10 SBY die Demokratie dient, wird er nicht an ihr rütteln. Aber in einer Krise, zum Beispiel wenn seine Wirtschaftsversprechen nicht umgesetzt werden, ist ihm zuzutrauen, dass er das Parlament verantwortlich macht und auflöst. SBY Superstar? Die Indonesier sind froh, endlich wieder einen imposanten Staatsmann als Präsidenten zu haben. Aussehen und Auftreten sind in Indonesien noch wichtiger als anderswo. Dr. Susilo Bambang Yudhoyono sieht gut aus, ist relativ groß und hat breite Schultern. Er ist nie emotional, strahlt Würde aus und vermittelt ein Gefühl von Sicherheit. Dabei gibt er nicht an. Kurz: SBY tritt präsidial auf. Und er wiederholt Megawatis großen Fehler der Volksferne nicht. Werden indonesische Gastarbeiter aus Malaysia verbannt, empfängt SBY sie am Hafen. Reisen Moslems zum Ende des Fastenmonats von Jakarta zu ihren Familien aufs Land, verabschiedet sie SBY am Busbahnhof. Er kennt und nutzt die Kraft der Medien. Fragt bei einer Pressekonferenz jemand von einer Seite des Raums, antwortet SBY geradeaus, in die laufenden Kameras. SBY folgt zwei schwachen Präsidenten, ist qualifiziert und hat ein starkes Mandat. Er kann sich nicht nur gut verkaufen, er ist gut: kompetent, ehrgeizig, fleißig und gespürvoll. Ja, vielleicht fehlt ihm eine stabile Parlamentsmehrheit, aber wirkliche Feinde hat er nicht. SBYs Partner und Stellvertreter Jusuf Kalla ist als neuer Vorsitzender der GOLKAR-Partei plötzlich sehr mächtig und vielleicht weckt das Präsidentschaftsambition. Aber zunächst ist es im Interesse beider Männer, nicht zu konkurrieren. Sie sind als Gespann direkt gewählt und müssen erst einmal Regierungsfähigkeit zeigen. Angenommen, Kalla wollte lieber heute als morgen Präsident werden: er kommt nicht an kulturellen Normen vorbei und muss als Vize bis„kurz vor 12“ gegenüber seinem Chef loyal sein – bis zur Wahl 2009 oder bis zu einem ernsten Wackeln SBYs, das im Moment nicht abzusehen ist. Egal ob im Militär, unter Politikern, im Volk, unter Religionsführern oder Journalisten: SBY ist angesehen. Wenn er jetzt halbwegs vernünftige Politik macht, und davon kann man ausgehen, FES Analyse: Indonesien wird er ein Star. Das Rechenschaftsprinzip hat er verinnerlicht. SBY sagte, er wolle die Menschen nicht enttäuschen, die ihm Vertrauen geschenkt haben. Auf einen solchen Satz hatte man unter Megawati drei Jahre lang vergeblich gewartet. SBY ist in den Palast eingezogen und etabliert dort einen Präsidentenamtssitz, der dem Weißen Haus in Washington ähnelt. SBY arbeitet mit Schlafpausen rund um die Uhr. Das ist gut und kommt gut an, besonders nach der gemütlichen Megawati. Seit Suharto hat kein Präsident die gesamten fünf Amtsjahre absolviert, in sechs Jahren gab es drei Staatschefs. SBYs größte Herausforderung ist, die hohen Erwartungen zu erfüllen. Ohne Katastrophe – eine zweite asiatische Finanzkrise ist möglich – dürfte er seine Amtszeit überstehen. Das heißt nicht, dass SBY Wunder vollbringen kann, die strukturellen Probleme des Landes sind zu groß. Der Präsident kann maximal Prozesse einleiten, die Linderung bewirken. SBY ist in der Lage, Fortschritte wirkungsvoll hervorzuheben, Probleme zu erklären und überzeugend um Geduld zu bitten. Mit dieser Kombination wird er unterm Strich Erfolg haben. Seine brillante Außendarstellung eröffnet ihm die Möglichkeit, trotz Realpolitik Politstar zu werden. Kabinettsbildung ohne Mut Das neue Kabinett ist nicht neu, alte Bekannte versprechen wenig frischen Wind. Realpolitik statt Mut: SBY hat politische Schulden bezahlt und sich um zukünftige Unterstützung bemüht. Das neue Kabinett reflektiert nicht Selbstbewusstsein, sondern Vorsicht. SBY versprach starke Führung und startete mit Kompromissen und dem Bemühen, niemandem auf die Füße zu treten. Das Kabinett ist nicht, wie wünschenswert, schlanker, sondern um vier auf 36 Posten erweitert. Zusätzlich behalten der Chef der Streitkräfte und der Polizeichef Kabinettsrang. Die Chance, durch ihren Ausschluss ein Zeichen für steigende Zivilkontrolle zu setzen, wurde verpasst. Seinen Kabinettsrang verlor nur der Geheimdienstchef, der neue ist allerdings wie sein Vorgänger pensionierter General.
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