12 Prodi setzt aus diesem Grund weiterhin vor allem auf das Projekt einer Demokratischen Partei. Seit den Wahlen erscheint dieses Projekt nicht zuletzt deshalb realistisch, weil es relativ erfolgreich war: Die gemeinsame„Ölbaumliste“ aus DS und Margherita erreichte im Abgeordnetenhaus 31,3% Wiederholung von Seite 9, während die Summe der beiden separaten Listen von DS und Margherita im Senat nur 28,2% ergibt. Eine neue Partei würde erstens zu einer bei weitem größten Mitte-Links-Partei mit 30-35% führen; sie würde zweitens das Problem der Dauerrivalität zwischen DS und Margherita lösen; und sie würde drittens dem bisher parteilosen Prodi endlich eine politische Heimat verschaffen. Bisher wollen zwar sowohl die Parteiführungen als auch Prodi dieses Projekt – hinter diesem Willen steht aber eher kühles politisches Kalkül anstatt einer neuen politischen Identität und eines einigenden Gemeinschaftsgefühls nötigen politischen Passion. Im Oktober 2006 kam es zu einer ersten großen Konferenz der beiden Parteien in Orvieto. Dort einigten sie sich auf einen Fahrplan zur Parteigründung. In einem zweiten Schritt beschlossen die im April 2007 parallel abgehaltenen Parteitage der DS und der Margherita die Einleitung der„konstituierenden Phase“ für die Demokratische Partei, die mit der Wahl der Konstituierenden Versammlung voraussichtlich im Oktober 2007 angegangen werden soll. Im Jahr 2008 soll dann die eigentliche Parteineugründung erfolgen, damit bei den Wahlen zum Europäischen Parlament 2009 eine erste Kandidatur der Demokratischen Partei möglich wird. Offen ist aber weiterhin, in welcher Form das Projekt realisiert wird: Als„Föderation“ zwischen DS und Margherita, in der beide Parteien zunächst unter einem Dach fortexistieren, oder in der Form einer Fusion. Sicher ist aber eines: Ein Scheitern des Projektes wäre katastrophal, da Ministerpräsident Romano Prodi genauso wie die Führungen der beiden Parteien die Neugründung zur strategischen Voraussetzung der Zukunftsfähigkeit der Koalition erklärt haben. Im Falle eines Misserfolges müssten sie mit einem kaum gutzumachenden Verlust ihrer politischen Glaubwürdigkeit leben. Sicher ist jedoch auch, dass das Gründungsprojekt noch große Hürden zu überwinden hat. Diese beginnen bei der Frage der internationalen Zugehörigkeit der Partei. Die Linksdemokraten gehören der Sozialistischen Internationale(SI) und der SozialdemoFES-Analyse: Italien kratischen Partei Europas(SPE) an. Ein Austritt aus diesen Organisationen würde von großen Teilen der Basis als Verrat an der eigenen Identität verstanden; in der Folge würden die Gegner der Demokratischen Partei weiteren Zulauf erhalten. Der DS-Vorsitzende Piero Fassino hat andererseits bisher immer erklärt, die neue Partei werde selbstverständlich in der Familie der Sozialistischen Parteien verbleiben. Führende Vertreter der Margherita dagegen – die ja oft genug eine christdemokratische Vergangenheit haben – bekundeten auch auf ihrem Parteitag im April 2007, sie könnten sich keinesfalls vorstellen, auf dem Umweg der internationalen Zugehörigkeit zu Sozialisten zu mutieren. Weitere große Probleme entstehen auf dem Feld der politischen Identität. In der Margherita beziehen zahlreiche Politiker offen klerikale Positionen und machen aus ihrer Nähe selbst zu Organisationen wie dem Opus Dei keinen Hehl. Diese Politiker, die sich zum sogenannten„Teo-Dem“-Flügel der vatikantreuen Demokraten zusammengeschlossen haben, reagieren mit großer Aggressivität auf Vorschläge etwa zur Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften – und sind für die Anhänger der DS ein rotes Tuch. Bei den Linksdemokraten hatte sich vor diesem Hintergrund breiter innerparteilicher Widerstand gegen das Projekt formiert. Der linke Parteiflügel(mit etwa 15% der Mitglieder) lehnte den Zusammenschluss rundheraus ab. Schon der Beschluss, die DS in die Demokratische Partei überzuführen, hatte schließlich auf dem Parteitag im April zum Auszug der linken Minderheit ebenso wie einiger Skeptiker auch aus der Parteimitte geführt. In der Folge konstituierte sich diese Minderheit als„Sinistra Democratica“(SD) –„Demokratische Linke“ – und erklärte, statt der Gründung einer Demokratischen Partei müsse das Ziel die Zusammenführung der versprengten linken Kräfte in der ProdiKoalition sein. Zu der abgespaltenen Gruppierung unter Führung von Wissenschaftsminister Fabio Mussi zählen 21 Abgeordnete und 12 Senatoren, die mittlerweile eigene Fraktionen bildeten. Die SD hat intensive Kontakte einerseits zu der Kleinpartei der Sozialisten, andererseits zu den beiden Kommunistischen Parteien in der Prodi-Allianz geknüpft. Dies markiert ihren politischen Widerspruch: Einerseits erklärt die SD, sie sei beim Projekt der Demokratischen Partei nicht dabei, weil diese Neuschöpfung automatisch den Bruch mit der internationalen Familie der Sozialistischen und Sozialdemokratischen Parteien mit sich
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