FES-Analyse: Italien 3 Italien in den letzten 15 Jahren: Die unvollendete Transitionsphase Seit nunmehr 15 Jahren befindet sich Italiens Demokratie in einer immer noch nicht abgeschlossenen Phase des Übergangs – und niemand symbolisiert diese Tatsache besser als die beiden Hauptprotagonisten Silvio Berlusconi und Romano Prodi. 1992 zerbrach das Parteiensystem der so genannten Ersten Republik. Die Democrazia Cristiana verschwand genauso wie die Sozialistische Partei Bettino Craxis und die anderen Regierungsparteien im Gefolge der Korruptionsermittlungen der Mailänder Staatsanwälte. 1993 betrat Silvio Berlusconi die politische Bühne, bald gefolgt von Romano Prodi als Gegenspieler. Und Gegenspieler sind die beiden auch heute noch: Zum letzten Mal maßen sie in den Parlamentswahlen vom 9./10. April 2006 die Kräfte. Dabei errang Romano Prodi einen knappen Sieg und wurde Ministerpräsident; Berlusconi wurde Oppositionsführer. Diese Tatsache überrascht allein schon deshalb, weil immer wieder mal der eine, mal der andere der ewigen Duellanten Gegenstand politischer Nachrufe wurde. So siegte Berlusconi zwar bei den Parlamentswahlen 1994 mit seiner gerade gegründeten Partei Forza Italia aus dem Stand, scheiterte dann aber binnen weniger Monate an den Widersprüchen in seiner Koalition. Zahlreiche politische Beobachter sahen ihn schon politisch am Ende; Berlusconi aber machte weiter. Auf der anderen Seite hatte die Linke, die aus den Wahlen 1994 gedemütigt und demoralisiert hervorgegangen war, ihre eigenen Schlüsse aus dem Debakel gezogen. Einerseits suchte der damalige Parteichef der Linksdemokraten(Democratici di Sinistra, DS), Massimo D’Alema, das Bündnis zu weiteren Parteien der Mitte, beginnend bei den linken Christdemokraten des Partito Popolare Italiano(PPI). Andererseits aber sah D’Alema Chancen für einen Sieg nur, wenn die MitteLinks-Allianz genauso wie die Rechte nicht auf einen gestandenen Berufspolitiker setzte, sondern auf einen unverbrauchten Seiteneinsteiger – und fand ihn in Romano Prodi. Er wurde 1995 zum Spitzenkandidaten des„Ulivo“, des Ölbaum-Bündnisses, gekürt. Damit standen sich nach der großen Parteienkrise der frühen Neunzigerjahre zwei einigermaßen atypische Leader der beiden politischen Lager gegenüber. Die Rechte wurde angeführt von einem Medienzaren, der von einem Tag auf den anderen in die Politik gewechselt war und mit den Personal- wie Finanzressourcen seines Unternehmens eine völlig auf ihn zugeschnittene Partei aufgebaut hatte. Aus dieser Anomalie machte Berlusconi von Beginn an ein zentrales Element seiner politischen Stärke: Nach den heftigen Korruptionsskandalen, die die italienischen Parteien erschüttert hatten, setzte er auf das Image des Anti-Politikers, der aus„dem Schützengraben der Arbeit“(Berlusconi) kam und nichts zu tun hatte mit den Gepflogenheiten der„Politikaster, die in ihrem Leben nie gearbeitet haben“. Die Linke dagegen engagierte gleichsam von außen einen Leader, der seinerseits ohne eigene Partei dastand und ein Bündnis anführte, in dem er selbst keinerlei Hausmacht hatte. Die Parteien blieben auf dieser Seite des politischen Spektrums zwar als zentrale Akteure präsent, trauten sich aber ihrerseits nicht, sich mit einem„eigenen“ Gesicht den Wählern zu stellen. Prodi gewann die Wahlen 1996, war im Parlament jedoch auf die Stützung der Kommunisten angewiesen, die ihrerseits weder dem Ulivo-Bündnis noch der Regierungskoalition angehörten. Erneut wurden politische Nachrufe auf Silvio Berlusconi verfasst, denen zu entnehmen war, dass der Medienunternehmer seinen Ausflug in die Politik nun wohl endgültig beenden werden müsse, allein schon, weil seine Partner in der Rechtsallianz den Unternehmer mit seiner Privatpartei in Zukunft kaum mehr als Spitzenkandidaten akzeptieren würden. Zunächst aber scheiterte Prodi als Ministerpräsident. Er durfte zwar als großen politischen Erfolg verbuchen, dass es ihm gelungen war, Italien in die Gründungsgruppe des Euro zu führen. 1998 dann scheiterte er jedoch am Konflikt mit den Kommunisten – vor allem aber daran, dass seine„Arbeitgeber“, die Linksdemokraten unter Massimo D’Alema und der PPI, glaubten, auf die weiteren Dienste des Regierungschefs ohne eigene Partei verzichten zu können. D’Alema übernahm das Amt des Ministerpräsidenten, während Prodi im folgenden Jahr als EUKommissionspräsident nach Brüssel weggelobt wurde. Und nun wurde er zum Gegenstand politischer Nachrufe, die auf der Linken mit seinem Sturz die
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