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Wohlstand für alle! : sind niedrigere Unternehmenssteuern die Lösung oder Teil des Problems?
Entstehung
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2. Die Wirkung von Steuersenkungen Nach mehreren Steuersenkungen in anderen EU- und OECD-Ländern lag Deutschland im Jahr 2024 mit einem nominalen Unternehmenssteuersatz von rund 30 Prozent 2,8 Prozentpunkte über dem Durchschnitt der G7-Staaten. Der effektive Steuersatz für Investitionen unter Berück­sichtigung beschleunigter Abschreibungen und anderer Maßnahmen lag laut Vergleichsrechnung der OECD bei 26,6  Prozent(OECD 2024a). Damit bewegt sich Deutsch­land im internationalen Vergleich im oberen Mittelfeld. Die jüngst beschlossenen Steuersenkungen widersprechen al­lerdings einem internationalen Trend: Im Jahr 2023 haben laut OECD erstmals mehr Staaten ihre Unternehmenssteu­ern erhöht statt gesenkt(seit 2015) darunter viele EU­Länder, die auf gezielte Investitionsanreize setzen statt auf pauschale Entlastungen(OECD 2024b). Die Steuersenkun­gen in Deutschland bergen damit die Gefahr, den schädli­chen Unterbietungswettbewerb neu zu entfachen. Das betriebswirtschaftlich einleuchtende Argument, dass niedrigere Steuern zu höheren Renditen führen und damit die Attraktivität von Investitionen steigern, lässt sich nicht ohne Weiteres auf die volkswirtschaftliche Entwicklung übertragen. Unternehmenssteuersenkungen können Inves­titionen, Produktivität und Wachstum über verschiedene Wirkungsmechanismen sowohl positiv als auch negativ be­einflussen. Betriebswirtschaftlich betrachtet reduzieren Steuersenkun­gen die Kapitalkosten und verbessern die Nettorendite von Investitionen. Das kann zu höheren Investitionen und da­durch zu Produktivitätssteigerungen führen sowie Kapital­zuflüsse aus dem Ausland steigern(Djankov et al. 2010; Ferede/Dahlby 2012). Steuern sind dabei allerdings nur ei­ner von vielen Faktoren für die Investitionsentscheidung. Außerdem können sinkende Unternehmenssteuern bei­spielsweise auch den Markteintritt erleichtern, was zu stei­gendem Wettbewerb und damit zu geringeren Gewinnmar­gen führt und damit die Investitionsbereitschaft sogar dämpfen kann(Chen at al. 2017; Ferraro et al. 2020). Aus volkswirtschaftlicher Sicht hängt die Wirkung von Steuersenkungen aber ganz entscheidend von deren Ge­genfinanzierung ab: Werden Unternehmenssteuersenkun­gen etwa durch höhere Abgaben auf Arbeit oder durch Kürzungen bei öffentlichen Investitionen(z. B. Bildung, In­frastruktur, Forschung) kompensiert, können die gesamt­wirtschaftlichen Effekte gering oder sogar negativ ausfal­len(Aghion et al. 2013). Abb. 1 Entwicklung der Investitionsquote in Prozent des BIP Bruttoanlageinvestitionen insgesamt Quelle: Destatis 2025a. Sektor Staat 6 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. nichtstaatliche Sektoren