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Die US-Ökonomie am Scheideweg : wirtschaftliche Schwächen erfordern ein Umdenken in der Wirtschaftspolitik
Entstehung
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8 Weniger Kunden weniger Gründe zu investieren Mit dem Absinken der Gesamtlohnsumme steigen gleichzeitig die Gewinne auf Rekord­höhen. Zum Beispiel ist der Anteil aller Unter­nehmensgewinne vor Steuern an dem volkswirt­schaftlichen Gesamteinkommen auf 13,7% im ers­ten Quartal 2006 gestiegen. Dies war das höchste Niveau seit 1947. Die Profitrate der Industrieun­ternehmen stieg auf ihr höchstes Niveau seit An­fang 1980. Anders als erwartet hat dieser Profitboom aber nicht zu einem Investitionsboom geführt. Allen Behauptungen zum Trotz reagieren Fir­men eher wenig auf Profite, Steuer- und Zins­senkungen in ihren Investitionsentscheidun­gen. Viel wichtiger sind Verkaufsanstiege, um Firmen zu Neuinvestitionen zu animieren. Mit der aufkommenden Flaute im privaten Konsum ist auch die Investitionstätigkeit der Firmen ge­schrumpft. Im zweiten Quartal 2006 wuchsen die inflationsbereinigten Investitonen der Firmen nur um 2,7% im Vergleich zum Vorjahr; das war der langsamste Anstieg seit über zwei Jahren. Diese Schwäche bei den Firmeninvestitionen folgt auf ähnlich schwache Investitionen wäh­rend des gesamten Konjunkturzyklus. Insgesamt befanden sich die Investitionsausgaben auf ei­nem durchschnittlichen Niveau von 10,3% des BIP, dem niedrigsten Durchschnitt seit den spä­ten 1960er Jahren(Abb. 3). Diese Zahlen beziehen sich auf die Bruttoin­vestitionen, die sowohl Ersatzinvestitionen für veraltete Anlagen als auch echte Neuanschaffun­gen beinhalten. Ebenso wichtig für das Ver­ständnis des Firmenverhaltens sind aber die Net­to-Investitionen. Diese befanden sich im Durch­schnitt des aktuellen Konjunkturzyklus auf ei­FES-Analyse: USA nem historischen Tiefstniveau von 1,8% des BIP (Abb. 3). Auch in den letzten Quartalen sind die Nettoneuinvestitionen nur bis auf 2,5% des BIP gestiegen. Die amerikanischen Firmen haben sich vor­nehmlich auf Ersatzinvestitionen konzentriert. Die relativ schnellen Abschreibungszeiträume im ame­rikanischen Steuerrecht moderner Ausrüstungs­gegenstände, wie Computer und Software, füh­ren zu vergleichbar hohen Ersatzinvestitionen. Wenn aber einmal alle überholten Computer und Computerprogramme ersetzt worden sind, stei­gen Firmeninvestitionen anscheinend nicht wei­ter an ein Anzeichen der Zurückhaltung der Firmen bei wirklich neuen Investitionen. Diese Zurückhaltung bei Firmeninvestitionen spiegelt sich auch in den Bilanzen der amerikani­schen Firmen nieder. Seit den 1960er Jahren hat­ten die Industrieunternehmen keine so hohen Bestände an liquiden Mitteln mehr. In den letz­ten Jahren war der Anteil liquider Mittel bei den Industrieunternehmen auf ca. 6,0% des Gesamt­vermögens gestiegen, das höchste Niveau seit Ende 1966. Statt ihre Gewinne in Neuinvestitionen zu stecken, haben sich viele Firmen entschlossen, ihre Aktionäre zu belohnen, indem sie ihre eige­nen Aktien zurückkaufen und Dividendenzah­lungen erhöhen. Im Durchschnitt des Konjunk­turzyklus haben z.B. die Industrieunternehmen 86,8% ihrer Gewinne vor Steuern für den Netto­rückkauf ihrer eigenen Aktien und für Dividen­denausschüttungen verwendet. Das ist der höchste Anteil von Gewinnen, der je von der Fe­deral Reserve verzeichnet wurde.