4 FAZIT Das Projekt diskutierte in insgesamt vier Workshops grundlegende Fragen zur Systematik der MwSt. sowie zu konkreten Reformoptionen anhand von drei Produktgruppen. Dabei standen fiskalische, soziale und ökologische Auswirkungen ebenso im Fokus wie mögliche Zielkonflikte und die Frage einer politischen Erzählung für die zukünftige Gestaltung der Mehrwertsteuer. Ziel war es, bestehende Herausforderungen zu analysieren, Potenziale einer Reform herauszuarbeiten und Lösungsansätze für eine konsistente und sozial gerechte Mehrwertsteuerpolitik aufzuzeigen. Die Diskussionen in den Workshops führten zu vier Thesen für Reformen hin zu einer sozial-ökologischen Mehrwertsteuer. 1. Es gibt wenig Appetit für ein komplexes Mehrwertsteuersystem Ein komplexes System mit vielen Mehrwertsteuersätzen wurde überwiegend als ineffizient und intransparent bewertet. Geringe Unterschiede zwischen den Steuersätzen bieten kaum Signalwirkung und schaffen unnötige Komplexität. Vorschläge wie die steuerliche Befreiung bestimmter pflanzlicher Grundnahrungsmittel wurden jedoch positiv diskutiert. 2. Ermäßigte Mehrwertsteuersätze sollten für Grundbedarfe und gesellschaftlich erwünschte Investitionen in Betracht gezogen werden Ermäßigte Steuersätze sollten sich auf wesentliche Güter des Grundbedarfs konzentrieren – allen voran pflanzliche und gesunde Lebensmittel. Diskutiert werden sollten sie für gesellschaftlich erwünschte private Investitionen(Gebäudedämmung, klimaneutrale Heizungen etc.), wenn sie einen Mehrwert über andere Förderinstrumente hinaus leisten. 3. Verteilungswirkungen als Schlüssel für politische Mehrheitsfähigkeit Die Teilnehmenden waren sich weitgehend einig, dass Entlastungen durch ermäßigte Steuersätze vor allem bei Menschen mit niedrigem Einkommen ankommen sollten, da diese prozentual mehr für Grundbedarfe wie Lebensmittel und Energie ausgeben. Gleichzeitig wurde die Sorge geäußert, dass Reformen, die etwa pflanzliche Lebensmittel begünstigen, einkommensstärkere Haushalte überproportional entlasten könnten. Eine Steuererhöhung auf Fleisch im Rahmen einer Reform der MwSt. auf Lebensmittel ist politisch umstritten, weil sie einige Teile der Gesellschaft mit unterdurchschnittlichen Einkommen belasten und die Akzeptanz für die Reform gefährden würde. 4. Die Mehrwertsteuer ist selten das„beste“ Lenkungsinstrument, sollte aber konsistent sein und zusammen mit anderen Instrumenten lenken Die MwSt. sollte konsistent gestaltet sein, um andere politische Ziele nicht zu untergraben. Trotz ihrer begrenzten Lenkungswirkung im Vergleich zu anderen Instrumenten kann sie Signale setzen und umweltfreundliche und sozial gerechte Konsum- und Investitionsentscheidungen fördern. Es wurde deutlich, dass die MwSt. vor allem im Zusammenspiel mit anderen Instrumenten(Förderprogrammen, Informationskampagnen, Labels etc.) ihre Lenkungswirkung entfaltet. Zusammenfassend zeigt das Projekt, dass eine erfolgreiche Reform der MwSt. auf eine Balance zwischen fiskalischen, sozialen und ökologischen Zielen ausgerichtet sein muss. Die Ausgestaltung der Steuersätze sollte dabei so einfach und transparent wie möglich gehalten werden, um Akzeptanz und Wirksamkeit zu gewährleisten. Gleichzeitig müssen die sozialen Auswirkungen besonders berücksichtigt werden, um eine gerechte Verteilung der Steuerlast zu gewährleisten. Schließlich ist eine klare und konsistente Kommunikation der Reform essenziell, um eine breite gesellschaftliche Unterstützung zu sichern und nachhaltige Konsum- und Investitionsentscheidungen zu fördern. 18 GERECHTE PREISE FÜR EINE NACHHALTIGE ZUKUNFT DEZEMBER 2024 FES diskurs
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Gerechte Preise für eine nachhaltige Zukunft : vier Thesen zur Reform der Mehrwertsteuer
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