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Wege aus der Schuldenfalle : finanzpolitische Stabilität für Europa ; eine Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung am 26. November 2001 in Berlin
Entstehung
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17 2. Wege aus der Schuldenfalle: Finanzpolitik und Konsolidie­rung im Praxistest 2.1 Die Bundesrepublik Deutschland: Leitplanken für finanzpolitische Stabilität Caio K. Koch-Weser Staatssekretär, Bundesministerium der Finanzen, Berlin Der Zeitpunkt der Diskussion zum ThemaFinanzpolitik und Konsolidierung im Praxistest hätte von der Ebert-Stiftung nicht besser gewählt werden können. Es hat in der Tat hohe Aktualität und Brisanz gewonnen. Ich will jetzt hier kei­ne Schulnoten für mich in Anspruch nehmen, aber ich glaube, dass wir auf ei­nem guten Kurs sind. Seit der Jahreswende 2000/2001 haben wir eine ge­waltige weltwirtschaftliche Abkühlung erlebt. Bemerkenswert ist, dass diese Konjunkturabschwächung ungewöhnlich synchron stattfindet. Und dies hat in­zwischen auch massiv die deutsche Wirtschaft erreicht. Nach dem 11. Sep­tember kommt eine außergewöhnliche Ungewissheit und Unsicherheit auf­grund der Terroranschläge hinzu. Die Risikoaversionskurve hat sich dadurch stark verlagert. Wie kann und wie soll die Finanzpolitik mit diesen Zusatzbe­lastungen in Folge der konjunkturellen Eintrübung umgehen? Welche Konse­quenzen ergeben sich für die mittel- und langfristige finanzpolitische Strategie und unsere Verpflichtung aus dem Stabilitäts- und Wachstumspakt? Und wie erhöhen wir mittelfristig das Wachstumspotenzial und unseren Beitrag zum Wachstum in der Euro-Zone? Hierauf werde ich einige Antworten versuchen. Zunächst die Fakten. Noch im Frühjahr gingen die Wachstumsprojektionen der Bundesregierung und das im Einklang mit der Einschätzung der großen Wirtschaftsforschungsinstitute und dem Prognosespektrum internationaler Or­ganisationen von einem Anstieg des realen Bruttoinlandsproduktes(BIP) um zwei Prozent im Jahre 2001 mit einer leichten Beschleunigung auf etwa 2 ¼ Prozent in 2002 aus. Nun ist aufgrund der Faktoren, die ich ansprach, eine Korrektur der Wachstumserwartungen erforderlich geworden. Wir gehen jetzt von einem realen BIP-Wachstum wie Sie bereits wissen- in 2001 von nur noch rund einem ¾ Prozent aus und für 2002 sehen wir ein Wachstum von 1 ¼ Prozent. Wir gehen davon aus, dass das Durchschreiten der Talsohle in