FES-Analyse: Mexiko tionen zu demokratisieren und zu modernisieren, wird der Einfluss der CTM schrumpfen. Die Unión Nacional de Trabajadores(UNT) zeigt sich als einziger wichtiger Dachverband bereit, modernisierende Schritte zu wagen. Im Diskurs greift die UNT vertikale, undemokratische und nach innen gerichtete Gewerkschaftsmethoden an(und unterscheidet sich damit wesentlich von der CTM-Führung). In der Praxis zeigt sie sich ebenfalls demokratisch, auch wenn die Tendenz,„caudillo“-artige Generalsekretäre über Jahrzehnte wiederzuwählen, populär ist. Doch die politische Stimme der UNT ist begrenzt, denn als fast reinem Dachverband der Arbeitnehmer im Dienstleistungsbereich fehlt ihr die Flanke in der verarbeitenden Industrie. Und gerade im Industrie- und Maquiladorabereich existieren traditionell korrupte Praktiken, wie die so genannten„contratos de protección“. Die berüchtigten„Schutzverträge“ sind ein Schlüsselthema in der Krise mexikanischer Gewerkschaften. Dabei handelt es sich um simulierte Tarifverträge, die 11 zwischen einem Arbeitgeber und einem Pseudoführer der Gewerkschaftsbewegung, oftmals auch in Anwesenheit eines Anwalts des Arbeitsrechts, hinter verschlossenen Türen abgeschlossen werden. Sie dienen ausschließlich den Interessen des Arbeitgebers. Autorisiert und registriert vom mexikanischen Arbeitsministerium, verhindern sie, dass eine zweite Gewerkschaft Anspruch auf die Vertretung der Rechte der Arbeitnehmer erhebt. Arbeitnehmer wissen oftmals nicht einmal, dass sie einen Tarifvertrag haben. Mittlerweile machen sie 80-90 Prozent der in Mexiko registrierten Tarifverträge aus. Öffentlich bezieht nur die UNT eine eindeutige Position, indem sie sich klar für die Abschaffung dieser korrupten Arbeitspraktik ausspricht und einsetzt. Schließlich äußert sich in diesen Verträgen fehlende Gewerkschaftsfreiheit und-autonomie, unzureichende interne demokratische Praktiken der Gewerkschaften sowie das fehlende soziale Verantwortungsbewusstsein beteiligter Unternehmen. Sie können gar als offene Ablehnung gegenüber dem Gewerkschaftswesen an sich interpretiert werden. Die mexikanische Außenpolitik: Nähe zum Norden, Distanz zum Süden Aufgrund der konfliktiven innenpolitischen Lage wird die neue Regierung der Außenpolitik keine Priorität einräumen. Eine klarere Positionierung des biregionalen Mexikos als Bindeglied zwischen Nord- und Südamerika wäre allerdings wünschenswert. Die mexikanische Außenpolitik ist ein Kontrastprogramm zu den Zielen anderer großer lateinamerikanischer Länder im Süden des Kontinents. Fox war bedeutender Fürsprecher des so genannten freien Handels. Mexiko ist mit dieser Position der bedeutendste außenpolitische Partner der USA auf dem amerikanischen Kontinent. Unter Calderón wird diese für Mexiko nicht unbedenkliche außenpolitische Linie fortgeführt werden. Die Anlehnung an die USA brachte bisher nicht die ersehnten politischen oder wirtschaftlichen Ergebnisse. Eines der bekanntesten Dokumente der mexikanischen Geschichte ist der am 27. September 1930 versandte Brief des Außenministers Genaro Estrada (1887-1937) an alle mexikanischen Botschafter, welcher jegliche Einmischung in die politischen Angelegenheiten anderer Nationen offiziell untersagte. Diese Haltung der Nichteinmischung und des Selbstbestimmungsrechts Mexikos, heute als Estrada-Doktrin bekannt, bestimmte in den folgenden Jahrzehnte die Außenpolitik Mexikos, insbesondere in den HochZeiten des Kalten Krieges. Mit dem Amtsantritt von Vicente Fox und seinem ersten Außenminister, Jorge Castañeda, im Jahr 2000 ging eine Zäsur der Prinzipien und Strategien mexikanischer Außenpolitik einher. Die Ökonomisierung der mexikanischen Außenpolitik ersetzte bereits in den 80er Jahren die alte außenpolitische Revolutionsrhetorik. Die Unterzeichnung des nordamerikanischen Freihandelsvertrages symbolisiert den Kulminationspunkt der Außenwirtschaftsöffnung und damit auch der außenpolitischen Strategie der ersten Jahre nach Ende des Kalten Krieges. Die neu erworbenen Mitgliedschaften in den internationalen Organisationen hoch entwickelter Staaten wie OECD(1994) und APEC(1993) und dem gleichzeitigen Austritt aus internationalen Foren so genannter Entwicklungsländer wie der Gruppe 77 sind nur die logische Fortsetzung dieser neuen Priorität. Diese Position umfasste jedoch noch nicht die politische Dimension. Mexiko zeigte sich weiterhin sehr reserviert gegenüber der Förderung von Menschenrechten und Demokratie auf internationaler Ebene. Die Wirtschaftsassoziierung mit Nordamerika und die ablehnende Haltung gegenüber der internationalen Beobachtung von Menschenrechten und Demokratie zu Beginn der 90er Jahre provozierten darüber hinaus eine klare Distanz zu den Ländern des Cono Sur, die zum gleichen Zeitpunkt auf eine subregionale Integration unter Einbeziehung von politischen und sozialen Fragen setzten.
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