Wie viel Auto verträgt die Stadt? Der Gesprächskreis„Innovative Verkehrspolitik“ diskutierte in Berlin Konzepte für Stadtverkehrsprobleme jenseits der Fiktionen der autogerechten oder autofreien Stadt. Betont wurde, dass dem Öffentlichen Personennahverkehr neues Unheil aus Brüssel drohe. Ein hoffnungsvolles Beispiel mit erstaunlichen Zahlen wird dabei aus Frankfurt/Main berichtet. Die Diskussion zeigte, dass tuberkulöse öffentliche Kassen die Suche nach neuen Geldquellen für notwendige Verkehrsinvestitionen verlangen. Die Zahl der Kraftfahrzeuge wird bis zum Jahre 2010 nach neuen Schätzungen voraussichtlich um weitere neun Millionen Autos anwachsen. Nicht nur auf Autobahnen und Fernstraßen wird dies zu mehr Staus, größeren Problemen der Verkehrssicherheit, mehr Umweltstress und Aggressivität führen. Hauptbetroffener ist die Stadt. Sie muss die Autolawine auf ihrem Terrain unterbringen. Und sie ist schon jetzt vielerorts unter die Räder gekommen. Mehr Straßen, mehr Parkplätze, mehr Infrastruktur sind zukünftig nicht mehr zu haben: „Wir können doch nicht Teile unserer Innenstädte abreißen, nur um sie wieder zugänglicher zu machen,“ beschreibt Folkert Kiepe, Beigeordneter des Deutschen Städtetages(DST), pointiert die Situation. Kiepe befürchtet, dass die chaotischen Verkehrsverhältnisse, wie sie gegenwärtig zu Spitzenzeiten des Berufsverkehrs herrschen, zur Dauererscheinung werden könnten. In dieser Situation müssen die Städte für die Planung und Organisation ihrer Verkehrssysteme die notwendigen Konsequenzen ziehen.„Hierzu benötigen wir in den meisten Fällen keine neuen Untersuchungen, sondern vor allem politischen Mut,“ so Kiepe. Aber wie sollen die Lösungen aussehen, die wir dringend zur Bewältigung der städtischen Krise brauchen? Eine noch radikalere Parkraumbewirtschaftung, Erhebung der City-Maut oder sogar eine gänzliche Sperrung der Stadtkerne für Pkw und Lastwagen? Oder müssen wir in der Stadt vorrangig Bus, Bahn und Fahrrad Beine machen? Müssen wir die Alternativen zum Auto stärken, damit der motorisierte Individualverkehr Platz findet und überhaupt noch rollen kann? Die städtischen Verkehrsprobleme standen im Mittelpunkt der Diskussion des Gesprächskreises„Innovative Verkehrspolitik“. Kernfrage: Wie kommen wir zu einem wirklich zukunftsfähigen Stadt- und Regionalverkehr? Minister Heyer hatte eingangs das städtische Verkehrselend skizziert. Immense und teure Stauzeiten, Lärm, Luftverpestung und eine wachsende Aggressivität aller Verkehrsteilnehmer kennzeichneten die Situation. Kinder könnten nicht alleine den Schulweg bewältigen, aber auch das größer werdende Heer der Alten habe Angst vor der Straße. Der Güterverkehr rolle mit seinen Schwertransportern bis in die letzten Winkel der Stadt und soll nach allen Prognosen auch noch weiter wachsen – und zwar sogar noch erheblich schneller als der Personenverkehr.„Wir müssen den Menschen attraktive Mobilitätsangebote jenseits des eigenen Pkw machen, schon allein um den Autoverkehr weiter zu ermöglichen,“ ist Heyer 46
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Deutschland mobil : Probleme - Debatten - Lösungen ; eine Dokumentation über die Arbeit des Arbeitskeises "Innovative Verkehrspolitik" 1997 - 2001
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