FES-Analyse: USA und Universitäten erreicht werden, aber auch durch staatliche Anreize für die berufliche Weiterbildung. In dieser Hinsicht ist aber eine wichtige Lehre der letzten Jahre zu beherzigen: Eine besser ausgebildete Arbeitnehmerschaft führt nicht automatisch zu stärkerem Beschäftigungswachstum. Arbeitnehmer, die Investitionen in ihre Weiterbildung unternehmen, müssen auch realistische Chancen haben, eine Beschäftigung zu erhalten, die ihren neuen Qualifikationen entspricht. Vor dem Hintergrund des sehr schwachen Beschäftigungswachstums der letzten Jahre erfordert dies stärkere öffentliche Investitionen, die nicht nur neue Technologien, z.B. im Energiebereich, ausbauen, sondern auch verstärkt zum Beschäftigungswachstum beitragen. Solche gezielten Arbeitsmarktmaßnahmen hätten zur Folge, dass die USA eine besser ausgebildete Arbeitnehmerschaft und mehr Investitionsgüter zur Verfügung hätten. Beides könnte die internationale Wettbewerbsfähigkeit der amerikanischen Wirtschaft stärken und damit zu erhöhten Exporten führen, die das Handelsbilanzdefizit schrumpfen lassen könnten. Da das Handelsbilanzdefizit zum Teil auch an das Budgetdefizit gekoppelt ist, wäre eine Rückkehr zu verantwortungsvollerer Finanzpolitik 15 auch beim Abbau des Handelsbilanzdefizits hilfreich. Niedrigere staatliche Neuverschuldung würde zu geringeren Kapitaleinflüssen führen und somit den Druck auf den Dollar verringern. Die Währung könnte damit langsam auf ein langfristig tragbares Niveau sinken. Ein niedrigerer Dollar würde damit amerikanische Exporte auf den Weltmärkten wettbewerbsfähiger machen. Ein langsam sinkender Dollar wäre vermutlich auch im Interesse europäischer Geldpolitik, da die Gefahr importierter Inflation sänke. Dies könnte zu einem niedrigeren Zinsniveau im Euro-Raum beitragen. Eine gezielte wirtschaftspolitische Lösung für das US-Handelsbilanzdefizit heißt aber auch, dass die USA verstärkt die wirtschaftliche Lage und einheimische wirtschaftliche Institutionen ihrer Handelspartner berücksichtigen müssen. Ganz konkret heißt das, dass die Durchsetzung von Arbeitnehmerrechten einen höheren Stellenwert in internationalen Handelsabkommen einnehmen muss, aber auch, dass die USA verstärkt in Handelspartnerländern investieren müssen. Investitionen sollten sich vornehmlich auf den Ausbau wichtiger einheimischer Institutionen, wie z.B. die Durchsetzung von Arbeitnehmerrechten, Ausbau des einheimischen Bankenwesens und verbesserte Steuerpolitik richten.
Druckschrift
Die US-Ökonomie am Scheideweg : wirtschaftliche Schwächen erfordern ein Umdenken in der Wirtschaftspolitik
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten