Scheitern jeglicher Dezentralisierungsbemü­13 hungen ethnische Spannungen dar, die sich wahrscheinlich an der zumindest in den süd­lichen Provinzen stark empfundenen Vor­machtstellung der Punjabis festmachen würden. Würde die ohnehin überproportional von Pun­jabis besetzte Armee dann versuchen, Ruhe und Ordnung im Land gewaltsam zu erzwingen, könnten separatistische Bestrebungen schnell zu einer Bedrohung des Landes anwachsen. Ähnlich war die Situation zu Beginn der siebziger Jahre, als eine zentralistisch denkende Armeeführung letztlich die Abspaltung Ostpakistans, des heu­tigen Bangladesch, auslöste. Einen Kristallisati­onspunkt separatistischer Tendenzen könnte, bei paralleler Entwicklung in Afghanistan, auch ein Wiedererstarken des Paschtunistan-Gedankens sein. Außenpolitischer Wandel Außenpolitisch hat Pakistan durch die führende Beteiligung im Kampf gegen den Terror und das Tauwetter in den Beziehungen mit Indien eine Aufwertung erfahren, die sich insbesondere im neu definierten Verhältnis zu den USA nieder­schlägt. Der Beginn von Antiterroroperationen in den quasi-autonomen und als Rückzugsgebiet militanter Islamisten geltenden Stammesgebieten entlang der afghanischen Grenze verschaffte dem Militär fast unverhofft eine neue Legitima­tionsbasis, die auch die zur Zeit zu beobachtende größere Flexibilität in den Verhandlungen um Kaschmir ermöglichte, wo derzeit zum ersten Mal seit vielen Jahren eine dauerhafte Einigung und die Normalisierung der Beziehungen mit Indien möglich scheint. Ausblick: Fortbestand der alten Elite? Der Schlüssel zu einer Veränderung der Macht­verhältnisse liegt, darin sind sich die Beobachter der Szene weitgehend einig, in einer Zurück­drängung des Militärs und damit auch der tra­ditionellen Eliten aus Politik und Wirtschaft. Veränderungsprozesse, denen das Land unter­worfen ist, müssen also daraufhin untersucht werden, ob sie das Entstehen neuer Eliten be­wirken können, die mit den alten nicht in neue Kompromisse, sondern in einen echten Wett­bewerb eintreten würden. Werden die seit 2001 eingeleiteten Dezentrali­sierungsmaßnahmen insbesondere die Schaf­fung einer lokalen Verwaltungsebene weiter vorangetrieben und durch entsprechende Aus­bildungsmaßnahmen für das dafür notwendige