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Die US-Ökonomie am Scheideweg : wirtschaftliche Schwächen erfordern ein Umdenken in der Wirtschaftspolitik
Entstehung
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FES-Analyse: USA kommens erhöhte. Die Eigenkapital-Liquidie­rung war damit ungefähr doppelt so wichtig für den Konsumanstieg wie Einkommenssteigerun­gen. In der Zukunft wird der kreditfinanzierte Konsum notwendigerweise schwächer ausfal­len. Die Möglichkeit der Aufnahme von Kredi­ten, die durch Immobilienwerte gesichert sind, hat in den letzten Jahren eine besondere Rolle gespielt. Seit Beginn des Jahres 2006 stagnieren die Preissteigerungen im Immobilienbereich generell, und teilweise haben die Preise sogar nachgegeben. Dies heißt mittelfristig, dass priva­te Haushalte über weniger Eigenkapital verfügen werden, was die Neuaufnahme von Immobilien­krediten und auch das kreditfinanzierte Wachs­tum des Konsums zwingendermaßen verringert. Höhere Zinsen: Schluss mit demLeben auf Pump? Der kreditfinanzierte Konsum wird zu einem na­türlichen Ende kommen, denn schließlich kön­nen private Haushalte nicht endlos schneller Schulden machen als ihre Einkommen steigen. Zudem sind die Zinsen seit Mitte 2004 gestiegen, und zwar in einem Maße, das die Neuaufnahme von Krediten erheblich verteuert. Die wachsende Rückzahlungslast Zinsen und Tilgung relativ zum verfügbaren Einkom­men belegt diese Entwicklung. Mitte 2001 stieg sie zum ersten Mal, seit die Federal Reserve die­se Zahlen 1980 veröffentlicht hat, und zwar stabil auf über 13%. Mit Beginn des Zinsanstiegs zog auch die durchschnittliche Rückzahlungslast an. Von Mitte 2004, als die Federal Reserve begann, ihre Leitzinsen anzuheben, bis März 2006 stieg sie von 13,1% des verfügbaren Einkommens auf 13,9%. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum stiegen die Ausgaben für Benzin, Öl und Ener­giegüter relativ zum verfügbaren Einkommen um nur 0,5 Prozentpunkte, beinahe 40% langsa­mer. Anders ausgedrückt: höhere Zinsen hem­men das Konsumwachstum derzeit wesentlich stärker als höhere Energiepreise. Für den Rest des Jahres 2006 kann man mit einem weiteren Anstieg der Rückzahlungslast rechnen. Ein vergleichbar hoher Anteil an den Gesamtschulden der Haushalte entfällt auf Kre­5 dite mit variablen Zinsen: Kreditkarten und Ei­genheim-Eigenkapital-Kreditlinien. Zudem sind viele Konsumentenkredite aufgrund ihrer kurzen Laufzeit als variable Zinsprodukte einzustufen. Wenn z.B. ein Autokredit abgezahlt ist, wird ein neuer Kredit mit dem dann gültigen Zinssatz aufgenommen, um ein neues Auto anzuschaffen. Insbesondere ist auch zu betonen, dass viele neue Hypotheken in den letzten Jahren mit variablen Zinssätzen ausgestattet waren. Diese Produkte bieten dem Verbraucher am Anfang einen niedrigeren Zinssatz, der nur kurzfristig festgeschrieben ist. Nach einer gewissen Frist kann der Schuldner sich dann für einen kurz­fristigen oder langfristigen Zinssatz entscheiden. Variable Zinsen auf Hypotheken haben es in den letzten Jahren vielen Haushalten ermöglicht, höhere Hypotheken aufzunehmen und sich damit ein Eigenheim in einem immer teureren Immobilienmarkt zu kaufen, da kurzfristige Zin­sen in der Regel niedriger sind als langfristige Zinsen. Das hat aber zur Folge, dass höhere Marktzinsen schneller als in der Vergangenheit zu höheren Rückzahlungslasten führen. Der Anstieg des Zinsniveaus hat vier Folgen für die Konsumausgaben der privaten Haus­halte: 1. Zum einen verteuern höhere Zinsen den Immobilienerwerb sowie Renovierungen. Im zweiten Quartal sanken die Ausgaben der privaten Haushalte für Neukäufe und Reno­vierungen um 6,3% auf inflationsbereinigter Jahresbasis. Im Frühling und Sommer 2006 hat der Arbeitsmarkt damit schon einen star­ken Dämpfer erfahren. Von März 2001 bis Februar 2006, dem letzten Monat mit einem nennenswerten Anstieg der Beschäftigung in baunahen Industrien(Bau, Baufinanzie­rung, Möbelverkauf und Baumärkte) befan­den sich 76,7% aller neugeschaffenen Stellen im privaten Gewerbe und 44,6% aller neuge­schaffenen Stellen in der Gesamtwirtschaft in diesen Industrien. Durchschnittlich wurden während dieses Zeitraums jeden Monat 16.800 neue Stellen geschaffen. In den fol­genden Monaten waren es durchschnittlich nur 6.700 Stellen weniger als die Hälfte. 2. Die sinkende Nachfrage nach neuen Immo­bilien aufgrund höherer Zinsen trägt zwei­tens auch zu schwächeren Wertsteigerungen