2 FES-Analyse: USA Eine neue Wirtschaftspolitik gegen die wirtschaftliche Schwäche In der zweiten Jahreshälfte 2006 steht die Wirtschaft in den USA an einem Scheideweg. Einem überdurchschnittlich hohen Wachstum im ersten Quartal folgte ein eher schwaches zweites Quartal. Im Sommer 2006 sprachen die ersten Analysten schon von der Möglichkeit einer Rezession in den folgenden 12 Monaten. Der Arbeitsmarkt, der schon seit Jahren nur mühsam vorankommt, zeigte erste Zeichen von Schwäche im Frühjahr 2006. Die Hauptgründe für die schwächere Wirtschaft waren ein Ende des Immobilienbooms, der die amerikanische Wirtschaft in den letzten Jahren vorangetrieben hatte, ein Ansteigen des Zinsniveaus, das die Kreditlasten von Firmen und privaten Haushalten in die Höhe trieb, eine zunehmende Zurückhaltung der Firmen bei Neuinvestitionen und ein sich ausweitendes Leistungsbilanzdefizit. Obwohl gute Gründe dafür sprechen, dass die amerikanische Wirtschaft an einer Rezession dieses Mal noch vorbeikommen könnte, sollten die Risikofaktoren nicht unberücksichtigt bleiben. Eine zielsichere und wohl durchdachte Wende in der amerikanischen Wirtschaftspolitik kann dabei helfen, die Risikofaktoren zu mindern. Dies erfordert jedoch, dass Entscheidungsträger der Einkommenspolitik größere Aufmerksamkeit als bisher schenken, dass die Budgetdefizite ernsthaft zurückgeführt werden, und dass die Reduktion des Leistungsbilanzdefizits in Angriff genommen wird. In der derzeitigen politischen Konstellation stellt sich die Verwirklichung dieser wirtschaftspolitischen Maßnahmen nicht nur als schwierig, sondern als unmöglich dar. Trotz der großen Zahl von Daten und Studien, die belegen, dass die massiven Steuersenkungen der letzten Jahre nicht den versprochenen Effekt hatten, setzt die US-Regierung ihr Steuersenkungsprogramm fort. Angesichts großer Budgetdefizite heißt dies aber auch, dass weniger Geld für eine solide Einkommenspolitik vorhanden ist. Es führt auch zu einer weiterhin hohen Kreditaufnahme durch die US-Regierung an internationalen Finanzmärkten. Diese Kapitalzuflüsse treiben aber weiterhin den – historisch gesehen – relativ hohen Wert des Dollars in die Höhe und erschweren so eine Erholung der amerikanischen Exportwirtschaft. Die US-Regierung hält starr an ihrem bevorzugten wirtschaftspolitischen Instrument fest, nämlich die Steuern zu senken. Aus dieser einseitigen Wirtschaftspolitik folgt, dass strukturpolitische Maßnahmen nicht angegangen werden. Zum Beispiel ließ sich die US-Regierung erst dann auf eine Diskussion über die Erhöhung des Mindestlohnes ein, als diese mit starken Vergünstigungen bei der Hinterlassenschaftssteuer gekoppelt war, die nur 0,03% der Hinterlassenschaften zugute gekommen wäre. Die Wirtschaft wächst langsamer Die überwältigende Mehrheit der Wirtschaftsindikatoren weist auf eine sich verlangsamende Wirtschaft in der zweiten Hälfte 2006 hin. Die Situation ist durch schwächeres gesamtwirtschaftliches Wachstum, abnehmendes Konsumwachstum, sinkende Beschäftigungszuwächse und weniger Lohnsteigerungen gekennzeichnet. Seit Anfang des Jahres hat sich das Wirtschaftswachstum drastisch verlangsamt und wird sich, allen Erwartungen zufolge auch weiterhin auf relativ niedrigem Niveau befinden. Im ersten Quartal 2006 wuchs die US-Wirtschaft um 5,6% auf Jahresbasis. Im Vergleich dazu fiel das Wachstum auf 2,5% im zweiten Quartal ab. Führende Wirtschaftsexperten erwarten, dass die Wirtschaft in den folgenden vier Quartalen nur um jeweils 2,7% im Vergleich zum Vorjahr wachsen wird. Damit könnte 2006 das zweite Jahr in Folge mit einem schrumpfenden Wachstum sein. Von 2004 auf 2005 fiel das Jahreswachstum schon von 3,9% auf 3,2% ab. * Von Christian E. Weller, Senior Economist, Center for American Progress, Washington, D.C.
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Die US-Ökonomie am Scheideweg : wirtschaftliche Schwächen erfordern ein Umdenken in der Wirtschaftspolitik
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