4 Einwohnern ist die Mongolei das Land mit der niedrigsten Bevölkerungsdichte. Die Befreiung vom Sozialismus und von der Vormundschaft der Sowjetunion war außerdem nur der erste Schritt. Denn damit stand der Mongolei die schwierigste erst noch bevor: nämFES-Analyse: Mongolei lich die Folgen des wirtschaftlichen Kolonialismus zu überwinden oder, wie es ein mongolischer Ökonom überspitzt formuliert hat, mit einer nur schwach entwickelten industriellen Basis„den Sprung aus dem Feudalismus zum Kapitalismus“ zu schaffen. Sozialer Frust und politische Handlungsschwäche: Auf der Suche nach einem neuen Kompass Die Ereignisse, die in den mongolischen Medien in den Wochen vor dem Höhepunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten im Juli Schlagzeilen machten, waren nicht dazu angetan, Festlaune zu verbreiten. Am 15. Juni wurde in der Hauptstadt Ulan Bator der junge Vorsitzende der zu Jahresbeginn neu eingerichteten staatlichen Finanz- und Bankenaufsicht von dem ins Visier der Kontrolleure geratenen Chef einer Kreditgenossenschaft erschossen. Wie aufgeheizt die Stimmung nach der Pleiteserie von einem Dutzend Genossenschaftsbanken war, demonstrierten die aufgebrachten Hundertschaften geprellter Kleinsparer, die in den Wochen vor und nach der Bluttat das Parlaments- und Regierungsgebäude zu stürmen versuchten. Gleichzeitig deuteten Auflösungserscheinungen in der erst im Januar unter Führung der Mongolischen Revolutionären Volkspartei (MRVP) neu gebildeten Koalitionsregierung darauf hin, dass auch diese Konstellation kaum bis zum Ende der Legislaturperiode 2008 durchhalten dürfte. Dass die politischen Krisenzeichen mehr als eine Momentaufnahme sind, ist an drei Symptomen abzulesen: Der Sukh-Bator-Platz im Zentrum der Hauptstadt, auf dem sich Anfang 1990 der Widerstand gegen das alte System formiert hatte, ist in den vergangenen Jahren zur Parademeile für die wachsende Zahl all jener geworden, die sich als Verlierer der Wende fühlen. Der zunehmenden Aggressivität der Demonstranten entspricht die rabiate Gegenwehr, mit der die Sicherheitskräfte bei nächtlichen Razzien gegen die Belagerung des Platzes vor dem Parlaments- und Regierungssitz durch protestierende Dauercamper vorgehen. Wie sozialer Frust, gepaart mit politischer Handlungsschwäche, das Vertrauen untergräbt, belegen die von der unabhängigen Sant-MaralStiftung regelmäßig durchgeführten Meinungsumfragen. In der Erhebung vom Frühjahr 2006 äußerten bereits 70% der Befragten ihre Unzufriedenheit mit der wenige Monate zuvor neu gebildeten Regierung. Etwa die Hälfte gab an, keiner der politischen Parteien mehr zu vertrauen. Die Enttäuschung und die Ungeduld spiegeln sich auch in anderen Beobachtungen, die über das Atmosphärische hinaus vorläufig jedoch nicht überbewertet werden sollten. Wenn in Gesprächen mit Mongolen aus ganz unterschiedlichen sozialen Gruppen der Ruf nach dem„starken Mann“ laut wird, geschieht das etwa mit dem Hinweis, dass in dem autoritär regierten Nachbarland, der ehemaligen Sowjetrepublik Kasachstan, das jährliche Pro-Kopf-Einkommen bei 3500 US-Dollar, in der demokratischen Mongolei dagegen bei nur 590 US-Dollar liege. Das korrespondiert mit den wiederkehrenden Gedankenspielen von Kommentatoren in einigen der postkommunistischen MRVP nahe stehenden Medien, die den Königsweg aus der Krise darin sehen, das parlamentarische System durch eine straff geführte Präsidialherrschaft zu ersetzen. Die Dynamik, mit der sich der Druck erhöht hat, erklärt sich aus der politischen Entwicklung seit der letzten Parlamentswahl 2004, aus der bis heute keine stabile Regierung hervorgegangen ist – geschweige denn eine, die der um sich greifenden Orientierungslosigkeit, in die das Land steuert, ein überzeugendes Zukunftskonzept entgegenzusetzen hätte: Seit der Wende haben die mongolischen Wähler auf verschiedene politische Farben gesetzt. Bei der ersten Parlamentswahl nach der Verabschiedung der neuen demokratischen Verfassung im Jahr 1992 entschieden sie sich für die MRVP, die damals noch von ihrer überlegenen Mobilisierungsfähigkeit und dem starken Rückhalt auf dem Land profitierte. Bei der zweiten von 1996 wurde die nur„teil-gewendete“ alte Einheitspartei von dem oppositionellen Wahlbündnis der Demokratischen Union(DU) abgelöst. Als die sich mit ihren marktwirtschaftlichen Radikalreformen und dem dreifachen Wechsel des Ministerpräsidenten
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