6 FES-Analyse: Rumänien Tabelle: Eckdaten der Wirtschaftsentwicklung 2001- 2006 Reales Wirtschaftswachstum 2001 2002 2003 2004 2005 2006 (vorläufig) in% 5,7 5,0 4,9 8,3 4,1 7 Arbeitslosenquote in% 9,0 10,2 7,6 6,7 5,7 5 Inflationsrate in% 34,5 22,5 15,3 9,7 9,0 7,7 Exportwachstum in% 12,8 15,3 6,3 21,3 17,4 16 Leistungsbilanz in% des BIP -5,6-6,8-8,7-9,5 Saldo des Staatshaushalts in% -3,2-2,5-2,0-1,2-0,8-2,2 des BIP Einer neuen Gesellschaftsstruktur entgegen Anhaltendes Wirtschaftswachstum verändert jede Gesellschaft nachhaltig. In Rumänien steht die Umwandlung einer noch weitestgehend agrarisch geprägten in eine urbane Gesellschaft nach dem Muster seiner westlichen Nachbarn an. Unter der Oberfläche der Kontinuität(nach einem wirtschaftlichen Wachstumsschub von etwa 35 Prozent in den letzten sechs Jahren lebt noch immer ein Drittel der Bevölkerung von der Landwirtschaft) verbergen sich signifikante Veränderungen. Bis vor kurzem war die starke Ausweitung der Wirtschaftstätigkeit im städtischen Bereich praktisch ohne Auswirkung auf die Gesamtzahl der Arbeitsplätze geblieben. Denn zur gleichen Zeit wurden im Zuge der Anpassung der alten Produktionsstrukturen immer noch Belegschaften verkleinert und Betriebe stillgelegt. Für eine massive Arbeitskräftewanderung vom Land in die Stadt fehlte deshalb das Job-angebot. Die neuen Wachstumsbranchen holten ihre Arbeitskräfte vorrangig aus dem städtischen Milieu. Das führte u.a. dazu, dass heute in Städten wie Timisoara (Temeswar), Bukarest oder Sibiu(Hermannstadt) praktisch Vollbeschäftigung herrscht und es zunehmend schwieriger wird, angemessen ausgebildete Arbeitskräfte zu bekommen. Auf diese Weise ist in den Wachstumszentren des Landes eine neue, relativ junge Gesellschaftsschicht entstanden, die in sich stark diversifiziert ist, was Bildungsniveau, Einkommen und Lebensstil betrifft, die aber dennoch eine Gemeinsamkeit aufweist, die sie vom Rest der Bevölkerung unterscheidet. Sie arrangiert ihr Leben nach einer neuen Art in einem expandierenden Markt, der vielfältige Chancen und wenig Sicherheiten bietet – für Jobs, für Geschäfte, für selbständige Arbeit und für die diversen Kombinationen und Zwischenstufen. Sie spürt die reale Möglichkeit einer besseren materiellen Zukunft, ohne dass dies bereits eine sichere Erwartung wäre. Die Chancen, die die Gesamtperzeption prägen, auch wenn sie nicht unmittelbar für das eigene Fortkommen relevant sind, schließen den Arbeitsmarkt im westlichen Ausland, der zu einem festen Bestandteil der rumänischen„Realität“ geworden ist, mit ein. Die Bevölkerungsgruppe, die in den Wachstumsbranchen ihr Auskommen findet und ihr Fortkommen sucht, kann nur zum Teil als„neue Mittelschicht“ begriffen werden, weil sie auch viele Menschen umfasst, die man aufgrund ihres Einkommens und ihres
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten