Struktur und Transparenz der fünf größten Vermögen in Mrd. Euro QUANDT/ KLATTEN SCHWARZ BOEHRINGER/ V. BAUMBACH Vermögen 34,4 43,7 n. v. (Manager Magazin 2024) Vermögen (Forbes 2025) 45,2 36,5 74,8 geschätztes Vermögen 50–70 30–70 60–90 Anteil börsennotiertes Vermögen 50 % 0 % 0 % Anteil des Vermögens ohne öffentliche Information 40–50 % 20–30 % 10–20 % Quelle: eigene Schätzung, weitere Details im Online-Annex. KÜHNE 29,0 37,8 30–50 50 % 50 % Tab. 3 WÜRTH 13,1 32,4 15–20 0 % 10–20 % sammen(z. B. Reinhold Würth und Familie), trennt die Familienstämme danach aber auf(z. B. Susanne Klatten und Stefan Quandt). Die vermutlich reichste Familie Deutschlands – die Eigentümer_innen von Boehringer Ingelheim – fehlte bisher in beiden Listen. In der Forbes-Liste für 2025 finden sich die 15 Familienmitglieder in separaten Einträgen. Auch bei den Vermögensschätzungen gibt es wesentliche Unterschiede, die sich nur zum Teil aus dem unterschiedlichen Stichtag(März bzw. September) erklären und anhand öffentlicher Unterlagen nur begrenzt nachvollziehen lassen. Die für die weitere Analyse gewählten fünf Familien repräsentieren die in der Gesamtschau beider Listen vermutlich größten Vermögen. Das in Kapitel 3.4 vertieft analysierte Vermögen der BMW-Erb_innen wurde aufgrund der vergleichsweise guten Datenverfügbarkeit(sowohl historisch als auch in Bezug auf die geografische Abgrenzung) sowie der Bedeutung der Autoindustrie für die Debatte über den deutschen Wirtschaftsstandort gewählt. Darüber hinaus gibt es zu diesem Fallbeispiel mit Mercedes-Benz ein Unternehmen, was sich wegen der großen Ähnlichkeit bei den zentralen Kennzahlen und der Geschäftsstrategie auf der einen und der unterschiedlichen Eigentümerstruktur auf der anderen Seite gut für einen Vergleich und für eine Analyse zur Rolle der Ankeraktionär_innen eignet(vgl. Kapitel 3.4.4). Eine so umfassende Fallanalyse wird nur für einen kleinen Teil der Milliardenvermögen möglich sein, und nur ein Teil der Ergebnisse lässt sich deswegen vergleichen und extrapolieren. Das Beispiel ist dafür aber besonders gut geeignet, um mögliche Wirkmechanismen zu beschreiben. 3.2 Fragestellungen Für die fünf beispielhaft ausgewählten Vermögen bewertet das folgende Kapitel a) wie transparent über die Mittelverwendung berichtet wird und inwiefern sich damit die Wirkung der Steuersenkung für das jeweilige Vermögen nachvollziehen lässt, b) welchen Einfluss die Steuersenkungen der letzten Jahrzehnte auf den effektiven Steuersatz und das Vermögenswachstum hatten und c) inwieweit sich positive Effekte auf Wachstum, Investitionen und Arbeitsplätze feststellen lassen. Insbesondere die letztere Frage wird am vertieften Fallbeispiel der BMW Erb_innen detaillierter untersucht. Ergänzend dazu untersucht die Studie mit dem Vergleich zwischen BMW und Mercedes-Benz, ob aus einer veränderten Eigentümerstruktur – z. B. durch den Verkauf von Anteilen als Folge einer Vermögensteuer für die Eigentümer_innen – negative Effekte auf das Unternehmen zu erwarten wären. So sollen zum einen mögliche Wirkmechanismen von Unternehmenssteuersenkungen analysiert, die Eignung von qualitativen Fallstudien für die Analyse dieser Mechanismen getestet und mögliche Vorgehensweisen und Hindernisse dabei identifiziert werden. 3.3 Die Ergebnisse zu den fünf Fallbeispielen im Überblick 3.3.1 Vermögenshöhe und-struktur sowie Transparenz Die Reichenlisten von Manager Magazin und Forbes nutzen unterschiedliche Methoden, um das Vermögen zu schätzen, und veröffentlichen die zugrundeliegenden Daten und methodischen Annahmen nicht. Das Manager Magazin beruft sich nach eigenen Angaben vor allem auf öffentlich dokumentiertes Vermögen und schätzt den Wert anhand branchentypischer Multiplikatoren – also basierend auf den Werten vergleichbarer börsennotierter Unternehmen als Vielfaches des Umsatzes oder Gewinns – eher konservativ. Nach eigener Darstellung werden zusätzlich in Einzelfällen auch ausgeschüttete Dividenden und Verkaufserlöse mit einbezogen. Forbes schätzt nach eigenen Angaben auch die Entwicklung von nicht öffentlich dokumentiertem Vermögen und nimmt dafür an, dass ausgeWohlstand für alle! 13
Druckschrift
Wohlstand für alle! : sind niedrigere Unternehmenssteuern die Lösung oder Teil des Problems?
Entstehung
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten