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Wohlstand für alle! : sind niedrigere Unternehmenssteuern die Lösung oder Teil des Problems?
Entstehung
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Entwicklung des Vermögenssaldos* mit dem Ausland Abb. 3 in Mio. Euro * Saldo aus finanziellen Aktiva und Passiva aller Sektoren gegenüber dem Ausland. Quelle: Deutsche Bundesbank 2025. Schließlich gibt der Blick auf den Finanzierungssaldo der nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften(also den Unterneh­menssektor) eine mögliche Erklärung für die ausbleibende Investitionszunahme in Deutschland: Statt der Nettoinves­titionen in Deutschland ist demnach vor allem der Finan­zierungssaldo gegenüber dem Ausland gestiegen, also Ka­pital dorthin abgeflossen(siehe Abbildung 3). Eine Analyse für die Jahre 1950 bis 2017 zeigt, dass Deutschland auch beim Kapitalexport Weltmeister ist: Kein anderes Land in­vestiert so viel im Ausland wie die Bundesrepublik. Gleich­zeitig liegen aber die Renditen der deutschen Auslandsin­vestitionen zwei bis fünf Prozentpunkte unter denen ande­rer Länder und drei Prozentpunkte unter den Investitionen im Inland. Die Diversifikation in Bezug auf wirtschaftliche und demografische Risiken ist ebenfalls gering. Die For­scher_innen sprechen deswegen auch vom dummen deut­schen Geld(vgl. z. B. Hünnekes et al. 2019). 2.2 Der Zusammenhang von Steuersenkungen und Wachstum Die Tatsache, dass sich aus den Daten zu Wirtschafts­wachstum und Investitionen nach den Steuersenkungen aus den Jahren 2001 und 2008 kein positiver Zusammen­hang ablesen lässt, deckt sich mit der aktuellen empiri­schen Forschung. Eine Metaanalyse von 441 Schätzungen aus 42 Primärstudien unterschiedlicher Länder findet ebenfalls keine signifikanten Effekte von Unternehmens­steuersenkungen auf Wirtschaftswachstum, Investitionen und Beschäftigung. Im Durchschnitt aller Schätzungen würde eine Körperschaftsteuersenkung um zehn Prozent­punkte demnach trotz der extrem hohen Kosten einer sol­chen Senkung das jährliche BIP-Wachstum um nur 0,2 Prozentpunkte erhöhen. Werden mögliche Publikations­verzerrungen berücksichtigt(das heißt, die Tendenz, dass Studien mit signifikanten Pro-Steuersenkungs-Ergebnissen eher veröffentlicht werden), verschwindet selbst dieser moderate Effekt. Mit anderen Worten: Unternehmenssteu­ersenkungen zeigen bereinigt um Verzerrungen im Mittel keinen nachweisbaren Effekt auf das Wachstum (Gechert/Heimberger 2022). Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch ein Team aus Top-Ökonom_innen aus den USA(Bajardi 2019). Im Unterschied zu früheren OECD-Analysen, denen zufol­ge Unternehmenssteuern zu den wachstumsschädlichsten Abgaben zählen etwa im Vergleich zu Konsum- oder Grundsteuern, kommen neuere Untersuchungen also zu gegensätzlichen Befunden: Pauschale Steuersatzsenkun­gen gelten heute als teuer und ineffizient. Der Einfluss des Unternehmenssteuersatzes auf das Wachstum fällt demnach insgesamt gering aus und hat sich seit der Fi­nanzkrise 2008/09 weiter abgeschwächt. Einzelne Schät­zungen belegen sogar: In bestimmten Fällen gingen sin­kende Steuersätze mit rückläufigen Investitionen einher, obwohl für andere Einflussfaktoren kontrolliert wurde. Langfristiges Wachstum wird inzwischen stärker durch In­novation, Wissenstransfers und institutionelle Rahmenbe­dingungen getragen als durch zusätzliche Kapitalakkumu­lation. Als wirksamere Instrumente gelten gezielte Ab­schreibungsregeln, die in den Analysen nach wie vor positive Investitionsanreize zeigen(Eichfelder et al. 2022; Hanappi et al. 2023; International Monetary Fund 2024), sowie Maßnahmen, die die Nachfrage erhöhen, z. B. staat­liche Investitionen oder auch Steuersenkungen für Konsu­ment_innen. Wie wichtig der Blick auf die Wechselwirkun­gen zwischen verschiedenen Steuern ist und dass genau diese in vielen bisherigen Modellen und ökonometrischen Analysen unzureichend erfasst wurden, zeigen Kawano et al.(2025) in ihrer Studie. So wird z. B. deutlich, dass eine durch Erhöhung der indirekten Steuern finanzierte Unter­nehmenssteuersenkung keine messbaren positiven Wachstumseffekte hat. 8 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.