Fazit: Unternehmenssteuersenkung durch Milliardärsteuer begleiten Das deutsche Grundgesetz schützt Eigentum unter der Bedingung, dass es dem„Wohle der Allgemeinheit“ dient. Die Steuerpolitik der vergangenen 30 Jahre fördert das Wachstum sehr großer Vermögen, indem sie die Steuern auf einbehaltene Unternehmensgewinne etwa halbiert hat, in der Hoffnung, Investitionen zu erhöhen und Arbeitsplätze zu schaffen. Die Frage, ob diese Bedingungen und Hoffnungen erfüllt wurden, wird bisher unzureichend untersucht. Unsere Analyse legt nicht nur offen, dass aktuelle Studien und Daten den erhofften Effekt der Steuersenkungen nicht feststellen können, sondern zeigt anhand konkreter Beispiele auch warum. 1. Unternehmenssteuersenkungen sind schlecht für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und unter Umständen sogar schlecht für Wachstum und Arbeitsplätze. Quantitative Analysen weltweit und für Deutschland zeigen, dass Unternehmenssteuersenkungen nur einen geringen Effekt auf Wachstum, Investitionen und Arbeitsplätze haben. Rechnet man die Konsequenzen wie sinkende Staatsausgaben oder steigende Steuern auf Konsum oder Arbeit mit ein, wird der Effekt oft sogar negativ. Dafür führt die Steuersenkung fast immer zu steigender Ungleichheit, weil sie vor allem den profitabelsten Unternehmen und den reichsten Eigentümer_innen zugutekommt. Trotzdem hat die aktuelle Bundesregierung weitere Steuersenkungen beschlossen. 2. Die fünf größten deutschen Vermögen haben von den Steuersenkungen der vergangenen Jahrzehnte massiv profitiert, ihr Vermögen aber nicht ausreichend für das Wohl der Allgemeinheit und die Schaffung von Arbeitsplätzen verwendet. Die qualitativen Fallstudien zu den größten deutschen Vermögen helfen, die kausalen Zusammenhänge und den Wirkmechanismus für die niedrige Korrelation von Steuersenkungen zu identifizieren, und bilden eine gute Grundlage für weitere Analysen. Gleichzeitig zeigen sie aber auch den durchaus großen Handlungsbedarf in Bezug auf die Transparenz. a. Die Rechenschaftspflicht für große Vermögen hat große Lücken: Die zentrale öffentliche und wissenschaftliche Quelle zu großen Vermögen sind journalistische Reichenlisten. Sie erfassen aber nur einen Teil der Vermögen und unterschätzen das Vermögenswachstum. Die Überprüfung der Vermögensverwendung im Sinne der Gemeinwohlverpflichtung im Grundgesetz und die Analyse zum Beitrag für Investitionen und Arbeitsplätze scheitert zu großen Teilen an der Transparenz. Ein großer Teil der Vermögen ist anhand öffentlicher Daten überhaupt nicht nachvollziehbar, weil Finanz- und Immobilienvermögen jenseits der großen Unternehmensbeteiligungen nicht erfasst werden. Auch bei den Geschäftsberichten der Unternehmen gibt es große Transparenzlücken in Bezug auf die Aktivitäten in Deutschland. b. Die Vermögen erwirtschaften sehr hohe Erträge, werden aber nicht ausreichend besteuert: Alle fünf Vermögen erwirtschaften Einkommen von 1 bis zu 10 Milliarden Euro pro Jahr. Der größte Teil dieser Einkommen wird steuerbegünstigt angespart. Dadurch werden sie lediglich auf Ebene der Unternehmen besteuert, hier liegt der effektive Steuersatz in den meisten Fällen bei etwa 30 Prozent. Im Vergleich zu 1996 hat er sich in etwa halbiert. BMW und die Geschwister Quandt und Klatten haben durch die Steuersenkungen z. B. etwa 50 Milliarden Euro gespart. c. Die Steuerersparnis wurde nicht ausreichend in die Schaffung von deutschen Arbeitsplätzen und in nachhaltiges Wachstum investiert: Ein wesentlicher Teil der steuerbegünstigt angesparten Gewinne ist ins Ausland und in passive Finanzanlagen geflossen – entweder indem sie an Vermögensverwaltungsgesellschaften ausgeschüttet wurden oder indem das operativ tätige Unternehmen passive Finanzanlagen gekauft hat. Nur ein kleiner Teil der sehr großen Gewinnrücklagen wurde in die operative Tätigkeit der Unternehmen in Deutschland investiert. Die zusätzlichen Arbeitsplätze waren teuer erkauft. Selbst in den Fällen, wo im Unternehmen investiert wurde, ist aber nicht klar, ob das im Sinne eines zukunftsfähigen Wachstums war oder nur den Status quo verfestigt hat. So hat BMW trotz einbehaltener Gewinne von über 80 Milliarden Euro seinen Marktwert nur um 30 bis 40 Milliarden Euro gesteigert. 3. Reiche Ankeraktionär_innen sind für den Unternehmenserfolg nicht entscheidend: Der Vergleich von BMW und Mercedes legt die Vermutung nahe, dass deutsche Milliardär_innen als private Ankeraktionär_ innen nur einen unwesentlichen Einfluss auf Strategie und Unternehmenserfolg haben. Die BMW-Erb_innen hätten eine Milliardärsteuer in den vergangenen Jahren außerdem immer aus den ausgeschütteten Gewinnen zahlen können. Wohlstand für alle! 25
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Wohlstand für alle! : sind niedrigere Unternehmenssteuern die Lösung oder Teil des Problems?
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