FES-Analyse Rumänien: Neues Tigerland oder Problemkind der EU? Alfred Pfaller* Januar 2007 • Rumänien kann – unter günstigen, aber nicht unwahrscheinlichen – Bedingungen zu einem europäischen„Tigerland“ mit anhaltend hohem Wirtschaftswachstum werden. • Eine neue – relativ junge – städtische Bevölkerungsschicht arrangiert ihr Leben eigenständig in einem wachsenden Markt mit vielfältigen Chancen und geringen Sicherheiten. Sie erwartet eine bessere Zukunft nicht von der Politik, sondern von der fortgesetzten Wirtschaftsdynamik. • Arbeit im westlichen Ausland ist ein wichtiger Bestandteil des neuen Chancenspektrums. Sie entlastet den heimischen Arbeitsmarkt, führt dem Land Devisen und Kaufkraft zu und verstärkt die schleichende„Enttraditionalisierung“. • Ein Drittel der Bevölkerung lebt noch von der Landwirtschaft. Es ist aber eine massive Entvölkerung der ländlichen Gebiete zu erwarten. • Die soziale Polarisierung nimmt zu und wird verstärkt von der Erosion des öffentlichen Bildungswesens und dem desolaten Zustand des Gesundheitswesens. • Der Staat befindet sich in den Händen einer unkontrollierten politischen Elite, die sich mit dem Zugriff auf die Regierungsgewalt als neue„Staatsbourgeoisie“ etabliert hat. Diese macht ihre Geschäfte wesentlich mit Hilfe des – manipulierten – Staates. • Politische Parteien sind keine Transmissionsriemen zwischen gesellschaftlichen Interessenlagen und politischen Entscheidungsprozessen. Sie sind Zusammenschlüsse von Politunternehmern zum Zweck der Machtgewinnung. Gegenbewegungen sind derzeit nicht in Sicht, aber auf Dauer zu erwarten. Herausgeber und Redaktion: Arne Schildberg, Friedrich-Ebert-Stiftung, Internationale Politikanalyse, 53175 Bonn, Tel: 0228-883-206, Fax: 0228-883-625, E-Mail: Arne.Schildberg@fes.de
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