Die Bahnreform ist auf dem richtigen Weg Die DB soll mehr Verkehr auf die Schiene holen, betriebswirtschaftlich arbeiten und zugleich den Wettbewerb organisieren. So lautet der Auftrag der Politik. Doch die Realität sieht anders aus: Sinkende Marktanteile im Güterverkehr, Milliardenverluste statt-gewinne und kaum Konkurrenz auf den Gleisen. Was tun? Auf der Tagesordnung stand die Zukunft der Bahn in Deutschland und Europa. Die Bahnreform von 1994 sollte die Trendwende bringen: Der bis dahin permanent defizitäre Schienenverkehr wurde einem entschuldeten, privatwirtschaftlich arbeitenden Unternehmen übertragen. Angespornt durch eine wachsende Konkurrenz sollte die DB AG schon nach wenigen Jahren in die Gewinnzone fahren- so die Vision. Doch Mitte November 2000 legte Bahnchef Hartmut Mehdorn seine Bestandsaufnahme auf den Tisch: Demnach werden die Betriebsergebnisse bis zum Jahr 2005 um 20 Milliarden Mark unter dem liegen, was einmal geplant war. Die Gründe hierfür sind gravierende Investitionsrückstände in Bestandsnetz Kostenüberschreitungen bei Großprojekten und zu optimistische Umsatzprognosen in der Vergangenheit. Jetzt erarbeitet die Bahn einen ehrgeizigen Sanierungsplan. In etwa fünf Jahren wird mit schwarzen Zahlen gerechnet. Für Hartmut Mehdorn ist die Bahn deshalb auf dem richtigen Weg.„Wir sind erst in der Mitte der Bahnreform.“ Fest steht: Die Bahn verliert immer weiter Marktanteile. Ging sie 1950 mit 60 Prozent beim Gütertransport noch mit weitem Abstand als erste ins Ziel, so hielt sie Anfang der 90er Jahre gerade einmal 29 Prozent und dümpelt heute bei 16 Prozent. Beim Personenverkehr ist die Bahn trotz einer beachtlichen Steigerung ihrer Verkehrsleistung in den vergangenen Jahren gerade noch mit knapp 8 Prozent dabei, während sie Mitte der 50er Jahre immerhin 36 Prozent der Reisenden beförderte.„Kurioserweise erfolgt der verkehrliche und finanzielle Niedergang der Bahn vor dem Hintergrund immer knapperer Verkehrskapazitäten. Trotz des drohenden Verkehrsinfarkts, immer höherer Umweltschäden, Smog, Lärm und Energieverschwendung durch den Verkehr blieb die Bahn wettbewerbsunfähig,” konstatierte Ernst Schwanhold. Der Minister für Wirtschaft und Mittelstand, Energie und Verkehr in Nordrhein-Westfalen hielt das Eingangsreferat vor mehr als 60 Experten aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gewerkschaften. Auf der Tagesordnung stand eine Debatte über die„Zukunft der Bahn in Deutschland und Europa”. Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Jürgen Heyer moderierte die engagierte, zum Teil hitzige Diskussion. Schwanhold fasste zunächst zusammen, warum es 1994 zur Reform gekommen war. Die Bahn hatte 1990 einen Schuldenberg von 47 Milliarden Mark aufgebaut, der sich ohne Umsteuern bis 1996 auf 80 Milliarden Mark erhöht hätte. Bis 2003 drohten dann sogar Verluste von 266 Milliarden Mark aufzulaufen, nachdem das Ausmaß des Nachholbedarfs für das 82
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Deutschland mobil : Probleme - Debatten - Lösungen ; eine Dokumentation über die Arbeit des Arbeitskeises "Innovative Verkehrspolitik" 1997 - 2001
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