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Informationscontainer oder gebildete Bürger? : Die Zukunft der Universität ; Januar 2001
Entstehung
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Gesine Schwan Informationscontainer oder gebildete Bürger? Die Zukunft der Universität durch Hergestelltes zu ersetzen. Die kulturellen Reaktionen auf diese verwirrenden Erfah­rungen bekunden zumeist ein Gefühl der Hoffnungs- und Sinnlosigkeit, allenfalls bieten sie dem Chaos nüchtern die Stirn. Aber stehen wir wirklich vor einem so radikalen Umbruch, dass er alle unsere bisherigen Herausforderungen in den Schatten stellte und die Einsichten und Ziele, an denen wir uns bislang orientiert haben, entwertete? Vor zwanzig Jahren hielt der ehemalige britische Premierminister Harold Macmillan zur Zeit des Präsidentschaftswechsels von Carter zu Reagan, der sogtransition period, in Washington einen Vortrag, den er über achtzig Jahre alt, ganz elder statesman und mit Würde auf seinen Stock gestützt- mit folgender Geschichte begann: Vor langer Zeit ge­schah es im Paradies, dass die Schlange Eva dazu überredete, einen verbotenen Apfel zu essen. Eva wiederum überredete Adam dazu, das Gleiche zu tun. Als Gott das sah, wurde er zornig und warf sie hinaus aus dem Paradies. Wie sie beide im Ausgang standen und auf den Weg zur Erde blickten, fasste Adam Eva bei der Hand und sagte:Well Eve, we are now entering a period of transition. Man könnte das etwas frei mit den Worten über­setzen:Eva, jetzt beginnt für uns eine Zeit der Umbrüche. Mit seiner britischen Distanz und Ironie sprach Macmillan aus der kostbaren Erfahrung des alten Mannes, der begriffen hat, dass die Menschen im Laufe der Geschichte immer in der Empfindung eines radikalen, oft tief verunsichernden Umbruchs gelebt haben. Die naive Idee eines radikal neuen Zeitalters schleift sich damit ab an der Vergegenwärtigung der geschichtlichen Wiederkehr, nicht nur der fundamentalen existentiellen Herausforderun­gen des menschlichen Daseins Geburt, Tod, Glücksstreben und Scheitern, Gerechtig­keit, Liebe und Krieg-, sondern auch wertvoller, nach wie vor gültiger Einsichten und Le­bensperspektiven unserer Vorfahren, die uns Orientierung bieten können. In der Span­nung dieser Doppelpoligkeit von unbezweifelbar neuen Herausforderungen und der fort­dauernden Geltung alter Einsichten möchte ich die Frage nach der Zukunft der Universität im Folgenden erwägen. I. 1. Virtualisierung der Universität für die zukünftige Wissensgesellschaft? Zu den Bekräftigungen, die man heute auf keinen Fall auslassen sollte, wenn man sich auf der Höhe der Zeit erweisen will, gehört diejenige, dass wir uns in einerWissensgesell­schaft befänden. Wissen, so allerdings schon vor mehr als dreißig Jahren der amerikani­sche Soziologe Daniel Bell, löst als Grundlage der wirtschaftlichen Produktion die mate­riellen Rohstoffe ab. Die Folgerung daraus ist einfach: Um reich zu sein und uns auf der Welt zu behaupten, müssen wir über möglichst viel Wissen verfügen und unsere Jugend www.fes-online-akademie.de Seite 2 von 19