Daniel Memmert Gedanken zu einem generationengerechten Bildungssystem Nicht nur die PISA-Studie zeigt, dass eine Ausdifferenzierung in verschiedene Schularten erst später im Bildungsprozess vorgenommen werden sollte. Zu vergleichbaren Ergebnissen gelangte bereits die TIMSS-Studie(Third International Mathematics and Science Study), 26 deren Aussagekraft (u. a. Validität und kulturelle Fairness der Tests) jedoch keine einhellige Zustimmung in Deutschland fand und z. T. kontrovers diskutiert wurde. 27 Einigkeit besteht darin, dass für ein hohes Bildungsniveau zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit von Menschen nicht nur einige wenige Talente 28 sondern insbesondere auch die Förderung eines breiten Fundamentes notwendig sind. Neunjährige Basisschulen bzw. Gesamtschulen, wie in Schweden und Finnland, könnten Abhilfe schaffen. In Schweden erreichen mit diesem System 70.6% Schüler die Hochschulreife, statt 28% in Deutschland, und dennoch erzielen mehr Lernende bessere Spitzenleistungen. Die TIMSS-Studie zeigt also, dass die frühzeitige Ausdifferenzierung in einzelne Schulformen die Leistungen der Schüler nicht erhöht. 29 Somit müsste auch nicht mehr das Abitur der Zugang zur Hochschule sein. Viele Universitäten in Deutschland nutzen daher bereits eigene Selbstauswahlverfahren. Besonderes Augenmerk muss auch der Integration ausländischer Schüler in unserem Schulsystem geschenkt werden(Beteiligungsdefizit), weil sich u. a. deren Anteil von 1991 bis 2000 um 13% auf 1.155318 erhöht hat. Bereits heute besuchen mehr als zwei Drittel nur die Hauptschule, ca. 20% verlassen sie sogar ohne Abschluss. 2.2.3 Forschung/Wissenschaft Inhaltlich gesehen basieren die Strukturen der Bildungspläne auf einem schulischen bzw. akademischen Fächerkanon, wie er sich in der Neuzeit herauskristallisiert hat. Darin werden weitestgehend starre Handlungsroutinen sowie einfache und komplexe spezifische Fertigkeiten gelehrt. Auf Grund schnellerer Umstellungsprozesse in der Arbeitswelt erscheint es ratsam, dass der schulische Fächerkanon, in dem oft„schmalspurakademisches Hobbywissen“ vermittelt wird, einem schüler- und gesellschaftsbezogenen Fächerkanon weicht. 30 Darin geht es um den Erwerb von Lebenswissen zu 26 vgl. Baumert, 2000; 09.01.2002, http://www.mpib-berlin.mpg.de/TIMSSII-Germany/index.htm; IEA, 09.01.2002, http://www.timss.mpg.de/ 27 contra Hagemeister, 1999 28 Einigkeit besteht darin, dass ihre Förderung äußerst sinnvoll ist, vgl. Hany/Nickel, 1992; Heller, 1992; Holling/Kanning, 1999; Rost, 1993 29 vgl. IEA, 09.01.2002, http://www.mpib-berlin.mpg.de/TIMSSII-Germany/index.htm; IEA, 09.01.2002, http://www.timss.mpg.de/ 30 vgl. Memmert, 1994, S. 1102 www.fes-online-akademie.de Seite 10 von 21
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Wie viel Bildung brauchen unsere Kinder in Zukunft? : Gedanken zu einem generationengerechten Bildungssystem
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