FES-Analyse: Mongolei kooperatives Verhältnis zu unterhalten, gleichzeitig aber die Mongolei in ein möglichst dicht geknüpftes Netz bilateraler und multilateraler Beziehungen in und außerhalb der Region einzubetten. Die wichtigsten Anker in diesem Konzept der„Dritten Nachbarn“ sind innerhalb der Region Japan und Südkorea und außerhalb die USA und die EU. Das entspricht den wirtschaftlichen Entwicklungsinteressen ebenso wie den Sicherheitsanliegen des Landes, das angesichts des Verhältnisses von territorialer Ausdehnung und Bevölkerungsgröße selbst bei erheblich größeren militärischen Anstrengungen(die Mongolei verfügt über eine Armee von insgesamt nur knapp 10.000 Mann und 137.000 Reservisten) nicht in der Lage wäre, sich aus eigener Kraft zu verteidigen. Für die Beurteilung, wie realistisch die mongolische Diplomatie den eigenen Gestaltungsspielraum eingeschätzt hat und wie stabil oder gefährdet das Fundament für die nationale Selbstbehauptung aus heutiger Sicht ist, sind zwei Wendepunkte von Bedeutung: Der erste fällt in die frühen 1990er Jahre, als es der Mongolei mit gestärktem Selbstbewusstsein und großem diplomatischen Geschick gelang, sein Verhältnis zu Moskau und Peking auf eine neue, gleichberechtigte Grundlage zu stellen. Gleichzeitig war es die Phase, in der sich unter veränderten Vorzeichen neue Abhängigkeiten entwickelten. Den zweiten und aktuellen leitete der 11. September 2001 ein, in dessen Gefolge sich für die Mongolei die Gelegenheit bot, sich enger an die USA anzulehnen und – im wechselseitigen Interesse – in dieser Partnerschaft ein Gegengewicht zu dem dominierenden Einfluss Chinas zu suchen. Prekäre Dreiecksbeziehung – Die Mongolei zwischen Peking, Washington und Moskau Der Weg der Mongolei in die Unabhängigkeit wurde von zwei Entwicklungen begünstigt: dem Zerfall der Sowjetunion und der Wende in den russischchinesischen Beziehungen von der Konfrontation zur Kooperation. Besiegelt wurde die Neugestaltung des Verhältnisses zu den beiden großen Nachbarn in den Verträgen über freundschaftliche Beziehungen und Zusammenarbeit, die 1993 erst mit der Russischen Föderation und ein Jahr später mit China abgeschlossen wurden. Von besonderer Bedeutung für die mongolische Seite waren dabei die wechselsei15 tigen Verpflichtungen, alles zu unterlassen, was die Sicherheit des jeweils anderen Vertragspartners gefährden könnte, und die erklärte Bereitschaft Moskaus und Pekings, den Status der Mongolei als atomwaffenfreie Zone sowie das in der Verfassung verankerte Verbot der Stationierung fremder Truppen auf mongolischem Territorium anzuerkennen. Dennoch entwickelten sich die Beziehungen nicht störungsfrei. Belastet war das Verhältnis zu Russland vor allem durch den langwierigen Streit um die Höhe und die Rückzahlung der mongolischen Altschulden aus sowjetischer Zeit. Erst 2004 kam es zu einer Einigung, unter der Moskau dem ehemaligen Satelliten bis auf einen Rest von 250 Mio. US-Dollar den größten Teil der geltend gemachten Forderungen in Höhe von 11,6 Mrd. US-Dollar erließ. Auch mit China gab es immer wieder Anlass zu wechselseitigem Misstrauen. In der Mongolei immer dann, wenn chinesische Historiker unter Verwendung des Begriffs„Äußere Mongolei“(die Innere Mongolei ist ein Teil der Volksrepublik) die Unabhängigkeit des Nachbarn in Frage stellten. Auf der anderen Seite reagiert Peking jedes Mal hochgradig gereizt, wenn der Dalai Lama, den auch die mongolischen Buddhisten als ihr spirituelles Oberhaupt verehren, das Land besucht. Obwohl seine Visiten keinen offiziellen Charakter haben, übte die chinesische Regierung 2002 „Vergeltung“ und kappte für zwei Tage die Verkehrsverbindungen mit der Mongolei. Andere Entwicklungen wiegen schwerer. Sie sind im Ergebnis so eindeutig, dass sich die Frage, welche der großen Regionalmächte, Japan eingeschlossen, über die stärkste Hebelwirkung auf das Geschick der Mongolei verfügt, von selbst beantwortet. Russland übt einen gewissen Einfluss über die Bestandspflege der militärischen Kontakte aus. Außerdem ist es der wichtigste Energielieferant, von dem die Mongolei 80% seiner Öleinfuhren bezieht. Dennoch steht die Relevanz dieser Beziehungen in keinem Verhältnis zu dem Erfolg, mit dem China über die Ökonomisierung der Außenbeziehungen seinen strategischen Interessen auch in der Mongolei Geltung verschafft. Wie die mongolische Öffentlichkeit auf die Umkehr der früheren Abhängigkeiten reagiert, überrascht und zeugt von erheblicher Verunsicherung. In einer Umfrage zu den außenpolitischen Präferenzen in der Bevölkerung, die von der Sant Maral Stiftung 2004 durchgeführt wurde, rangierte unter den bevorzugten Partnern die einstige Kolonialmacht Russland mit doppelt so viel Stimmen vor den
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