FES-Analyse: Mongolei betriebenen Gemeinschaftsunternehmen: der Mitte der 70er Jahre gegründeten Erdenet Mining Corp. im Nordwesten von Ulan Bator, die mit einer Jahresproduktion von 500.000 t Kupferkonzentrat zu den zehn größten Kupferminen der Welt gehört, und von Mongolrostsvetmet Co., dem führenden FlussspatProduzenten des Landes mit einem jährlichen Ausstoß von 170.000 t. Um welche Dimensionen es im mongolischen Ressourcen-Monopoly unter den veränderten Wettbewerbsbedingungen geht, wird an zwei aktuellen Großprojekten deutlich. Im Wüstengebiet von Oyu Tolgoi hat Ivanhoe als Lizenznehmer seine Hand auf Lagerstätten gelegt, aus denen sich nach eigenen Berechnungen über einen Zeitraum von 40 Jahren im Schnitt jährlich 660.000 t Kupferkonzentrat und 23 t Gold gewinnen lassen. Den Investitionsaufwand für das Gesamtvorhaben, einschließlich Infrastruktur, veranschlagt der Konzern auf 5,6 Mrd. US-Dollar. Weiter westlich schließen sich die Kokskohlevorkommen von Tavan Tolgoi(geschätztes Volumen 5-6 Mrd. t) an, um deren Abbau japanische und südkoreanische Unternehmen sowie die russische SeverstalGruppe konkurrieren. In beiden Fällen liegt mit China ein unersättlicher Markt vor der Haustür, der schon jetzt der mit Abstand größte Abnehmer der mongolischen Rohstoffexporte(85% der mongolischen Kupferförderung) ist. An diesen Projekten und an einer Reihe kleinerer Projekte hat sich eine Verteilungsdebatte entzündet, die auch mit der im Sommer verabschiedeten Novelle zum Bergbaugesetz von 1997 noch längst nicht abgeschlossen ist. Dabei geht es um zwei Kernprobleme: zum einen die Rechtsgrundlagen, mit denen sich der mongolische Staat einen angemessenen, also möglichst großen Anteil an den von ausländischen Minenbetreibern beanspruchten Gewinnen sichert; zum anderen im Binnenverhältnis um die vor dem Hintergrund eskalierender sozialer Spannungen entscheidende Frage, wie die Rohstoffeinnahmen zwischen Zentralregierung und Gebietskörperschaften gerechter aufgeteilt werden können und wie gleichzeitig zu gewährleisten ist, dass die Mittel zielgerichtet für die wirtschaftliche Entwicklung und Armutsbekämpfung eingesetzt werden. Der Konflikt weist über den Bergbau hinaus, weil es unter dem Stichwort Verteilungsgerechtigkeit um grundsätzliche Weichenstellungen für eine nachhaltige wirtschaftliche, soziale, aber auch ökologisch ver11 tretbare Entwicklung und damit um die Schwachpunkte und Deformationen der wirtschaftlichen Reformpolitik insgesamt geht. Dass sich der Korruptionsvorwurf vor allem am Bergbau festmacht, ist das Ergebnis eines Privatisierungsverfahrens, von dem die Angehörigen der alten und neuen Nomenklatura am meisten profitiert haben. Auf der langen Liste von Privatpersonen, die in der Regel nur gegen die Entrichtung einer Registrierungsgebühr Bergbaulizenzen als lukrative Spekulationsobjekte erworben haben, sind ehemalige und aktive Politiker aus Parlament und Regierung besonders zahlreich und prominent vertreten. Die deutlichsten, in den längerfristigen Auswirkungen schwer abzuschätzenden Spuren hat der öffentliche Druck auf dem Feld hinterlassen, das die Regierung besonders sorgsam gegen Störungen abzuschirmen versucht hatte: bei den Investitionsbedingungen. So konnte auch der energische Einspruch von Ministerpräsident Enkhbold nicht verhindern, dass das Parlament, unterstützt von seiner eigenen Fraktion, im Mai im Handstreichverfahren eine Sondersteuer auf Bergbaugewinne einführte. Diese Windfall Profits Tax, die über den Rohstoffsektor hinaus für erhebliche Unruhe bei den ausländischen Investoren sorgte, ist an die Weltmarktpreise für Kupfer und Gold gekoppelt. Danach werden die Erträge über einem bestimmten Preisniveau(500 US-Dollar je Feinunze Gold/2.600 US-Dollar pro Tonne Kupfer) mit einer Zusatzsteuer in Höhe von 68% belegt. Obwohl das neue Bergbaugesetz mit mehr Augenmaß zwischen nationalen und Investoreninteressen zu vermitteln sucht, enthält es ebenfalls Bestimmungen, die je nach Auslegung für einen rohstoffpolitischen Kurswechsel genutzt werden können. Danach hat der Staat bei Lagerstätten von „strategischer Bedeutung“ das Recht, Unternehmensanteile in Höhe von 34% bzw. 50% zu erwerben, je nachdem, ob die Exploration privat oder mit öffentlichen Mitteln finanziert wurde. Strukturpolitik statt sozialer Trostpflaster Um sich ein Bild von den sozialen Verwerfungen und der tiefen Kluft in den Lebensverhältnissen zu machen, die das Land spaltet, braucht der Besucher der Mongolei keine Statistik. Sie sind im Stadtbild von Ulan Bator mit seinen offiziell 900.000, nach realistischen Schätzungen dagegen
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten