FES-Analyse: Mexiko 9 als auch auf dem US-Markt verdrängen chinesische Waren die mexikanischen. Zwischen 2000 und 2005 gingen im mexikanischen Textilsektor 240.000 Arbeitsplätze aufgrund der chinesischen Konkurrenz verloren, so ein Sprecher des mexikanischen Wirtschaftsministeriums. Ein Beispiel verdeutlicht die Konkurrenz für einheimische Unternehmer und Arbeitnehmer. Die mexikanische Fahrradreifenindustrie, die eine jährliche Nachfrage von 20 Millionen Stück abdecken muss, konnte aufgrund des Freihandels nicht überleben. Tauchten in den 90er Jahren seit Abschluss des NAFTA-Vertrages chinesische Reifenprodukte noch illegal als„made in USA“ auf dem mexikanischen Markt auf, so können diese seit einem Handelsabkommen des Jahres 2004 legal und zollfrei nach Mexiko eingeführt werden. 1998 wurde der Fahrradreifenmarkt in großer Mehrheit von nationalen Unternehmen bedient. Heute gibt es keinen mexikanischen Fahrradreifenhersteller mehr. Die Konkurrenz ist in diesem Industriebereich hauptsächlich der extrem niedrigen Entlohnung des chinesischen Arbeiters sowie der Wechselkursrelation geschuldet. Denn zur Herstellung wird fast nur ein einziger Rohstoff, Gummi, benötigt. Der Rohstoffpreis ist für alle Abnehmer auf dem internationalen Markt gleich. Statt den heimischen Markt zu schützen bzw. ihm alternative Lösungen anzubieten, entschied sich die FoxRegierung für den freien Handel. Bis April 2006 war Mexiko Lateinamerikas Land mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen. 2006 wird Mexiko von Chile überrundet werden. Während Chile ca. 8.300 US-Dollar pro Kopf erwirtschaftet hat, liegt Mexiko 2006 wiederum bei ca. 8.000 US-Dollar. Trotz der schweren politischen Krise zeigt sich das Aztekenland wirtschaftlich stabil. Im sozialpolitischen Bereich entwickelt sich Mexiko in Schüben. Nach dem UN HumanDevelopment-Index(UNHDI) ist Mexikos Analphabetenrate in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken, die allgemeine Schulbildung vor allem auch unter Frauen gestiegen, die Geburtenrate enorm gesunken und die Lebenserwartung gewachsen. Im lateinamerikanischen Vergleich bleibt Mexiko jedoch im Mittelfeld des UNHD-Index von 2005 angesiedelt(Platz 53 von 177 Ländern), abgeschlagen hinter Argentinien (Rang 34) und Chile(Rang 37), aber vor Brasilien (Rang 63). Doch die Zahlen verwischen die extremen sozialen Probleme in einem Land, in dem auch im Jahr 2005 noch immer ca. 40 Prozent der Bevölkerung in Armut lebt(d.h. mit weniger als zwei US-Dollar pro Tag) und die sozioökonomischen Unterschiede zwischen dem Norden und dem Süden sowie Stadt und Land frappierend sind. Die soziale Ungleichheit ist in den letzten Jahren nicht gesunken, sondern gestiegen. Mitte der 80er Jahre lag der GINI-Index bei 45,1 Prozent, heute beträgt er 54,6 Prozent. Die anhaltende Armut spiegelt sich in der sehr ungleichen Einkommensverteilung des Landes wieder: Die unteren 40 Prozent erhalten lediglich etwa zehn Prozent des Volkseinkommens, während die 20 Prozent an der Spitze der Einkommenspyramide rund die Hälfte einstreichen. Erschwert wird der soziale Aufstieg durch die ungleiche Verteilung von Bildungs- und Berufschancen. Die Analphabetenquote liegt trotz Fortschritten landesweit bei knapp zehn Prozent. In Chiapas und Oaxaca kann mehr als ein Drittel der indigenen Bevölkerung weder lesen noch schreiben. Der Weg zu höherer Bildung und damit besseren Löhnen ist den meisten Mexikanern bislang versperrt geblieben. Der Arbeitsmarkt und die politische Kultur Unterbeschäftigung und der informelle Sektor machen mehr als die Hälfte des mexikanischen Arbeitsmarktes aus. Die Kaufkraft der Gehälter ist seit den 80er Jahren stetig gesunken. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs auch 2005 eher moderat mit ca. drei Prozent. Es liegt damit etwas mehr als ein Prozent unter dem allgemeinen Wirtschaftswachstum in Lateinamerika und drei bis fünf Prozent unter den eindrucksvollen Wachstumsraten in Ländern wie Argentinien, Venezuela, Uruguay oder Chile. Zuletzt im Jahr 2000 verzeichnete die mexikanische Wirtschaft ein höheres Wachstum von 6,6 Prozent. Ein mittleres Wachstum von drei Prozent reicht nicht, um für die 80 Millionen Arbeitnehmer, die Mexiko voraussichtlich 2010 haben wird, eine entsprechende Anzahl an Arbeitsplätzen zu generieren. Wirtschaftsund Finanzexperten sind sich einig, dass dafür ein Trend-Wachstum von fünf Prozent oder mehr notwendig ist. In absehbarer Zukunft sind jedoch keine großen Schwankungen vorauszusehen, denn die mexikanische Integration in den nordamerikanischen Wirtschaftsraum bedeutet eine starke Abhängigkeit vom Wirtschaftswachstum in den USA. Und die USamerikanische Wirtschaft weist derzeit keine großen BIP-Schwankungen auf.
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten