FES-Analyse: Die Türkei 2003 Größe und ihres Entwicklungsstandes seit über einem Jahrzehnt zu wenig ausländisches Investitionskapital an. Die Ursache hierfür ist weniger in dem ungeklärten Verhältnis zur EU zu suchen als viel mehr in der abschreckenden Wirkung der staatlichen Bürokratie. Trotz zahlloser Versuche der verschiedenen Regierungen ist es immer noch nicht gelungen, in den zuständigen Ämtern und Behörden ein Verhalten zu bewirken, bei dem ausländische Investoren sich uneingeschränkt willkommen fühlen. Auch die neue Regierung hat entsprechende Maßnahmen zur Förderung der ADI angekündigt. Man wird sehen, was daraus wird. Aussichten Es ist gegenwärtig noch nicht abzusehen, ob die Türkei den Prozess der Erholung fortsetzen und in einen nachhaltigen Aufschwung einmünden lassen kann. Ohne eine nachhaltige Stärkung der nationalen Produktionsbasis und der Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit könnte auch der jetzige Erholungsprozess wieder nur der Vorläufer einer neuen Krise sein. Zentral ist die Überwindung der Abhängigkeit in der Wirtschaftsentwicklung vom Zustrom kurzfristigen ausländischen Finanzkapitals wie sie für die 90er Jahre typisch war. Der wirtschaftspolitische Erfolg der AKPRegierung hängt im Jahr 2003 jedoch weniger von den eigenen wirtschaftspolitischen Konzepten und Maßnahmen ab als von durch die Türkei nur wenig beeinflussbaren externen politischen Entwicklungen. Das gilt vorrangig für die Frage, ob es zu einem neuen Irakkrieg kommt und wie dieser verläuft. Ein kurzer Krieg mit einer anschließenden relativ raschen Stabilisierung der Situation im Irak postSaddam wäre das günstigste Szenario. Es käme 15 zwar, vor allem wegen des Anstiegs der Ölpreise, vorübergehend zu deutlichen Beeinträchtigungen für die türkische Wirtschaft, doch könnte die nachfolgende Normalisierung die Fortsetzung des Konsolidierungskurses ermöglichen. Mittelfristig dürfte die türkische Wirtschaft von einer Stabilisierung der Lage im und um den Irak erheblich profitieren, indem sie ihre alte Position als einer der wichtigsten regionalen Wirtschaftspartner wieder einnimmt. Insbesondere der Südosten des Landes könnte einen Wirtschaftsaufschwung erfahren, der zur weiteren Normalisierung der Lage in den türkischen Kurdengebieten beitragen kann. Jeder andere Verlauf, ein länger andauernder Krieg oder gar eine nach dem Sturz Saddams eintretende regionale Instabilität, hätte spürbare negative Folgen für die türkische Wirtschaft und könnte im Extremfall die bisherigen Sanierungsergebnisse zunichte machen. Das Tourismusgeschäft würde zusammenbrechen, ein anhaltend hoher Ölpreis würde nicht nur die Handelsbilanz beeinträchtigen, sondern ganz generell konjunkturdämpfend wirken. Die zu erwartende Beeinträchtigung der weltwirtschaftlichen Entwicklung würde diesen Effekt verstärken. Daran dürften auch verstärkte Finanzhilfen der USA oder ein neuer IWF-Kredit nur wenig ändern. Sie wären kein Ausgleich für die negativen politischen Rahmenbedingungen und könnten allenfalls helfen, einen neuen totalen Zusammenbruch der türkischen Wirtschaft wie im Frühjahr 2001 zu verhindern. Doch auch die weitere Entwicklung der Beziehungen zur EU nach dem eher enttäuschenden Ergebnis von Kopenhagen wird Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung in der Türkei haben. Gelangen die Wirtschaftsakteure zu der Überzeugung, dass der türkische Weg in die EU trotz aller europäischen Vorbehalte unumkehrbar ist, wird das ohne Zweifel positive Impulse für die Entwicklung haben. Setzt sich jedoch, womöglich durch das Ausbleiben
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