10 zentriert auf Nahrungsmittel, Getränke, Textilien und Bekleidung) und die strukturelle Schwäche der Landwirtschaft, die sich in dem stark rückläufigen Beitrag zur wirtschaftlichen Wertschöpfung von 38%(1995) auf gegenwärtig 21,3% des BIP ausdrückt. Zum einen bleibt das Potenzial beider Sektoren, mit weltmarktfähigen Nischenprodukten zur Diversifizierung des Exports beizutragen, ungenutzt. Außerdem hatte die schlagartige und undifferenzierte Senkung der Importzölle den unerwünschten Nebeneffekt, dass die Mongolei von chinesischen Billigprodukten, einschließlich Obst und Gemüse, überschwemmt wurde und inzwischen selbst bei Grundnahrungsmitteln wie Getreide in wachsendem Umfang von Importen abhängig ist. Mit einem Wertschöpfungsanteil der verarbeitenden Industrie von weniger als 10% ist die Mongolei das Schlusslicht in Asien. Während staatliche Großunternehmen wie der weltweit fünftgrößte Kaschmirproduzent Gobi JSC – anders als die ehemals staatlichen Banken – immer noch auf finanz- und technologiestarke Investoren warten, haben vor allem mittelständische Privatunternehmer am härtesten um ihre Existenz zu kämpfen. Sie übernahmen nach der Wende Betriebe, die in der Regel technologisch veraltet und heruntergewirtschaftet waren, haben aber bei den extrem hohen Risikoaufschlägen der Geschäftsbanken bis heute größte Schwierigkeiten, ihren Kapitalbedarf zu finanzierbaren Konditionen zu decken. Ohne dieses Handicap zu kompensieren, hat die Regierung an anderer Stelle einen ebenso mutigen wie haushaltspolitisch riskanten Schritt zur Stimulierung von Arbeitsmarkt und Nachfrage unternommen, der insbesondere auch den mittelständischen Unternehmen zugute kommen soll. So werden mit der im Sommer vom Parlament verabschiedeten Steuerreform die bisher dreistufige Einkommenssteuer(1020-30%) durch eine Flatrate von 10% ersetzt, die beiden Sätze der Körperschaftssteuer um jeweils 5% auf 25% bzw. 10% gesenkt und die Mehrwertsteuer von 15% auf 10% reduziert. Hoffnungsträger Bergbau oder die Angst vor der schleichenden Enteignung Als der kanadische Bergbaukonzern Ivanhoe Mines Ltd. im Sommer 2003 die Nachricht verbreitete, in Oyu Tolgoi in der südlichen Gobi, nahe an der Grenze zu China, das größte noch unerschlossene Kupfer- und Goldvorkommen der Welt entdeckt zu haben, hat das den Blick auf die Mongolei über die internationale FES-Analyse: Mongolei Fachöffentlichkeit hinaus verändert. Angetrieben vom Rohstoffhunger boomender Volkswirtschaften wie China und explodierenden Weltmarktpreisen, richten sich die wirtschaftlichen Begehrlichkeiten verstärkt auf das Reservoir, das die Mongolei nach dem Befund einer amerikanischen Fachzeitschrift zu„one of the last frontiers for mineral exploration“ macht. Inzwischen sind in der Mongolei rund 200 Bergbaugesellschaften aktiv – mit BHP Billiton, Vale do Rio Doce, Rio Tinto, Anglo Gold, Mitsui und Samsung ein repräsentativer Querschnitt dessen, was in der internationalen Szene Rang und Namen hat. Mit dem schnellen Wachstum bei den Explorationsausgaben(2005 insgesamt 127 Mio. US-Dollar) gehört das Land weltweit zu den Spitzenreitern. In welchem Umfang die wirtschaftliche Entwicklung bereits heute vom Bergbau abhängt, zeigt die Statistik. Nach den Zahlen der nationalen Bergbaubehörde Mineral Resources and Petroleum Authority(MRAM) – die von der Weltbank errechneten Anteile liegen zum Teil deutlich niedriger – erwirtschaftet der Sektor, auf den im Jahr 2005 66% der industriellen Wertschöpfung entfielen, 18% des BIP und 76% der Exporterlöse. Von den ausländischen Direktinvestitionen fließen mittlerweile zwei Drittel in den Rohstoffbereich. Folgt man der Ankündigung von MRAM-Chef Luvsanvandan Bold, dann soll der Bergbau als„wichtigster Wachstumsmotor“ in den nächsten Jahren seinen Beitrag zur„umfassenden wirtschaftlichen Entwicklung“ verdoppeln. Das ist die optimistische, um das Vertrauen der Investoren werbende Sicht. Die andere, die den Umfragen zufolge in der Bevölkerung breite Unterstützung findet, hat sich von Jahresbeginn an in der Hauptstadt in einer Welle von Massenprotesten entladen und die Regierung unter Druck gesetzt. Danach gilt der Bergbau weniger als Hoffnungsträger des wirtschaftlichen und sozialen Fortschritts, sondern vor allem als ein Synonym für Korruption, Ausbeutung und – nach den traumatischen Erfahrungen unter sowjetischer Herrschaft – für die zweite, schleichende Enteignung des Landes. Dass die Mongolei mit ihren Rohstoffvorkommen (neben Kupfer und Gold vor allem Flussspat, Molybdän, Eisenerz, Uran und Kohle) über ein enormes, noch weitgehend unerschlossenes Potenzial für seine Entwicklung und einen breit verankerten Wohlstand verfügt, ist unbestritten. Bis zur Wende profitierte davon vornehmlich die Sowjetunion. Noch heute kommen rund 80% der mongolischen Staatseinnahmen aus dem Rohstoffsektor von zwei mit russischen Partnern
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