Illustriertes Unterhaltungsblatt ] zer Altmeister lSchest«. Darüber wäien wir allo kon» tent. Ru will'ch Ihnen was sagen. Grete. Sie uno tch. wir iinb alle zwei zu gulaiäubia ye» wesen. Geschehen ist geschehen. Das Cime» lieren Hintennach hat keinen Wert. Achtund- zwanzig Jahr Hab ich hier mein Mannwerk getan Wie man's anpackt, hat man'» In Händen,'s müfrt sonderbar zugehen, wenn ich das Krümchen nicht wieder in Ordnung bröchtt" Es kam in Ordnung. Don dem Tag an, daß Rühlmann die weiße Schürze umband und sein Handwerk im alten Geleise trieb, war das Bcrlrouen zum Kelchäst wieder- hergestellt. Im Laden war ein Begrüßen und Händeschütteln, daß der Meister nur immer zu danken hatte. Die Frau Hofrat Bender, die als lässige Zahlcrin bekannt war. rauschte herein: Wie Sie hier waren. Herr Rühlmann, hatte ich keine Veranlassung, zu klagen. Bei Ihrem Nachfolger war die Bedienung geradezu skandalös. Das wird sich nun hoffentlich andern!* Der Ratsdiener Dauber, mit einer Miene, als ob er kein Wässerchen trüben könne, hielt eine kleine Rede. Wissen Sie, was ich gesagt Hab. Met- ster, wie Sie sortgegangen waren?Dem Herr Rühlmann sein Weggang ist ein Der- lust für unsere Stadtl*Als Steuerzahleri* weinte einerNein.* sagt' ich,als Meß- ger und Mensch. Er war ein Ehrenmann durch und durch. Warf Ja und Nein nicht in einen Topf. In seinem Handwerk war er obenan. Es ist nicht olles Wurst, was als Wurst verkauft wird. Wurstmachen ist auch eine Kunst. Der Herr Rühlmann verstand'». Und was ich besonders an ihm schätzte, er hatte eine noble Natur, gab, denen er'» gönnte!* So sagt' ich. Jetzt ist in der Stadt nur eine Stimme: die Leute freuen sich, daß Sie wiedergekommen sind. Der Zulauf deweist'sl* Grete, die hinter dem Ladentisch ihr« Schuldigkeit tat, hörte das alles mit an. Noch gingen die bösen Zungen im Galopp., fRoarnn von Alfred Bort Den Fall gesetzt. Rühlmann wog ihr die Stelle mit Gold aus. Grete hätte nicht bleiben dürfen. Wenn sie als frühere Met- stersfrau so wenig aus Stand und Reputier- lichkeit hielt, tonnt« man keinen Respekt vor ihr haben. Was plante sie? Vielleicht wollte sie den Altmeister fangen. Möglich auch, daß sie noch auf den Buchbinder spe- kulierte Es war alles schon dagewesen. Ludwig Ibold wurde nicht minder ver- hackt. Gericht hin, Gericht her. Es war keine Seele dabei, wie er und Gönder an- einander gerieten. Der alte Liebhaber und der elfersüchtige Ehemann, wie rasch ward da ein Fünkchen zur Flamme! Der Stärkste fand seinen Meister, wenn er angetrunken war. Und der Goliath hatte schief geladen. Das hatten die Rainröder bezeugt. Ob ihm der Buchbinder den tödlichen Stich gegeben, das mußte der mit seinem Gewissen ab- machen. Derlei lästerliche« Gerede wurde sogar in diePost*'getragen, so daß der Herr Ge- heimrat Schönborn sich bemüßigt sah. vom Etammtifch au» zu erklären, und zwar so laut, daß es da» ganze Lokal durchhallte: Man wird den Ehrabschneidern die Mäuler stopfen! Wer wider besseres Wisien in Beziehung auf einen andern unwahr« Tatsachen behauptet, die diesen verächtlich machen und in der öffentlichen Meinung herabfetzen, wird wegen verleumderischer Beleidigung mit Gefängnis bis zu zwei Jahren bestraft. Das merke man sichl* Der Herr Geheimrat Schönborn war ein Mann, der da» größte Ansehen genoß. Seine Worte verfehlten ihre Wirkung nicht. Der große Strom des Stadtklatsches schwoll ab: im geheimen aber liefen die trüben Bächlein weiter. Der Altmeister machte von Gretes Ein- richtu.tg keinen Gebrauch. Zwei Zimmer. die er in Anspruch nahm, stattete er mit seinem eigenen Hausrat aus. Den hatte eine Fuhre von Nidda gebracht. Was er besaß, war ihm vom Vater und Großvater zugefallen und gehörte zu seinem Wohlde- finden. Er war kein Wirtshausläufer. War da» Geschäft geschlossen, las er die Zeitung oder allerlei Bücher, die er bei einem Anti- quar erstanden. Grete hatte sich abends nach Tisch in Ihr« Stube zurückgezogen. Der Altmeister holt« sie herüber und zeigte Ihr seine. Schätze: einen schön gemaserten Sekretär, einen Schrank mit geheimem Fach und eine zier« liche Truhe, olles im Geschmack der Bieder- mcierzeit Der Altmeister, schwelgte In Familien­erinnerungen. Ein wenig von seiner be< haglichen Stimmung ging aus Grete über. War sie aber ollein, kamen die Gedanken in schwarzen Schwärmen, und eine große Ver« zagtheit fiel sie an. Ihre Schulkamerodin, Else Räber, hatte geschrieben, ein Freund ihres Mannes, der Gutspächter Martini in Vilbel , habe feine Frau verloren und suche eine Stütze. Grete solle sofort kommen, sich dem Herrn vorzustellen. Es feien zwei nette Buben da von sieben und neun Jahren. Martini stehe sich gut. Bei ihm fei Grete am rechten Platz. Sie hatte«inen ablehnen« den Bescheid gegeben. Wenn Rühlmann sie in seinem Dienst behielt, hatte sie nicht das Recht, sich anderwärts um eine Stell«> zu bewerben. Nie ließ er sie merken, daß sie seine Schuldnerin war. Sah sie. wie er sein Geschäft führte, fand sie verwirklicht, was sie Theobald immer und immer ge- predigt halle:Treib's klein und reini* Rühlmann tat's. Daß er gut verdiente, j lag auf der Hand. Nach den Schreckenstagcn kam sie jetzt erst zu Atem und zur vollen Erkenntnis ihr«r Lage. Sie hatte nicht mehr fo viel, daß sie den Fuß darauf setzen konnte. Daß es ihr einmal so gehen würde, war ihr nicht an der Wiege gesungen wor« den. Wüßt's ihr Vater, sein Staub würde sich unter der Erde wenden. Alles Gewinn« süchttge hatte ihm ferngelegen. Daß er aus Not nichts zu entbehren braucht«, daß er mit dem Seinen frei schalten und wallen durfte, hatte er als Geschenk von oben be- trachtet Auch seiner Tochter war das Geld nicht ans Herz gewachsen. Und doch, daß sie fortan nicht mehr aus dem eignen Brunnen fchöpfen sollte, schnitt che arg in» Leben i Der Altmeister, der Immer ka seinem Schöpfer vergnügt war, sprach:Geschehen ist geschehen, das Sim:l!eren hintennach hat keinen Wert.* Er hatte gut reden. Was st« J