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Die Mongolei im Reformtief : Dauerkrise oder "zweiter Aufbruch"?
Entstehung
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FES-Analyse: Mongolei her größten chinesischen Staatskredit in Höhe von 300 Mio. US-Dollar akzeptiert, der zwar zu konzes­sionären Bedingungen vergeben wird, aber zum größten Teil(240 Mio. US-Dollar) liefergebunden ist. Über den Schwarzhandel mit Kaschmirwolle, geschützten Wildarten, Fellen und Rohleder sind chinesische Händler außerdem maßgeblich an der mongolischen Schattenwirtschaft beteiligt, deren Umfang auf mindestens ein Viertel des BIP ge­schätzt wird. Schocktherapie mit Nebenwirkungen Wie beim politischen Systemwechsel setzten die füh­renden Köpfe des demokratischen Aufbruchs auch in der Wirtschaft auf einen klaren Schnitt, also auf den Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft durch Schocktherapie. Das Tempo, das nach dem ersten Re­gierungswechsel noch forciert wurde, war atemberau­bend und führte dazu, dass die Mongolei bereits 1997 als erstes postkommunistisches Transformationsland in die Welthandelsorganisation WTO aufgenommen wurde. Von 1991 an wurden die Staatsunternehmen(aus­gespart blieben die erst seit 2001 zum Verkauf ste­hendenMost Valued Companies) und der gesamte Viehbestand in zwei Wellen privatisiert. Inzwischen sind über 90% der mongolischen Unternehmen in Privathand. Mit der Freigabe der Treibstoffpreise war 1996 auch die Preisliberalisierung abgeschlossen. Gleichzeitig öffnete sich die Mongolei mit durchgrei­fenden Zollsenkungen für den internationalen Handel und sicherte ausländischen Anlegern mit dem 1993 verabschiedeten Investitionsgesetz weitreichende Vorzugsbedingungen zu. Der Radikalkur, die mit dem Wegbrechen des Co­mecon-Marktes zunächst in den wirtschaftlichen Zu­sammenbruch führte, lag entwicklungsstrategisch fol­gendes Kalkül zu Grunde: Der vorauseilende Gehor­sam bei der Umsetzung von Liberalisierungszielen sollte das Land möglichst schnell für großzügige Entwicklungshilfe westlicher Geber qualifizieren. Mit diesem Kapital sollten die infrastrukturellen und technologischen Voraussetzungen für die Integration der Mongolei in die Weltwirtschaft geschaffen und der Grund für ein vornehmlich von heimischen und ausländischen Privatinvestitionen angetriebenes Wachstum gelegt werden. 9 Bei der Entwicklungshilfe ist die Rechnung aufge­gangen. Seit 1991 sind insgesamt rund 2,4 Mrd. US-Dollar an bilateralen und multilateralen Mit­teln ins Land geflossen. Mit einem Pro-Kopf-Anteil von 90 US-Dollar im Jahr gehört die Mongolei damit zu den am stärksten geförderten Ländern weltweit. Die natürlichen Handicaps hat ein mongolischer Wirtschaftswissenschaftler einprägsam alsthe tyran­nies of distance and isolation beschrieben. Sie sind bedingt durch die schiere Ausdehnung des Landes (mit einer Fläche von der 4,3-fachen Größe Deutsch­lands), die dünne Besiedlung(mit 1,6 Einwoh­nern/qkm hat die Mongolei weltweit die niedrigste Bevölkerungsdichte) und die abgeschlossene Binnen­lage. Das Rückgrat des insgesamt nur ca. 1.800 km umfassenden Schienennetzes und des Güterverkehrs ist die Transsibirische Eisenbahn, die auch die Ver­bindung zum nordostchinesischen Hafen Tianjin her­stellt. Von den Überlandstraßen mit einer Gesamtlänge von knapp 12.000 km sind weniger als 15% asphal­tiert(Stand 2004). Um eine durchgehende Verbin­dung zwischen den östlichen und westlichen Lan­desteilen zu schaffen, hat die Regierung 2001 den Bau des so genannten Millennium-Highways(es handelt sich um eine zweispurige, asphaltierte Au­tostraße) in Angriff genommen, der mit einer Län­ge von 2500 km bis 2011 fertig gestellt sein und später durch mehrere von der russischen bis zur chinesischen Grenze reichende Nord-Süd-Trassen ergänzt werden soll. Der Energiesektor mit seiner konservierten Monopolstruktur ist ein anderes Bei­spiel für den enormen Investitionsbedarf zur Erneue­rung und zum Ausbau der Infrastruktur. Schätzungen westlicher Experten zufolge erfordert allein die tech­nische Modernisierung der vorhandenen Kohlekraft­werke und des Versorgungsnetzes(Strom, Heizung) einen Kapitalaufwand in Höhe von 3,5 Mrd. US­Dollar. Andere Faktoren haben die durch Geografie, Kli­ma und Geschichte bedingten Wettbewerbsnachteile noch verstärkt. So tut sich die mongolische Regierung bis heute ausgesprochen schwer, die Konsequenzen aus der Erkenntnis zu ziehen, dass Privatisierung und Marktöffnung ohne flankierende Maßnahmen keine Selbstläufer auf dem Weg zu wirtschaftlichem Erfolg sind. Welche Folgen das hat, veranschaulichen die Stagnation in der verarbeitenden Industrie(kon-