Druckschrift 
Deutschland mobil : Probleme - Debatten - Lösungen ; eine Dokumentation über die Arbeit des Arbeitskeises "Innovative Verkehrspolitik" 1997 - 2001
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Beziehungskiste voller Widersprüche Verkehrs- und Wirtschaftspolitik sind aufeinander angewiesen. Doch ihr symbioti­sches Verhältnis ist keineswegs ohne Spannungen, zumal beide Bereiche jeweils auch noch in sich selbst widersprüchliche Interessen vertreten müssen. Welche The­rapie eine günstige Entwicklung und wenig Reibungsverluste verspricht, ist des­halb umstritten. Der GesprächskreisInnovative Verkehrspolitik analysierte auf seiner Sitzung dieses Problemknäuel. Ohne Transporte gibt es keine Produktion und keinen Handel. Verkehr stellt zugleich auch selbst einen wachsenden ökonomischen Faktor dar. Und die Herstellung von Fahrzeugen zählt in Deutschland traditionell zu den wichtigsten Branchen. Kurzum: Wirtschaft und Ver­kehr sind eng und vielschichtig miteinander verwoben. Dabei bildet das Verkehrssystem ei­nen wichtigen Gestaltungsparameter der Industriepolitik, denn mit verkehrspolitischen In­strumenten können Wachstums- und Industrialisierungsprozesse initiiert und gesteuert, aber auch begrenz und abgeblockt werden. Verkehrspolitik kann also differenzierend auf volks­wirtschaftliche Trends einwirken. Hier bestehen beachtliche Handlungsspielräume, mit de­nen auch die Entwicklungschancen von Branchen beeinflusst werden können. Es kommt zu Einkommens- und Kapazitätseffekten, die sich in branchenspezifischen Wachstums- und Arbeitsmarktimpulsen spiegeln. Aufgrund dieses Geflechts ist die Frage schwer zu beantworten, wie eine Verkehrspolitik aussehen sollte, die zugleich eine effektive Industriepolitik darstellt. So bedeutet billiger Sprit nicht nur günstige Transportkosten, sondern behindert auch den Durchbruch innovativer Autos. Noch komplexer wird die Frage nach einer schlagkräftigen Verkehrspolitik dadurch, dass es dabei nicht nur um wirtschaftliche Interessen geht. Ebenso wichtig sind ökologische und soziale Aspekte. Diesem weiten Feld widmete sich der GesprächskreisInnovative Ver­kehrspolitik bei seinem Treffen. Unter der Leitung von Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Jürgen Heyer und Helmut Holzapfel von der Universität Gesamthochschule Kassel diskutier­ten Experten aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gewerkschaften engagiert und zum Teil sehr konträr das Thema sÉêâÉÜêëéçäáíáâ=~äë=fåÇìëíêáÉéçäáíáâK Wirtschaftswissenschaftler Werner Rothengatter von der Universität Karlsruhe stellte in sei­nem Vortrag zunächst die Schwierigkeiten dar, die volkswirtschaftliche Bedeutung des Ver­kehrssektors zu beziffern. Zwar gehen nur etwa 3,5 Prozent der Bruttowertschöpfung un­mittelbar auf die Verkehrsunternehmen zurück. Rechnet man aber Fahrzeugproduktion und Sekundärbereiche, die indirekt mit dem Verkehr zusammenhängen, hinzu, so erhält man bereits einen viermal so hohen Wert. Zugleich steigert der Verkehr die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft, so etwa die räumliche Verteilung der Produktion und damit die Nutzung weltweiter Faktor­potentiale(positive Seite der Globalisierung), 120